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Heilig Abend im September, 10/2010

Erwin Schütterle

Was für ein Zinnober! Ich meine nicht die Aufregung um Sarrazin und all die hektischen Reaktionen auf seine reaktionären, ungenießbaren Gen-Gedanken. Ich spreche vom 13. Zinnober-Kunstvolkslauf, bei dem an zwei Tagen in 40 Kunsthäusern 200 hannoversche Künstler entdeckt werden konnten. Wir schafften (per Fahrrad) gerade mal sechs Stationen. Von der 12 qm kleinen j3fm-Galerie in der Kollenrodtstraße bis hin zum krönenden Abschluss in Peter Hansens und Jorge La Guardias Galerie E-Damm 13.

Was hier abging, war ein faszinierendes, globales Gesamtkunstwerk mit einer überraschenden Schlusspointe: In der Galerie lädt uns zunächst der türkische Maler, Soziologe, Religions- und Politikwissenschaftler Halil A. Ataman zum Gespräch und marokkanischen Tee ein. Eine Etage tiefer, im kleinen, pittoresken Atelier des spanischen Multitalents Jorge La Guardia, sitzen dicht gedrängt gut drei Dutzend Fremde, Freunde, Verwandte. Wasser und Wein stehen wie selbstverständlich auf dem Tisch, in der Ecke gibt es was zu essen. Umgeben von Jorges kraftvollen Stierkampfgemälden, die lückenlos an allen vier Wänden bis unter die Decke hängen, spielen, singen, tanzen, klatschen der Hausherr, seine Tochter, seine japanische Schwiegertochter, ein weiterer spanischer Gitarrist und ein mexikanischer Trommler puren, feurigen Flamenco. Wir alle sind hin und weg von dieser Spontaneität, dieser Energie, diesem authentischen Stück Spanien – mitten in Hannover… und fangen an zu fragen, zu reden und zu diskutieren: Ist das nicht verrückt, ein Türke stellt eindringliche Bilder aus, drei Spanier, ein Mexikaner und eine japanische Tänzerin spielen für sich und zur Freude ihres bunt gemischten Publikums in einem kleinen Hinterhaus in Hannover Flamenco? Sind diese Menschen nicht eine wunderbare Bereicherung unseres Lebens und unseres Landes? Und Jorge la Guardia, ist und bleibt er nicht ein hundertprozentiger stolzer Andalusier, obwohl er seit 50 Jahren in Hannover lebt und – wie er selbst sagt – nirgendwo anders leben könnte? (Was sinngemäß auch für den Türken Halil A. Ataman gilt, der seit 40 Jahren in Deutschland zu Hause ist.) Ist das nicht der Beweis, dass die Globalisierung eben nicht nur auf die Wirtschaft beschränkt bleibt, sondern unaufhaltsam auch die Menschen und die Kulturen verbindet und vermischt und Nationen zwangsläufig immer internationaler und vielschichtiger werden – und nicht dümmer, wie Sarrazin behauptet? Dann kommen die Fragen: Aber wollen viele Türken und alle Islamisten sich partout nicht integrieren, nicht mal anpassen? Sind die so umfangreich und stark geworden, dass sie unter sich bleiben können, nicht die deutsche Sprache können müssen und kein Interesse daran haben, ihr Leben mit unserem zu teilen?

Mit solchen Gedanken und Fragen im Kopf betreten wir irgendwann nach 22 Uhr wieder den E-Damm, wo wir auf ein lautstarkes, extrem heiteres Gekichere und Gegackere stoßen – ausgelöst von einem guten Dutzend junger, fröhlicher und ziemlich fein herausgeputzter türkischer „Kopftuchmädchen“. Ich will wissen, was das auf sich hat und lass mich von meiner Liebsten (die von Natur aus etwas zurückhaltender ist) nicht zurückhalten: „Hey, was gibt es bei euch zu feiern, hat jemand von euch demnächst Hochzeit?“ frage ich frech drauflos, weil mich das Ganze an so etwas wie einen Junggesellinnenabschied erinnert. In astreinem Deutsch, mit Fröhlichkeit und herzerfrischender Offenheit werden wir aufgeklärt: „Wir feiern heute unseren Heiligen Abend. Das ist der 27. Tag im Fastenmonat Ramadan, an dem der Koran offenbart wurde. Wir haben zusammen schön gegessen und müssen jetzt gleich noch in die Moschee. Und in drei Tagen, am Ende des Ramadans, feiern wir das Zuckerfest. Da besucht man sich und macht sich kleine Geschenke, fast so wie bei euch an Weihnachten.“ Dann überreichen sie ganz feierlich meiner Liebsten eine rote Rose und schwirren kichernd und lachend ab in Richtung Weidendamm. Nach einer längeren Pause höre ich: „Noch nie habe ich mich so sehr über eine geschenkte Blume gefreut!“

Erwin Schütterle

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