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Sommerspiele, 09/11

Erwin Schütterle

Auf das deutsche öffentlich-rechtliche Fernsehen ist Verlass. Man kann sich zum Beispiel hundertprozentig darauf verlassen, dass jedes Jahr über drei Ereignisse berichtet wird, die sich nie verändern und die Welt weder bewegen noch erschüttern. Es sind zu Ostern der päpstliche „Urbi @ Orbi“, am Samstag nach jedem 15. September der Bieranstich beim Münchner Oktoberfest und am 25. Juli die Eröffnung der Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth. Mal ganz abgesehen davon, dass diese eindeutige Bayernlastigkeit nicht gerade für die Ausgewogenheit der Berichterstattung unserer Fernsehanstalten spricht, will ich mich diesmal lediglich mit dem „Mythos Bayreuth“ befassen.

Stammleser meiner Kolumne werden sich bereits jetzt fragen, was um alles in der Welt mein gel(i)ebtes Hannover mit Bayreuth zu tun hat. Nun, da gibt es zum einen unseren ehemaligen Opernintendanten Hans-Peter Lehmann, der von 1960 bis 1973 bei Wieland Wagner das Inszenieren und bei Wolfgang Wagner das Organisieren lernte und heute - gefragter denn je - weltweit (in Nizza, Taipeh, Aspendos, Breslau, Tokio, Mailand, New York, Hildesheim) Wagner-Opern inszeniert und zum anderen gibt es gewisse Parallelen, die ins Spiel zu bringen von Hochkulturlern als vermessen disqualifiziert werden, für Breitkulturler jedoch durchaus einen gewissen Reiz haben.

Wie Sie alle wissen, glänzt der Hannoversommer neben dem Schützenfest, dem Maschseefest, den neuen Kunstfestspielen Herrenhausen, den Heinz-Rudolf-Kunze-und-Heiner-Lürig-Gartenfestspielen, dem immer erfolgreicheren BootBooHook-Festival noch mit einem absoluten Sommerhit, der längst regionalen Kultstatus erreicht hat: „Das Kleine Fest im Großen Garten“. Obwohl es 110 Jahre jünger als die Bayreuther Festspiele ist, es in 3 Wochen 16 Vorstellungen gibt (Bayreuth: 30 in 4 Wochen), 53.000 Besucher zählt (Bayreuth: 58.000) und 100.000 weitere Interessenten wegen Platzmangels den Zutritt verweigert (Bayreuth weltweit 500.000), lässt die Tagesschau uns abblitzen. An der Qualität kann es nicht liegen: Bei beiden Festspielen treten internationale Spitzenstars ihres jeweiligen Genres auf. Einziger Unterschied: Hier hat noch kein einziges Buh die unbestritten einzigartige Naturkulisse gestört.

Warum schafft es das Kleine Fest in diesem Jahr gerade mal zu einer popeligen Randnotiz in der „Süddeutschen“ mit dem etwas holprigen aber für dieses Blatt geradezu sensationellen Fazit „Nix ist toller als Hannnover“? Was muss Harald Böhlmann sich einfallen lassen, um auch mal in der Tagesschau erwähnt zu werden? Ich meine, als erstes müsste er zwischen Galerie und Orangerie einen riesigen Roten Teppich auslegen und zur Eröffnung seines Sommer­spektakels Merkel, Mertesacker und Maschmeyer (aber nur wenn er auch Veronica Ferres mitbringt) antanzen lassen. Wenn diese Starbesetzung noch nicht reicht, dürfte es ein Leichtes sein, den Neupräsidenten Wulff (aber nur mit Bettina) und den Altkanzler Schröder (egal mit wem) für diese Hannoverförderung zu bewegen (sie müssten ja keine zeitraubenden Anfahrtswege in Kauf nehmen). Wenn für die BUNTE und für das ZDF auch diese Besetzung immer noch zu unexotisch ist, kann ich Harald Böhlmann nur raten, zusammen mit Herrn Nolte von der Hannover Marketing und Tourismus Gesellschaft (HMTG), international für seine Gartenfestspiele zu werben und alle Welt an der Kartenverlosung teilnehmen zu lassen. Insgeheim soll er aber -  was das Mauscheln angeht, kann man von Bayreuth nur lernen - auch weiterhin bei der Kartenvergabe nur die Hannoveraner zum Zug kommen lassen. Da man davon ausgehen kann, dass es weltweit mehr Kleinkunstfans als eingefleischte Wagnerianer gibt, müsste es mit dem Teufel zugehen, wenn Bayreuth - zumindest in der Kartennachfrage - nicht in kürzester Zeit von Hannover in den Schatten gestellt wird. Sollte wider Erwarten selbst dieser bewährte Marketingtrick nicht greifen, hilft nur noch die Zeit. Spätestens dann, wenn Harald Böhlmann - wie seinerzeit Wolfgang Wagner - nach seinem 89. Geburtstag den legendären Zylinder abgibt und um die alleinige Festspielleitung dieses international renommierten Großen Kleinkunstfestivals ein erbitterter Streit ausbricht, spätestens dann wird das Fernsehen garantiert auch aus Hannover berichten. Vorausgesetzt es gibt dann noch Fernsehen.

Erwin Schütterle

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