Freundeskreis Hannover e. V.
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Hauptsache: Kultur, 02/2018

Es ist nicht einfach, den Wert und die Notwendigkeit von Kultur kurz und prägnant in Worte zu fassen. Richard von Weizäcker schrieb: „Kultur ist kein Luxus, den wir uns entweder leisten oder nach Belieben auch streichen können, sondern der geistige Boden, der unsere innere Überlebensfähigkeit sichert.“ Der in Deutschland lebende iranische Schriftsteller Said ergänzt diese Aussage mit dem Satz: „Nur der hat vor Überfremdung Angst, der seine eigene Kultur nicht kennt und nicht schätzt.“ Vor Jahren schrieb ich: Kultur ist das, was von uns Menschen übrig bleibt, wenn wir das Materielle unberücksichtigt lassen. Zuletzt kam ich zu dem Ergebnis, dass Kultur Seelennahrung und genauso lebensnotwendig wie Essen und Trinken ist. Kultur hat nicht nur denselben Stellenwert wie Wirtschaft, Wissenschaft und Soziales – diese Bereiche bedingen sich sogar gegenseitig.

Stadtkultur wiederum ist für mich nicht allein die (teure) Hochkultur und deren passiver Konsum. Stadtkultur schließt auch die zahlreichen kulturellen Aktivitäten und Alltagsangebote mit ein, die sich auch Minderbemittelte leisten können sowie die Art und Weise, wie wir Stadtbewohner miteinander umgehen und wie wir uns selbst kulturell einbringen und engagieren.

In aller Unbescheidenheit: Hannover hat im kulturellen Bereich in den letzten Jahren einen großen Sprung nach vorne gemacht. Mit der optimalen Neubesetzung der Kunstfestspielleitung ist Stefan Schostock ein genialer Schachzug gelungen, die Oper glänzt, der NDR ergänzt sie Open Air im Maschpark, die Bandbreite der staatlichen und privaten Theater ist enorm, die Museen können sich sehen lassen, die Tanzszene ist facettenreich, das Varieté setzt international neue Maßstäbe, Hannover-Concerts zieht die stärksten Bands und Stars an Land, Kabarett und Comedy sind bestens etabliert, die öffentlichen Bibliotheken sind gut frequentiert, für die Literatur ist im vergangenen Jahr ein neuer Preis für junge Autoren ausgelobt worden, die Film- und Kinoszene hat viel zu bieten, exquisite Feste, Festivals und Wettbewerbe sind wahre Besuchermagnete und nicht zuletzt ist Hannover durch die Unseco-Auszeichnung als City of Music auch international ins Gespräch gekommen. Ich weiß von was ich rede, wenn ich behaupte, dass Hannover nicht nur auf seine aktive und attraktive Musikszene, sondern auch auf seine höchst vielseitige, pulsierende, kreative, Lebensqualität spendende private „Klein-Kulturszene“ mehr als stolz sein kann.

Unter diesem Gesichtspunkt war (nicht allein) ich vor drei Jahren ziemlich entsetzt, als das Kulturdezernat zerfleddert und zerredet und schlussendlich dem Personaldezernenten zugeschlagen wurde   …und jetzt zerschlagen ist. Liebe Politiker, lieber Oberbürgermeister, vergesst den ganzen Hickhack um den Fall Härke und schaut in die Zukunft. Ihr habt jetzt die große Chance, diesen kulturpolitischen Ausrutscher von damals wieder gut zu machen, indem ihr im Rathaus dem Kulturdezernat wieder die ihm zustehende Hauptrolle zuweist – besonders mit bzw. inklusive der Kulturperle Herrenhausen mit all’ ihren Stärken und Schwächen. Personal kann verwaltet, Kultur muss gepflegt, gestaltet, gelebt und belebt werden. Ihr wisst zu gut: Ein attraktives und breit gefächertes Kulturangebot ist das beste Lockmittel um hochqualifizierte Fachkräfte, Neubürger und Touristen nach Hannover zu locken.

Wenn ihr es wirklich ernst meint mit der Kulturhauptstadtbewerbung, dann streitet jetzt nicht um das Vorschlagsrecht. Klärt mit dem OB die Aufgaben der einzelnen Dezernate ab, erarbeitet eine für qualifizierte Bewerber attraktive Stellenausschreibung, stellt eine verschwiegene, parteiübergreifende Findungskommission zusammen, zerredet nicht im Vorfeld die Bewerbungen, sondern entscheidet euch zu gegebener Zeit für die beste Frau, den besten Mann! Ich weiß, diese Vorgehensweise ist reine Utopie. Aber ein Versuch wär’s allemal wert. Unser Hannover hätte es auf jeden Fall verdient!

Erwin Schütterle
www.natuerlichhannover.de

 

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