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Straßenkampf, 08/2017

Schlimm genug, dass Hannovers Straßen im Sommer wegen der vielen Baustellen für Aufregung und im Laufe des Jahres wegen der umstrittenen Renovierungen, der damit verknüpften Anliegergebühren oder den ins Auge gefassten Umbenennungen für reichlich Erregung sorgen. Als wenn man sonst keine Sorgen hätte, führt jetzt der Tod eines weiteren Ex-Bundeskanzlers auch noch zu parteipolitischem Zwist um neue Straßennamen. Die CDU wünscht eine Helmut-Kohl-Straße, die SPD (nachdem sie sich nicht mehr an der Wehrmachtsuniform stört) eine Helmut-Schmidt-Straße und schlussendlich wünscht die FDP eine Hans-Dietrich-Genscher-Straße. Die Grünen aus Linden-Limmer wiederum „bedrohen den städtischen Frieden“, weil sie unbedingt einen Platz nach dem vor 23 Jahren in Hannover auf dubiose Weise umgekommenen Kurden Halim Dener benennen wollen …während ich mehr als zufrieden wäre, wenn sich Hannover lediglich mit einer „Straße der Wiedervereinigung“ schmücken würde.

Eine passende Verkehrsfläche für die Ehrung verstorbener Politiker zu finden ist in der Tat ein echtes Problem. Die in Frage kommenden Straßen, Alleen, Plätze, Ringe, Höfe oder Parks sollten „zentral und nicht im Irgendwo“ liegen und möglichst wenig – am liebsten gar keine – Anwohner um sich herum haben. Einfache „Wege“ sind für so wichtige Leute per se total abwegig. Die Willy-Brandt-Allee war diesbezüglich vielleicht der letzte Idealfall in Hannover. Wie schwierig die Situation jetzt ist, sieht man auch daran, dass die CDU sich nicht damit anfreunden kann, die ohnehin auf der „Abschusslinie“ stehende Hindenburgstraße zu Gunsten einer Helmut-Kohl-Straße umzubenennen, obwohl a) die Adresse ihrer Landes-Geschäftsstelle dadurch ungemein gewinnen würde, b) um die Ecke herum am Zoo sogar gleich die Adenauerallee (ohne Vornamen!) beginnt und c) Hannover es gut verkraften könnte, auf ein paar der zahlreichen mit Straßennamen dekorierten alten Weltkrieger zu verzichten. Vielleicht einigen sich möglicherweise die Spitzen der beiden großen Volksparteien auf einen taktischen Schachzug: Hindenburg wird doch gegen Kohl ausgetauscht. Im Gegenzug wird aus der Odeonstraße, die von der Kurt-Schumacher-Straße (mit Vornamen!) abzweigt und in der der SPD-Landesverband sein Domizil hat, eine Helmut-Schmidt-Straße. Man hätte den parteilichen Proporz gewahrt und das Gute mit dem Nützlichen verbunden. Die FDP wiederum könnte den Vorschlag ins Spiel bringen, den Theodor-Heuss-Ring in Misburg in einen Hans-Dietrich-Genscher-Ring umzutaufen. Bestimmt ist sie meiner Meinung, dass mein schwäbischer Landsmann und erster Bundespräsident mit einem Theodor-Heuss-Platz vor dem HCC in Hannover ausreichend gewürdigt ist. Bleiben nur noch die Grünen in Linden-Limmer, denen man einen Petra-Kelly-Platz schmackhaft machen müsste. Abraten würde ich indessen von der zwar straßensparenden, dennoch ziemlich abwegigen Überlegung, die beiden auf einander folgenden Kanzler großkoalitionistisch auf einer „Helmut Schmidt- und Kohlstraße“ zusammenzulegen. Dann doch lieber vorerst mal abwarten und Gilde oder Herri trinken. Wer weiß…

Nicht nur Hannover, auch andere Städte tun sich schwer, für „verschiedene“ auswärtige Politiker auf die Schnelle eine passende Straße zu finden. Einfacher dürfte es – bitte aber möglichst erst in 30 oder 40 Jahren – sein, einheimische Politiker, die sich für Hannover, Niedersachsen und Deutschland verdient gemacht haben, in ihrer Heimatstadt standesgemäß zu bestraßen und damit für kommende Generationen im Blick zu behalten. Ich denke da zum Beispiel an einen hannoverschen Ex-Ministerpräsident-und-Bundeskanzler sowie an einen Rekord-Ex-Oberbürgermeister, der 34 Jahre ununterbrochen Hannover regierte. Dessen Namen freilich schließt eine Straße und insbesondere einen Weg aus. Ihn nur mit dem Vornamen zu verewigen geht erst recht nicht.

Da hab ich’s einfacher: In 50 Jahren wird kein Mensch in der Erwinstraße im Hindenburg- oder Kohlviertel an den Meister Erwin aus Steinbach – den Erbauer des Straßburger Münsters – denken, sondern besten- oder schlimmstenfalls an einen gewissen

Erwin Schütterle
www.natuerlichhannover.de

 

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