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Sternlos, 7/2010

Wir basteln uns ein Vorurteil

„Wow! Verdammte Axt ist das geil!“ würde Lena sagen: Jahrzehntelang wird negativ oder nicht über Hannover geschrieben. Und spätestens seit dieses frechfrischfröhliche Mädchen in Oslo im kleinen Schwarzen ein Liebesliedchen singt, entdeckt Deutschlands Blätterwald plötzlich die Stärken Hannovers: „Hannover ist das Herz, die Seele, der Bauch der Republik“, schreibt die ZEIT. BILD bringt bundesweit eine gesamte „letzte Seite“ mit den Erfolgsgeheimnissen Hannovers unters Volk und verurteilt alle zu „Banausen“, die noch nie in Hannover waren. Die „Frankfurter Allgemeine“n schreiben ganz unseriös „Der Bär steppt an der Leine“ und selbst für die „Süddeutsche“n Wadenbeißer, die (für uns Hannoveraner unvergessen) seinerzeit geradezu bösartig gegen die EXPO stänkerten, hat sich Hannover „von der Raupe zum Schmetterling entpuppt“ - nur Michael Streck im STERN Nr. 24/2010 fällt auf Seite 48 nichts Besseres ein, als dermaßen platt, polemisch und borniert über Hannover herzuziehen, dass es den guten Henri Nannen, der 1948 in Hannover den STERN gründete, bestimmt im Grabe umdreht und mich dermaßen auf die Palme bringt, dass ich mein jahrzehntelanges STERN-Abo (zwar lange unterbrochen durch die Hitler-Tagebuch-Blamage) auf der Stelle kündigen muss. Mag sein, dass der Autor ganz besonders witzig sein wollte, aber ich hatte den STERN abonniert und kein Witzblatt, und ich erwarte von einem ernstzunehmenden Magazin, dass es vorurteilsfrei berichtet und am besten vor Ort einem Sachverhalt auf den Grund geht. Damit wir uns klar verstehen: Auch wenn der STERN über Bielefeld,Nürnberg oder Braunschweig so verächtlich geschrieben hätte, er hätte mich ebenfalls als Abonnent verloren, denn der Artikel ist einfach schlecht geschrieben und überflüssig. So, das musste jetzt mal gesagt werden …und da ich wenig Chancen sehe, dass der STERN meinen Leserbrief veröffentlicht, an dieser Stelle meine (noch wohlwollend) formulierte Stellungnahme:

„Mein Gott, Michael Streck, wie muss es Ihnen schwer gefallen sein, nach dem wiederholten Zitieren aller gängigen Vorurteile über Hannover, diese Stadt letztendlich doch positiv beschreiben zu müssen. Viel einfacher wäre es gewesen, sich in Hamburg in den Zug zu setzen, in 75 Minuten das einladende, auffällig großzügige und nicht immer reine Foyer der Stadt (Bahnhofsvorplatz) zu betreten und sich von uns ganz beiläufig informieren zu lassen, dass hier vor 10 Jahren tatsächlich die Weltausstellung stattgefunden hat und vor 62 Jahren der STERN auf die Welt kam, Hannover kein Theater schließt, dafür das Sprengel Museum erweitert, den Zoo noch erlebnisreicher macht, ein Schloss baut und in seinem einzigartigen Barockgarten Herrenhausen dieses Jahr ein Festival etabliert, das so innovativ und zukunftsweisend ist, dass wir Hannoveraner uns über eine unpolemische, mediale Unterstützung seitens des Stern sehr gefreut hätten. Wir hätten Ihnen auch ganz beiläufig verraten, dass Hannover die einzige deutsche Stadt ist, die im Dialog mit den Bürgern darüber diskutiert, wie die City in den nächsten 10 bis 15 Jahren umgestaltet werden sollte. Kurzum: Hannover redet nicht viel, Hannover handelt und bewegt und ist - wie Lena und Mousse T. - authentisch, emotional und erdverbunden. Und wenn wir uns mal nicht bewegen, genießen wir aus vollen Zügen diese l(i)ebenswerte und im wahrsten Sinne des Wortes natürliche Stadt.“

PS: Es ist reiner Zufall, dass Robert Enke in Hannover verzweifelte, Margot Käßmann in Hannover schwach und stark auftritt, Europa in diesem Jahr reif für Lenas Natürlichkeit war und Ursula von der Leyen und Christian Wulff in Hannover leben. Kein Zufall ist, dass in Hannover eine ergreifende Trauerfeier für Enke durchgeführt werden konnte, Frau Käßmann von den Hannoveranern vor und nach ihrem Rücktritt geliebt wird, Hannover über ein riesiges musikalisches Potenzial verfügt und Politiker sich in Hannover entfalten können. Kurzum: Hannover ist, wie es eben ist.

Erwin Schütterle

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