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Länger als hoch, 08/2011

Keine Frage: Eine Kolumne ist keine Doktorarbeit. Trotzdem will ich mit gutem Beispiel vorangehen und jede Aussage, die aus fremden Quellen (vergl. Internet ff.) stammt, nicht in Fettnäpfchen, sondern ausnahmslos in die dafür vorgesehenen Gänsefüßchen setzen.

Der Hannoveraner besticht durch „Intelligenz, guten Charakter (umgänglich, aber sensibel, unkompliziert) gutes Temperament (ausgeglichen, nervenstark, wach), hohe Leistungsbereitschaft (lernfähig, mutig und einsatzfreudig) und hohes Leistungsvermögen.“ Kenner bewundern sein „aufmerksames Auge mit offenem, ruhigem Blick“. Auch im Allerweltslexikon Wikipedia steht auf drei Seiten über den „Trendsetter“ Hannoveraner unwidersprochen nur Positives: „Ehrlich im Charakter, leistungsbereit und vielseitig. Gelassenheit, Charakter und Temperament stehen an zentraler Stelle. Er ist auf höchstem Niveau einsetzbar und gilt als gelehrig, aufmerksam, ausgeglichen - aber auch temperamentvoll“. Vorsicht! Es kommt noch dicker: „Der Hannoveraner ist modern, edel, korrekt, erfolgreich und nimmt weltweit eine Spitzenposition ein“ bzw. „wird als Sport- und Freizeitpartner auf der ganzen Welt geschätzt.“ Was sagen Sie jetzt? Und was sagen all’ die Vorurteile nachplappernden Schreiberlinge, die den Hannoveraner bislang stets als „graue Maus“ bezeichnet haben? Dass ich Ihnen einen vom Pferd erzähle? Richtig, der Hannoveraner ist eine weltberühmte Pferderasse, deren Ursprung sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen lässt und heute zu den „erfolgreichsten Reitpferdezuchten in den Disziplinen Springen und Dressur“ zählt. Spätestens jetzt kann ich Ihnen auch noch verraten, dass das Typische am Hannoveraner sein „Rechteckformat“ ist, d.h. er ist „länger als hoch“. (Kurt Schwitters hätte das nicht schöner ausdrücken können.)

Die Hannoveraner hingegen sind - ohne Frage - auch etwas ganz Besonderes. Bereits in den 60er-Jahren hatte ich das Vergnügen, ein typisches Exemplar dieser Spezies kennen zu lernen: Auf der Bus-Rückfahrt von Berlin in unsere badische Heimat (gesponsert von der Aktion „Unteilbares Deutschland“) haben die Fußballfreunde gefordert, unbedingt im Niedersachsenstadion das Spiel Hannover 96 gegen den Karlsruher SC anzuschauen. Wir hatten einen extremen Schreihals dabei, der so lange mit seinem Gebrüll nervte, bis eine resolute Hannoveranerin ihm ein belegtes Brötchen in die Hand drückte: „So, jetzt essen Sie dieses Brötchen und halten mal fünf Minuten ihre Klappe!“. Als ich 1974 in das mir völlig unbekannte Hannover versetzt wurde, habe ich mich (zum Glück) spontan entschieden, mitten in der Altstadt (gegenüber „Erich“ in der Knochenhauerstraße) zu wohnen. Auch wenn es mir keiner glaubt, nach sechs Wochen war auch ich voll akzeptierter „Hannoveraner“. Am Ende meiner 27 Jahren KANAPEE konnte ich mich darauf verlassen, dass um die 600 Hannoveraner (zu zwei Drittel –innen) den beliebten Konzertbetrieb mit einer jährlichen Spende subventionierten bzw. finanzierten (vom Konto einer Kundin durfte ich sogar jährlich 3.000 € abbuchen). Darunter waren auch Spender, die das KANAPEE nicht einmal von innen gesehen hatten, mir aber versicherten, dass sie die Idee gut finden (so wie der Freundeskreis Hannover viele Mitglieder hat, die allein die Idee und seine Ziele gut und förderungswürdig halten). Mit diesen Fakten will ich meine These unterstreichen, dass die Hannoveraner einem nicht gleich um den Hals fallen, zunächst mal dagegen oder zumindest skeptisch sind (vergl. NANAs) und dich und deine Idee zunächst mal gründlich prüfen. Wenn du diese Prüfung bestanden hast, dann besteht die Gefahr, dass die Hannoveraner (und: -innen) dich ins Herz schließen und dich nicht mehr loslassen. Und jetzt kommt noch das Oberbesondere, das die Hannoveraner vom marketingorientierten Rest der Welt zwar immer gebetsmühlenartig um die Ohren gehauen wird, diesen Menschenschlag jedoch genauso einzigartig wie sympathisch macht: All’ die zahlreichen Hannoveraner, egal ob Bürger, Beamte, Unternehmer, Manager, Intendanten, Professoren, Direktoren und Pastoren, Rotarier und Lions, Vereinsvorstände und Vereinsmitglieder, die sich beruflich oder ehrenamtlich für das kulturelle und ein sozial ausgewogenes Leben Hannovers engagieren, machen darüber kein Aufhebens. Ihr Herz, ihre Kunst, ihr Können ist einfach größer als ihre Klappe. Sie lieben ihre Stadt, tun was für ihre Stadt und fühlen sich wohl in ihrer Stadt. Das Kuriose daran ist nur, dass diese Aktivhannoveraner größtenteils gar keine geborenen Hannoveraner sind wie z.B. unser Opernintendant Michael Klügl, der auf echt hannoversch sagt: „Wir sind gut, ohne es stets zu betonen.“

Erwin Schütterle

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