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Das neue Hannover, 4/2010

Spüren Sie es auch? Haben auch Sie das Gefühl, dass in Hannover sich was tut, sich was bewegt, sich was entwickelt? Damit wir uns nicht missverstehen, ich spreche - nach dem extremen Winter - nicht von Frühlingsgefühlen, nicht vom Wunsch nach Wärme, Sonne, Licht. Ich fühle eine kribbelige Aufbruchstimmung in dieser Stadt - obwohl mein Kopf sagt, das kann doch nicht sein, um uns herum muss jetzt Krise sein, die Stadt ist hoch verschuldet, es muss eisern gespart werden, es gibt nichts mehr zu lachen. Aber Hand aufs Herz: Gehen in Hannover die Uhren womöglich anders? Das fängt schon damit an, dass unsere Geldinstitute unisono Erfolgsmeldungen verbreiten und keine Horrorzahlen. Unglaublich viele Hannoveraner mutieren zu Hobbyarchitekten und Amateurstadtplanern und kommen gar nicht mehr hinterher, bei all den ausgestellten Plänen und Visionen und heißen Debatten um sinnige und unsinnige Entscheidungen in Richtung Zukunft. Ich beobachte, wie seit langem nicht mehr in dieser Stadt heftig diskutiert und gestritten wird. Selbst die Chefredakteure unserer zwei großen Tageszeitungen kommen aus der Deckung heraus und schreiben in der Sache konträre, im Duktus aber leidenschaftliche Leitartikel und Kommentare. Und dann hüpft auch noch - wie aus heiterem Himmel - so ein ganz natürlicher, frischer, gerade im Abitur stehender Floh singend aus einer öffentlich-rechtlichen Fernseh-Anstalt und verbreitet in dieser angeblich so protestantisch-zurückhaltenden Stadt einen ansteckenden fröhlichen Freudevirus. Hannover im Lenafieber mit der Tendenz der Ausbreitung in ganz Deutschland und möglicherweise über Deutschland hinaus!

Mousse T., der hannovertreue Weltklassemusiker und frisch gekürte Stadtkulturpreisträger, hat mir die Augen geöffnet und das „Kind beim Namen“ genannt: Am 12.3.2010 (Historiker sollten sich dieses Datum merken) sagte er in der HAZ, dass er Lena sehr gerne als neue Kollegin begrüßen möchte, „weil ich sie als Künstlerin sehr speziell finde und sie das neue Hannover verkörpert.“

Wenn Sie sich diesen Satz ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen, kann Folgendes passieren: Erinnerungen, Beobachtungen, Wahrnehmungen, die bis zum 12.3.2010 wie Puzzlesteine im Kopf herumsausten, fügen sich plötzlich zu einem neuen, bunten, qualitätsvollen und sehr speziellen Hannoverbild zusammen: Das sind zum Beispiel die breit diskutierten Visionen zum Thema City 2020; die beschlossenen Bauvorhaben Schloss Herrenhausen und Sprengelmuseum; die mit vollem Recht umstrittene Landtagserneuerung; die gewaltige Kröpckesanierung; der neue Raschplatz, der sich mit neuer Spielbank, neuen Kinos und renoviertem Pavillon zum nächtlichen Herz Hannovers mausern wird; die mittlerweile voll ins Geschäftsleben integrierte Ernst-August-Galerie nebst wiedererstandenem Rosenquartier; die markanten Neubauten der Nord-LB, der VGH und der Medini-Bau von Madsack in der schmuck werdenden Langen Laube; die neue Nicky-de-Saint-Phalle-Promenade; der (immer noch) schönste, milieuverbindende Bahnhof Deutschlands nebst Stadtfoyer in Form des Ernst-August-Platzes; die von den Anliegern selbst aufgemöbelte Luisenstraße bis hin zum neu gestalteten Opernplatz (mit weniger Autos und dafür mehr Skatern).

In wenigen Woche glänzt der Zoo mit der neuen Attraktion „Yukon-Bay“; das jetzt schon fast ausgebuchte Philosophie-Festival und die noch um Zuschauer kämpfenden neuen KunstFestSpiele Herrenhausen setzen völlig neue Akzente in die Kultur- und Festivallandschaft; die Oper schafft bravourös den Spagat zwischen anspruchsvollster, schwerer Kost und leichter Muse und ist sich nicht zu fein, die Übertragung des EM-Endspiels Deutschland/Spanien spontan in einen Konzertabend einzubauen und die Poetry-Slammer aufeinander los dichten zu lassen; der neue Schauspielintendant darf noch sein Profil schärfen; das Landesmuseum wird mit dem neuen holländischen Direktor immer jünger; das Sprengelmuseum immer anziehender; die zahlreichen freien Bühnen immer beliebter und immer mehr Kneipen setzten auf Kunst statt Käse. Das GOP entstaubt das Varieté, Desimo erweitert das Kabarett um die Comedy, die Club- Szene wird immer dichter und edler und Hannover Concerts sieht statt Krise eine anhaltende „Lust der Fans auf Shows“.

Es kann sich auch nicht um einen Tanz auf dem Vulkan handeln, wenn sich in der Musikhochschule bei einer neuen Präsidentin Wettbewerbsgewinner die Klinke in die Hand geben, junge Pop-Musiker das Fernsehen alt aussehen lassen und hannoversche Spitzenjazzer vor lauter Nachfrage nicht dazu kommen, in der eigenen Stadt aufzutreten. Aber dafür kann man in Hannover jeden Sonntag ein hochkarätiges Chorkonzert erleben. In der Oper wird eine junge, dynamische Musikdirektorin demnächst den Ton angeben und im NDR wurde der Taktstock von japanischen in vielversprechende schwedische Hände übergeben. Im INI und an der Medizinischen Hochschule sind internationale Koryphäen am Werk bzw. am Menschen und im Laserzentrum der Uni Hannover wird an der Zukunft gearbeitet. Mensch Käßmann hat Maßstäbe gesetzt, der frisch gekürte neue Stadtsuperintendent hat sich einiges vorgenommen und, sorry für diesen Übergang, Hannover 96 kriegt bestimmt noch die Kurve um auch das vielfältige sportliche 1.-Liga-Niveau Hannovers nicht zu trüben.

Ganz unbescheiden: Zum „neuen Hannover“ gehören aber auch wir anfangs meist etwas zögerlichen, ansonsten aber weltoffenen, aufgeschlossenen und gut geerdeten Bürger. Der Intendant, der Direktor und der Politiker, der uns respektiert, auf Augenhöhe begegnet und uns durch Wort, Tat und Aufrichtigkeit überzeugt, läuft Gefahr, von uns für immer ins Herz geschlossen zu werden. Das ist das ganz Spezielle am alten, neuen Hannover … das übrigens am 14. Juni 1990 (auch dieses Datum sollten sich Historiker merken) in Paris auf die Welt kam. Völlig überraschend bekam das unscheinbare Hannover an diesem Tag den Zuschlag für die EXPO 2000.

Erwin Schütterle

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