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Wie kleine Kinder, 2/2010

Erwin SchütterleEigentlich wollte ich in dieser ersten Kolumne über den „Schnee von gestern“ schreiben. Über die unterschiedlichen Reaktionen auf diese gesetzlose und ganz natürlich vom Himmel fallende Wachstumsbeschleunigungs- bzw. Zeitentschleunigungsmaßnahme. Die einen freuen sich wie kleine Kinder über die schon lange nicht mehr erlebte Schneepracht. Die anderen füllen die Leserbriefspalten mit ihren Behauptungen, dass die Stadt mutwillig und absichtlich vor ihrem Haus den Schnee nicht wegräumt und überhaupt der ganze Winter weggesalzt werden müsse. Warum können/wollen wir uns nicht einfach mal der Natur anpassen, etwas kürzer oder langsamer treten, das Auto vielleicht mal stehen lassen, Spikes unter die Schuhe binden (nicht verboten) und den Winter Winter sein lassen? Ich gestehe: Nach Berichten über die ersten Wintertoten fürchtete ich sogar, dass es nicht lange dauern wird, bis die Pharmaindustrie den Regierenden klarmacht, dass unbedingt ein Impfstoff gegen den Winter entwickelt werden muss und die Länder schon mal für die nächsten 10 Jahre ihre Bestellmengen durchgeben sollen…

Sie merken es: Jetzt bin ich beim derzeitigen Lieblingsthema Geld und Gier angekommen. Keine Frage: Die Hannoveraner sind zwar keine Aufschneider, doch Hannover ist bestimmt keine gier- und eitelkeitsfreie Stadt. Aber heute (am 15.1.) hatte ich das Glück ein markantes Gegenbeispiel zu erleben: Ich durfte zur Jahresversammlung der Internationalen Stiftung Neurobionik im INI (das ist das auffällige Gebäude im Medical Park in Form eines menschlichen Gehirns) etwas Kunst organisieren und erlebte dabei einen quicklebendigen Prof. Samii (geb. 1937), der nachmittags noch (eigenhändig) operiert hat, danach eine Senatsversammlung leitete und dann den ca. 50 (meist medizinisch ungebildeten) Anwesenden verständlich und bildhaft demonstrierte, mit welchen höchstmodernen Geräten das INI ausgestattet ist und welche bislang unvorstellbaren Behandlungsmethoden in seinem Institut erforscht und praktiziert werden. Wir können nachvollziehen, wie er die kompliziertesten Gehirntumore entfernt sowie schwerste Behinderungen durch millimetergenaue Hirnoperationen beseitigt. Danach erklärte Prof. Sturm ebenso verständlich seine bahnbrechenden Erfolge bei der Behandlung von Hirnblutungen nach Schlaganfall durch eine temporäre Implantation von Stammzellen (kleine „Arzneimittelfabriken“) und Prof. Brinker brachte uns zum Staunen über seine vielversprechenden Erfolge bei der Behandlung von Alzheimer durch Tiefe Hirnstimulation. Bei allen Vorträgen tauchte auch immer der Name von Prof. Freund auf, der ein wahres Genie auf dem Gebiete der Neurodiagnostik und bildlichen Darstellung des menschlichen Gehirns sein muss.

Nun gut, werden Sie jetzt sagen, ist ja toll, dass wir solche medizinischen Koryphäen in Hannover haben, wunderbar, dass ein hannoversches Institut womöglich wesentlich dazu beiträgt, in absehbarer Zeit Alzheimer, Demenz und andere neurologische Erkrankungen in den Griff zu bekommen. Fehlt ja nur noch, dass die dann auch noch Gier, Neid und Machthunger einfach wegoperieren. Was soll’s? Zutiefst beeindruckt hat mich die Tatsache, dass hier ca. 50 Unternehmer, Unternehmensvorstände, Aufsichtsräte, Banker, Wissenschaftler, gut verdienende Musiker und wohlhabende Privatiers saßen, die diese Forschungen zum Wohle aller großzügig mit sinnvoll angelegtem Geld oder Zeit unterstützen. Sehr beeindruckt hat mich auch, dass diese hochkarätigen Hirnspezialisten nie von namenlosen Fällen sprachen, sondern vom „14-jährigen russischen Jungen“ oder von der „hochbegabten kroatischen Dolmetscherin“. Daran konnte man hautnah spüren, dass es neben der wissenschaftlich- medizinischen Herausforderung immer um den Dienst am Menschen geht. Emotional tief berührt war ich aber von der durchgängigen Reaktion dieser Medizinprofessoren nach gelungenen Operationen: Wenn man in den kurz eingespielten Filmen sah, wie Kinder, Jugendliche, Alte zwei Tage nach der Operation sich wieder bewegen, wieder selbstständig aufstehen konnten oder nicht mehr ans Bett gefesselt werden mussten, freuten sie sich wie kleine Kinder!

Und ich habe wieder mehr Vertrauen zu Menschen und Medizinern - besonders als ich beim anschließenden Häppchenessen mit halbem Ohr mitbekam, wie Prof. Samii seinen Kollegen Prof. Freund besorgt fragte, wie sie morgen beim kleinen Patienten in Station 4 weiter vorgehen wollen..

Erwin Schütterle

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