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Ganz normal, 10/2011

Erwin Schütterle

Wenn ich heute einmal in aller Kürze darüber berichte, was meine Liebste und ich in knapp drei Wochen in Hannover (neben dem Pflichtprogramm) so alles erlebt haben, will ich nicht mit unserer Ausgehfreudigkeit prahlen, sondern Hannoveranern und Nichthannoveranern exemplarisch klar machen, was man alles in Hannover erleben und entdecken kann:

Es begann mit der faszinierenden Eröffnung des Festivals „Tanztheater International“ in Herrenhausen und kurz danach im Theater in der List mit der Entdeckung der vielver­sprechenden hannoverschen Musikkomödiantin Mechthild Kerz. Am ersten Samstag des Monats hatten wir am Abend wieder einmal die Qual der Wahl zwischen dem Spielzeit-Eröffnungs-Galakonzert in der Oper, dem Tanztheater in der Orangerie oder dem Sommer­nachtstraum im Gartentheater - aber es zog uns in die Galerie, wo der Mädchenchor Hannover mit nicht weniger als 160 Sängerinnen (auswendig) die Oper „Didos Geheimnis“ uraufführte. Eine beeindruckende Leistung des Chores, seiner Leiterin Prof. Schröfel und des (in Hannover aufgewachsenen) Komponisten Andreas N. Tarkmann.

Am folgenden Wochenende ging es per Fahrrad auf den Spuren des „Grünen Rings“ von Pattensen nach Ahlem um dort neben der kleinen gotischen Kapelle in Velber, dem mahnenden Englischen Friedhof mit nahezu 2500 Gefallenen die außergewöhnliche Sammlung „Rosebusch-Verlassenschaften“ kennenzulernen. In diesem „kathedral-artigen“ ehemaligen „Umspannwerk“ haben die Künstler Almut und Hans Jürgen Breuste Verlassen­schaften der Industriekultur zu einem in dieser Form wohl einzigartigen Erinnerungs-Kunstwerk aufgebaut. Diese Hinterlassenschaften spiegeln ihre Entstehungszeit und auch ihre weniger glanzvollen Begleiterscheinungen wider und die Zeit sorgt dafür, dass sie immer moderner, abstrakter, vielsagender werden - ohne jemals ein endgültiges Stadium zu erreichen.

Offenbar ist das Kulturangebot Hannovers so üppig, dass unsere Tageszeitungen nicht mehr hinterherkommen, darüber zu berichten. Stattdessen erfahren Sie über diese Kolumne, was man am Wahlsonntag (noch) erleben konnte: Wir stiegen um 19.30 Uhr am Ernst-August-Platz in eine Straßenbahn mit dem ungewöhnlichen Ziel „Gleis 43“. Die Fahrt ging zum üstra-Betriebshof Glocksee, der raffiniert ausgeleuchtet war und die üstra einmal in einem ganz neuen „warmen“ Licht erscheinen und manch „kalte“ Negativschlagzeile aus der Vergangenheit vergessen ließ. In der großen, akustisch durchaus überzeugenden, Elektrowerkstatt wurden keine Straßenbahnen repariert, sondern vom jungen, innovativen „Orchester im Treppenhaus“ Mozart, Beethoven und Prokofjews „Peter und der Wolf“ herzerfrischend und völlig unprätentiös zum Besten gegeben. Danke, üstra, danke, Thomas Posth! (Was dabei auffiel: Meine Generation war ausnahmsweise absolut in der Minderheit.)

Ein Hochgenuss war ohne Zweifel das „Heimspiel“ der Lutz Krajenski Big Band mit Sänger Juliano Rossi im Pavillon. Ist das wieder mal typisch hannöversch, wenn „die beste deutsche Big Band“, bestehend aus einem Dutzend Spitzensolisten, (ohne Dirigent) im punktgenauen Ensemblespiel einen fetzigen Sound kreiert, musikalisch ins Überirdische abhebt, ansonsten aber bodenständig bleibt? Ein unter die Haut gehendes Highlight war dann noch Verdis „La Traviata“ in der Oper. Eine neue Sicht-, Hör- und Herangehensweise führt dazu, dass das Publikum von Violettas Liebesschmerz geradezu eingekesselt wird…

Ach ja, was ich in den drei Wochen alles verpasst haben, will ich gar nicht erst aufzählen und stattdessen lieber noch einmal in aller Unbescheidenheit betonen: Diese Vielfalt, diese Qualität ist bei uns in Hannover ganz normal.

Erwin Schütterle

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