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Legale Drogen, 3/2011

Erwin SchütterleMit Drogen (vom Alkohol mal abgesehen) habe ich bisher nur eine - und zwar eine ziemlich ernüchternde - Erfahrung gemacht: Anfang der 70er-Jahre drehte bei meinem damaligen Freund ein Joint seine Runde. So fünf oder sechs Züge fielen auch für mich ab, ich wartete gespannt auf ein bewusstseinserweiterndes Abheben - aber es tat sich (bis heute) absolut nichts.

Ganz anders kürzlich an einem Samstag im Februar: Gegen Abend begann es zu schneien und das ließ mich hoffen, für das seit Wochen ausverkaufte Mahler-Konzert im Großen Sendesaal des NDR noch eine Restkarte ergattern zu können. Es klingelte bereits - und ich bekam tatsächlich die drittletzte Karte …und gleich danach einen ekstatischen Hochgenuss:

Es gab die dritte Aufführung von Mahlers 3. Symphonie für Riesenorchester, Alt, Mädchenchor und Knabenchor. Sechs Sätze, insgesamt 90 Minuten lang, die ich von der ersten bis zur letzten Minute mit höchster Konzentration und voller Lust aufsaugte und auskostete. Mahler, Musiker, Sänger und 1200 Nichtabonnenten erzeugten - im Moment - ein spannungsvolles Energiefeld, dem man sich nicht entziehen konnte und gegen das Konserven- bzw. Ohrstöpselmusik „kalter Kaffee“ ist. Und spätestens beim letzten Satz - Mahler betitelte ihn „Was mir die Liebe erzählt“ - flippte ich aus: Ich konnte und ich wollte nicht mehr die Augen öffnen, ich wollte und ich konnte keine Menschen, keine Musiker, keine Instrumente sehen, ich war von diesen überirdischen Klängen geradezu paralysiert und fühlte mich von einer unsichtbaren Kraft in den Sitz gepresst, wie kürzlich beim Durchstarten im Flugzeug. Die Redewendung „zu Tränen gerührt“ bezeichnet dieses elementare Erlebnis nur annähernd. Wie stark und wie umfassend diese „Droge“ auf mich und alle anwesenden „Junkies“ einwirkte, konnte man nach dem gewaltigen Schlussakkord mehr spüren als sehen. Atemlose, spannungsgeladene Stille. Unhörbarer, gemeinschaftlicher Einklang. Es dauerte eine Ewigkeit bis der erste zaghafte Applaus einsetzte. Ich, dessen ansonsten durchdringende Beifallsbezeugungen viele Musiker schätzen und meine Sitznachbarn fürchten, konnte nicht klatschen, ich war fix und alle…

…und froh, zu Fuß, glücklich und zufrieden nach Hause gehen zu können. Ich war froh, kein Musikkritiker zu sein, der nur mit dem Kopf hören muss und ich stellte überrascht fest, dass man auch allein „abheben“ kann. Dabei war ich bisher immer der Meinung, dass man für so einen Hochgenuss mindestens zu zweit sein muss. (…bekannte Konzertbesucher und Musiker sowie Kellner und Koch eines musikfreien Restaurants hatten keine Chance, meinem übervollen Herz auszuweichen.)

Es liegt mir fern, Sie für klassische Musik im Allgemeinen oder für Mahler im Besonderen zu missionieren. Ich will mit dem geschilderten persönlichen Erlebnis lediglich klarmachen, dass man sich in Hannover jede Menge höchstwirksamer, legaler Drogen reinziehen kann. Man kann sich mitten in der Stadt an der Natur berauschen, sportlich ausflippen oder musikalisch upturnen. Dabei muss es nicht Mahler sein, die Auswahl und die Bandbreite der musikalischen Rauschmittel sind hier riesig. Allein an dem besagten Samstag standen in Hannover zwei Dutzend musikalische Hochgenüsse zur Auswahl. Zugegeben, auch diese Drogen haben teilweise Preise, die sich mancher Konsument nicht leisten kann und die Gefahr, süchtig zu werden, besteht ebenfalls. Dafür haben diese Dops aber null Nebenwirkungen und abgesehen von möglichen Hörschäden bei besonders hartem, lautstarkem Stoff besteht lediglich die Gefahr, mit extremen Glücksgefühlen infiziert zu werden.

 

Erwin Schütterle

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