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Überrascht. 11/2011

Erwin Schütterle

Hannover überrascht! Keine Sorge, das ist kein neuer Slogan für unser geliebtes Hannover, das ist nur mein persönlicher Eindruck über die Reaktionen zu unserem neuen „Dachlogo“ für Stadt und Region. Für Uneingeweihte: In einem aufwendigen Prozess hat die Hannover Holding seit 2009 in Zusammenarbeit mit Marktforschungsinstituten, Experten und im Dialog mit 60 Hannoveranern (quer durch die Stadtgesellschaft) ein umfassendes Markenprofil für Hannover erarbeitet, mit dem die gesamte Region in Zukunft eindeutig, einheitlich und (wie es sich für Hannover gehört) auch glaubwürdig öffentlich auftreten, für sich werben und sich ins rechte Licht setzen kann. Überrascht hat mich zunächst einmal, dass Stadt und Region es tatsächlich geschafft haben, sich auf eine gemeinsame Leitlinie und ein gemeinsames Logo zu einigen und auch ernsthaft gewillt sind, das in Zukunft konsequent einzusetzen.

Überrascht haben mich dann die Schnelligkeit und die Spontaneität der Hannoveraner: Am 5.10. konnte man in den Zeitungen das neue Logo in Augenschein nehmen und wegen dessen optischer Dominanz die Hintergründe und die ergänzenden grafischen Leitlinien glatt überlesen. Aber bereits um 18.36 Uhr des Vortages hat der erste „Scharfrichter“ im Internet-Forum der HAZ sein vernichtendes Urteil gefällt, dem bis Mitternacht 30 weitere Verurteiler folgten. Ohne „einmal darüber schlafen“ zu müssen, haben am Erscheinungstag der Zeitungen weitere 100 Hannoveraner (das Internet ist leider geschlechtslos) das Logo für „grottenschlecht“ befunden, Forumsbeiträge und Leserbriefe verfasst und so getan, als ob „Hanno ver“ in „Logo ver“ umbenannt worden wäre.

Ich kann gut damit leben, dass wir - wie jede andere Stadt auch - einen gewissen Bodensatz an fundamentalen Besserwissern und pathologischen Nörglern haben, aber dass Hannover so ein riesiges Reservoire an „Grafikern“, „Gestaltungsprofis“, „Werbe- und Marketingfachleute“ besitzt, hat mich dann doch überrascht. Und wie diese genauso kompromisslosen wie oberflächlichen „Verbal-Experten“ dieses Logo alternativlos aber leidenschaftlich auseinander nehmen, ist ein beeindruckender Beweis ihres Potentials …und ihrer eigenartigen Liebe zu Hannover. Es genügt ihnen nicht, einfach zu sagen „gefällt mir nicht“, so wie mir persönlich manch hoch gelobtes Buch oder manch ausgezeichneter Film nicht gefallen. Für sie ist dieses kleine unschuldige Logo ein weiteres Indiz dafür, dass offenbar die gesamte Stadt aus geldverschwendenden Dilettanten besteht. Gibt es auch Positives zu beobachten? Aber ja doch: Ein überraschender Lichtblick sind zum Beispiel die positiven Kommentare in der HAZ und NP, die sachliche Berichterstattung des Hamburger Abendblatts, der wohltuend-sachliche Beitrag im www.designtagebuch.de, die fundierten Forumsbeiträge eines „zugezogenen Hannover-Fans“ (dem ich an dieser Stelle für seinen geduldigen Einsatz herzlich danke) und die Selbstironie eines Logokritikers, der alle seine Beiträge mit einem Spruch von Oscar Wilde schmückt: „Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und trotzdem den Mund halten.“

Und jetzt wollen Sie bestimmt wissen, wie ich das neue Logo finde? Es ist gut, wichtig, auffällig, vielseitig einsetzbar …und es überrascht. Als ich es zum ersten Mal sah, war ich leicht irritiert. Ich musste zweimal hinschauen um es zu erfassen. Genau so wie man bei Stadt und Region Hannover eben etwas genauer hinschauen muss, um ihre Qualitäten zu erfassen. Ein Logo kann (so wenig wie der harte NIVEA-Schriftzug auf ein weiches Produkt oder der angebissene Apfel auf kultige Hightec-Produkte schließen lässt) unmöglich alle Facetten einer Großstadt abbilden und es wird erst mit dem Alter wirkungsvoll und unverwechselbar. Auch das genialste Logo kann kein Image ersetzen. Auf den Inhalt, auf das Produkt kommt es an - nicht auf die Verpackung. Und der Inhalt der Stadt - das ist: ihre Geschichte, ihre Natur, ihre Mauern, ihre Kultur(en), ihre Emotionen, ihre Wirtschaft, Wissenschaft und Politik und vor allem sind das wir Bewohner und die Art und Weise, wie wir Menschen innerhalb der Stadt miteinander umgehen und wie wir uns über unsere Stadt privat und öffentlich äußern. Auf dem Gebiet gibt es meines Erachtens noch einiges zu tun. Deshalb gebe ich allen Lesern dieser Kolumne (egal ob Sie das Logo gut oder schlecht finden) eine Hausaufgabe auf: Sie überlegen und prägen sich ganz fest ein, was Ihnen an Hannover bzw. der Region Hannover am besten gefällt … und wenn Sie demnächst wieder einmal gefragt werden, woher Sie kommen, dann antworten Sie ganz selbstbewusst „aus Hannover. Kennen Sie unser schönes Hannover?“ Und dann sprudeln Sie los - und sind mitten drin im Gespräch. Mitten im Leben. Mitten im Image einer l(i)ebenswerten Stadt.

Erwin Schütterle

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