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Nichtarbeitserlaubnis 6/2011

Erwin Schütterle

Kennen Sie das? Man sitzt gemütlich am Frühstückstisch, liest die Tageszeitung - und dann kommt sie, aus heiterem Himmel, die knallharte Grundsatzfrage. „Und was hältst du vom Tanzverbot am Karfreitag?“ Da bleibt dir zunächst das Brötchen fast im Halse stecken und dann stotterst Du „Ttttjjaaaaa  -   darüber habe ich mir bis jetzt keine Gedanken gemacht   -   also ich glaube  -  ich glaube, es ist kein Weltuntergang, wenn an einem Tag im Jahr - auch wenn’s ein Freitag ist -  nicht getanzt werden darf.“ Anlass für diese pikante  Frühstücksfrage war der Bericht über Jugendliche, die gegen das karfreitägliche Tanzverbot demonstrierten mit dem Argument, dass dieses christlich motivierte Verbot längst nicht mehr in die Zeit passe und der Versuch einiger Autofetischisten, aus dem Karfreitag einen Carfreitag zu machen.

Zwei Tage später würze ich das Frühstück mit dem Vorlesen eines Leserbriefes zu diesem prekären Thema: „Ihr Heuchler, ist euch eigentlich klar, dass außer dem 1. Mai und dem 3. Oktober alle unsere Feiertage christlichen Ursprungs sind?“ Ich hab es nachgeprüft: Von neun staatlich garantierten Feiertagen (Oster- und Pfingstsonntag ausgenommen) sind sieben Feiertage rein christlichen Ursprungs - im Süden Deutschlands sogar noch zwei mehr. Und jetzt kam ich ins grübeln: Wie steht es eigentlich um unsere viel gepriesenen geistig-kulturellen Werte? Sind sie alle auf dem Altar des grenzenlosen Vergnügens geopfert worden? Kann es sein, dass in unserem christlichen Abendland, das sich mit diesem Attribut doch so vehement und in gewisser Weise auch mit einer gewissen Überheblichkeit von den vom Islam geprägten Ländern abhebt, nur noch wenige praktizierende Christen (zugegeben: dazu gehöre auch ich nicht - mehr), die traditionellen Heilig-Abend-Christmette-Besucher und die erwähnten karfreitäglichen Zwangs­nichttänzer den wahren Grund für unsere arbeitsfreien Feiertage bewusst zu spüren bekommen? Keine Frage, es ist ein gutes Recht, aus der Kirche auszutreten. Auf die Gefahr hin, dass ich mich jetzt bei 261.574 Hannoveranern extrem unbeliebt mache, muss ich diese Nichtkirchen­steuerzahler fragen: Ist es konsequent, aus der Kirche auszutreten, aber jährlich sieben bezahlte Feiertage, die die Kirchen dem Staat abgerungen und gegen zahlreiche Begehrlichkeiten seitens der Wirtschaft verteidigt haben, zu genießen bzw. sich auch noch zu beschweren, wenn man an einem dieser Tage nicht tanzen darf? Müssten diese Ausgetretenen nicht mit Nachdruck darauf bestehen, am Oster- und Pfingstmontag, am Karfreitag, an Weih­nachten, an Neujahr und an Christi Himmelfahrt arbeiten zu dürfen?

Spätestens jetzt fragen Sie sich, was hat dieses Thema mit unserem gel(i)ebten Hannover zu tun? Nun ja, Sie wissen bestimmt, dass speziell unser Stadtkirchenverband verdammt knapp bei Kasse ist und wohl nicht mehr umhin kommt, unter anderem Jugendeinrichtungen (die nicht nur von eingetragenen Christen frequentiert werden) schließen zu müssen und schlimmstenfalls sogar Mitarbeiter entlassen zu müssen. Ich hätte da eine Lösung: Alle Nichtchristen, die an diesen rein christlichen Feiertagen, sofern sie nicht auf einen Sonntag fallen, nicht arbeiten wollen, beantragen eine „Nichtarbeitserlaubnis für Nichtchristen an christlichen Feiertagen“. Pro Feiertag kostet diese Erlaubnis lediglich 1 Euro. Ergibt allein in Hannover für unsere notleidenden Kirchen jährlich 1.831.018 wohltuende Euro. Tanzgenehmigungen an Karfreitag sind natürlich nicht so günstig zu haben. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen geistreiche Pfingsten und (ganz am Ende) frohe Himmelfahrt!

Erwin Schütterle

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