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Leuchttürme und Laternen 4/2011

Erwin Schütterle

Jede Zeit setzt ganz bestimmte Leitbegriffe in die Welt. Wie zum Beispiel heute das Zauberwort „Leuchttürme“. Wohlgemerkt nur im Plural und hauptsächlich im Stadtmarketing vorzufinden. Und nicht für See-, sondern für Sehleute gedacht. Ohne Leuchttürme geht heute absolut nichts mehr, Städte wie Bielefeld verschwinden von der Landkarte und „Kunststädte“ wie Wolfsburg werden Pilgerstädte.

Schauen wir einmal diese Leuchttürme (noch einmal: einen Leuchtturm gibt es im Städtewettstreit nicht) etwas genauer an, dann stellen wir fest, dass sie einige ganz spezifische Eigenschaften haben: Sie sind teuer, dominant, störanfällig. Man sieht sie zwar von Weitem – doch um den Leuchtturm herum ist es (zumindest nachts) stockdunkel. Deshalb behaupte ich, dass wir nicht nur Leuchttürme brauchen, sondern auch Laternen. Sie sorgen dafür, dass die Menschen, die in der Nähe dieser Leuchttürme leben und die Fremden, die temporär oder dauernd durch die markanten Lichtzeichen angelockt werden, sich sehen und sich austauschen können und nicht im Dunkeln tappen. Und das tagtäglich, nachtnächtlich, stadt- und regionsweit.

Und wie sieht es in Hannover aus? Wir haben absolut keinen Grund zu klagen, unser Laternenlichtpegel ist mehr als erhellend, er ist ein erfreulicher und stabiler Lichtblick im Stadtleben, den naturgegeben fast nur die Einheimischen wahrnehmen und genießen. Unsere Marketingexperten können Leuchttürme aufstellen so viel sie wollen – vorausgesetzt, sie lassen sich in ihrer Turmeuphorie nicht so weit (ver)blenden, dass sie vergessen, die Einheimischen mit ins Boot bzw. mit in den Turm zu nehmen und nicht versuchen, den Laternen den Saft abzuzapfen. Ein leuchtendes Beispiel dafür ist Hamburg. Um die ausufernden Kosten der Elbphilharmonie zu decken, werden die Theateretats gekürzt und Museen geschlossen. Wenn in einer Stadt keine Energie mehr für vertraute Funzeln vorhanden ist, dann wird es zappenduster und das Leuchtturmlicht wirkt so kalt wie eine Neonröhre. Wenn aber Leuchttürme nicht als Fremdkörper aufgestellt, sondern mit der Umgebung verknüpft werden und dem zufolge gemeinsam mit den Laternen das Land erhellen, dann entsteht der Idealfall, in dem sich die Heimischen zusammen mit den Fremden wohlfühlen und beide ihren Horizont erweitern können.

Leuchttürme verlangen Konsequenz. Wenn es eindeutiger politischer Wille ist, dass z.B. Herrenhausen zu einem extrem lichtstarken Leuchtturm aufgebaut werden soll, dann müssen auch die dafür notwendigen Mittel – ohne wenn und aber – bereitgestellt werden. Sind diese Mittel nicht da oder nur zu Lasten der Laternen verfügbar, muss der Leuchtturm umgebaut oder eine Nummer kleiner gebaut werden. Es müssen Wege gefunden werden, das Ziel zu erreichen, und nicht Gründe, es zu verhindern. Wenn nicht alle beteiligten „Turmbauer“ diszipliniert, loyal, sach- und zielorientiert „an einem Strang“ ziehen und – welch schöne Utopie – weiterhin davon träumen, dass kulturelle Einrichtungen kostendeckend betrieben werden können, dann schlage ich den Umstieg auf Taschenlampen vor. Wär’ jedenfalls total neu, witzig, originell – geradezu leuchtturmverdächtig.

Erwin Schütterle

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