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Friede den Ohren, 8/2010

Erwin Schütterle„Ist es da nicht laut?“ wurde ich immer wieder gefragt, als ich in den 70er Jahren in der Altstadt – gegenüber „Erich“ – wohnte. Meine Antwort: „Ich würde mich beschweren, wenn es hier immer ruhig wäre.“ Man kann die wenigen Zeitgenossen, die sich am städtischen Lebensgeräusch (juristisch: Sozialadäquater Lärm) erregen, nur davor warnen, aufs Land zu ziehen. Sie kommen vom Regen in die Traufe: An jedem Samstagmorgen mäht ein anderer Nachbar seinen Rasen, irgendwo wird immer gegrillt und lautstark gefeiert, Frösche quaken stundenlang um die Wette, und am schlimmsten sind die Vögel. Die machen ab dem ersten Sonnenstrahl so einen Höllenlärm, dass man unmöglich bei geöffnetem Fenster weiterschlafen kann. Landbewohner klagen nicht, sie nennen das: Leben.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Feuerwerke und extrem laute Musikberieselung sind keine Heiligtümer, über die man nicht reden kann und darf. Auch wird mit etwas weniger akustischem Feuerzauber die Welt nicht untergehen und Hannover immer noch eine ereignisreiche, quirlige Großstadt bleiben. In diesem Zusammenhang muss man aber fragen dürfen, ob ein paar wenige Menschen mit Hilfe juristischer Spitzfindigkeiten bestimmen können, über was sich Tausende andere Menschen freuen dürfen oder nicht. Auch werde ich den Verdacht nicht los, dass einzelne Individuen eine Lebensaufgabe darin sehen, mit geradezu missionarischem Eifer ihre ganz persönliche Lebensauffassung anderen aufzwängen zu wollen bzw. persönliche Probleme auf Kosten der Allgemeinheit zu kompensieren. Drei klagen gegen Feuerwerk in Herrenhausen, weil sie offensichtlich ganz allgemein was gegen Feuerwerk haben, ein bis zwei Altstadtbewohner schaffen es, Jazz am Ballhof verstummen zu lassen, weil sie möglicherweise generell Musik nicht leiden und weder am Tag noch in der Nacht schlafen können. Ein einziger Letterer kann sich rühmen, dass Konzerte im abgelegenen Volksbad Limmer (direkt am lauten Westschnellweg gelegen) abgesagt werden müssen. Wenn es so weitergeht, klagt demnächst der Gesundheitsfanatiker gegen den Verkauf von fetten Schweinehaxen, weil er am liebsten Fleischessen generell verbieten möchte, der Moralapostel fordert per einstweiliger Verfügung sexfreie Hotelzimmer, der militante Nichtraucher will per Gesetz das Rauchen generell verbieten und die verbissene Alkoholgegnerin klagt ein generelles Alkoholverbot ein. Oder man klagt einfach, weil man sonst nichts zu beklagen hat, so lange bis endlich Friedhofsruhe herrscht. Wenn jedoch auf demokratischem Weg – wie kürzlich in Bayern – das Rauchen in der Öffentlichkeit eingeschränkt wird und die Raucher ihren vernebelten Hintern nicht hoch bekommen, um für ihre eigenen Rechte zu kämpfen, kann man ihnen auch nicht helfen. Aber man muss auch mal fragen dürfen, ob die Stadtverwaltung immer leise treten muss und bei Beschwerden einzelner Bürger sofort den Verbotshammer schwingen muss und nicht (auch auf diesem Gebiet) ein Minimum an Toleranz von den Bürgern verlangt und das Gemeinwohl – wenn’s sein muss: juristisch – verteidigt.

Wie kann man aber kurzfristig den „lärmgeplagten“ Herrenhäusler, Südstädtler und Limmerer helfen und gleichzeitig den Zigtausenden Menschen, die in Herrenhausen, am Maschsee und sonstwo in der Stadt Leben erleben möchten, ihren Spaß nicht verderben? Die (sorry) ganz einfache Lösung war für mich im wahrsten Sinne des Wortes „naheliegend“. Dazu muss ich an dieser Stelle verraten, dass ich ein Extremschnarcher bin. Laut ärztlichem „Lärmgutachten“ liegt mein nächtlicher Schnarchanteil bei 70 %. Das sind bei 7 Stunden Schlaf 5 Stunden gnadenloses „Holzsägen“. Eigentlich unzumutbar. Da ich mit meiner Liebsten nicht verwandt bin, könnte sie mich auf Unterlassung verklagen oder des gemeinsamen Bettes verweisen. Tut sie aber nicht, weil sie auch nachts meine Nähe liebt. Was macht ein Mensch, der friert? Er zieht sich warm an. Was macht ein Mensch, wenn es regnet? Er verklagt nicht den Wetterdienst, er öffnet den Regenschirm. Und was macht ein Mensch, den menschliche, tierische, technische oder künstlerische Verlautbarungen stören? Er verschließt seine geplagten Öhrchen einfach mit zwei Stöpseln, die gemeinhin unter dem Namen Ohropax für ein geringes Entgelt bei Rossmann und Mitbewerbern käuflich zu erwerben sind. (In begründeten Einzelfällen übernimmt in Herrenhausen der „Der Mann mit dem Zylinder“ bestimmt die Kosten.)

Erwin Schütterle

PS: Wissen Sie, über was ich mich richtig aufrege? Ich finde es absolut unerträglich, dass bei Livekonzerten in jeder Pause und unmittelbar nach dem letzten Ton Konservenmusik aufgelegt wird. Ich werde wohl demnächst einen Veranstalter verklagen!!

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