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Traum-Haft 07/2011

Erwin Schütterle

Sie sind nicht in den Urlaub gefahren? Kompliment! Sie sind ein echter Urlaubsfreak und tragen dazu bei, dass Hannover einen neuen Trend in die Welt setzt. Obwohl Sie allzu gut wissen, dass Reisen bildet, erholsam ist und so viel Freude macht, sitzen Sie zu Hause und lesen in aller Ruhe das Stadtkind. Die Urlaubsfreude beginnt doch schon mit der anregenden Suche eines ungefährlichen Reiseziels, dem fröhlich-leichten Kofferpacken, dem wohltuenden Absichern des Hauses, der beruhigenden, gründlichen Leibesvisitation am Flughafen, dem bequemen Flug in geräumigen Flugzeugen, oder der noch viel erholsameren stauvollen Autofahrt zum Reiseziel. Dann das Vergnügen, endlich einmal für zwei oder sogar drei Wochen mit Kind und Kegel in einem kleinen Zimmer verbringen zu dürfen, sich von ungewohnten Speisen ernähren und seine bescheidenen Fremdsprachenkennt­nisse mal wieder einsetzen zu können. Schöner ist Campen oder das Anmieten einer Ferienwohnung: Endlich darf man mal jeden Tag unter erschwerten Bedingungen kochen und wenn man Glück hat, darf man sein Geschirr sogar von Hand spülen. Die Krönung ist jedoch eine Kreuzfahrt: Man lernt so viele fremde Länder kennen, ohne sich mit den fremden Menschen einlassen zu müssen und unter den fremden Sitten und Gebräuchen zu leiden. Es macht einfach Spaß, sich über das eigenartige Benehmen der In- und Ausländer (wer ist im Ausland eigentlich der Inländer und wer der Ausländer?) zu amüsieren und man wird auch nicht von seinen Freunden und Bekannten belästigt (vorausgesetzt, man nimmt sein Handy nicht mit an den Strand). Stattdessen hat man im Urlaub endlich mal die Möglichkeit, nur mit seiner Frau/seinem Mann den ganzen lieben Tag lang ohne Unterbrechung zu reden. Ist das nicht traum-haft?

Da ist das Ferienleben zu Hause in Hannover erheblich anstrengender: Es fängt schon damit an, den Wecker ausgeschaltet zu lassen, zum Spätstück in aller Ruhe die HAZ (oder die NP) und am Donnerstag die ganze ZEIT (schweigend) zu lesen und (gemeinsam) sämtliche Kreuzworträtsel (mit Hilfe von Google) vollständig zu lösen. Dann die Qual der Wahl: Fahren wir mit dem Fahrrad durch die Eilenriede zum Erlebnis-Zoo oder weiter über den Pferdeturm, Bischofshohl, Döhrener Turm zum Maschsee. Oder biegen wir nach Bischofshohl links ab zum Kronsberg und genießen dessen hochgelegene Fahrradallee, fahren dann steil bergab zum Expo-Wal, von dort an die Leine, beobachten kurz das Storchennest und fahren dann am urigen Leineufer entlang zum Maschsee? Oder fahren wir lieber in die Herrenhäuser Gärten und dann durch die Leinemasch (solang sie noch kein See ist) nach Marienwerder und am Kanal entlang zurück nach Linden? Oder sollen wir bei dem schönen Wetter nicht einfach schnell in einen Ricklinger Teich oder ins Steinhuder Meer springen? Klar, wir könnten auch einfach mit der S 5 mal schnell nach Hameln, Bad Pyrmont oder Paderborn fahren oder mit dem Regionalzug schnell mal nach Schwarmstedt rauschen und in Heidruns Antiquitäten-Cafe bzw. in ihrem lauschigen Garten über dem Leineknie ein Käffchen und eine leckere Buchweizentorte genießen.

Noch größer ist die Qual der Wahl des Unterhaltungsprogrammes: In welchen Biergarten gehen wir heute? Waterloo, Lindener Turm, Ricklingen, Uni, Lister Turm oder lieber in die Leine Suite? Oder sollen wir unsere Füße in den Sand stecken auf dem Oberdeck der Parkäuser in der Mehl- und Röselerstraße oder am Lindener Weddigenufer und in bequemen Strandliegen einen Cocktail schlürfen oder uns mit Freunden, Mann, Frau einfach vor oder hinter eines der ca. 400 Lokale mit Außenbewirtschaftung setzen? Sollen wir mal schauen, was sich auf dem Schützenfest Neues tut, versuchen, eine Karte für das „Kleinen Fest im Großen Garten“ zu ergattern, (ohne Kinder) zum Maschseefest oder zu Heinz Rudolf Kunzes und Heiner Lürigs „Sommernachtraum“ und „Sturm“ nach Herrenhausen pilgern? Welchen Film schauen wir beim Seh-Fest (Picknick-Kino an der Gilde-Parkbühne) an oder gehen wir doch lieber zum BootBooHook-Festival aufs Faustgelände. Wenns regnet wird es einfacher: Da lesen wir endlich das Buch, das wir schon lange lesen wollten. Da spielen wir wieder mal „Mensch ärgere dich nicht“ (verschärft: die Einsen haben die gleiche Auswirkungen wie die Sechsen). Da wollen wir „The Rocky Horror Show“ im Opernhaus krachen sehen oder junge Talente im GOP bewundern oder mal wieder ins Apollo-Kino gehen und bei der Gelegenheit auf der Limmerstraße mit Menschen aus aller Welt locker ins Gespräch kommen. Danach schlendern wir glücklich und zufrieden nach Hause in unsere eigenen vier Wände und flüstern im Treppenhaus der Liebsten oder dem Liebsten ins Ohr: „Weißt du noch, was wir damals immer gesagt haben, wenn wir von der Ferienreise zurückgekehrt sind? Schön, dass wir wieder zu Hause sind!“

Erwin Schütterle

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