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Preisgeben, 12/2011

Erwin Schütterle

Kennen Sie den Plural einer Laudatio? Sind es Laudaten, Laudationen oder Laudati? Wer auf dem humanistischen Gymnasium gelernt hat, kennt bestimmt die Antwort: Das Wort Laudatio kommt aus dem Lateinischen und die Mehrzahl davon sind Laudationes (eine völlig übertriebene Laudatio ist übrigens eine Lobhudelei).

Da ich das große Glück und die große Freude hatte, bisher 16 Laudationes für die Gewinner des Stadtkulturpreises des FREUNDESKREIS HANNOVER schreiben und vortragen zu dürfen, darf ich mir bestimmt erlauben, einmal einige unvergessliche und zutiefst berührende Momente aus der Stadtkulturpreisgeschichte preiszugeben:

Im EXPO-Jahr 2000 zerbrachen wir uns beispielsweise den Kopf, wem wir in dem Jahr, in dem die ganze Welt nach Hannover schaut, den Stadtkulturpreis verleihen. Es sollte etwas ganz Besonderes, etwas Internationales und trotzdem -wie immer- etwas speziell Hannoversches sein. Man einigte sich auf die Internationale Schule, war aber nicht -wie sonst immer- so voll und von ganzem Herzen überzeugt. Trotz des Beschlusses wagte ich es ganz kleinlaut und ganz vorsichtig: Ich hätte da so eine verrückte Idee, da gibt es eine hannoversche Rockband, die hat über 20 oder sogar 40 Millionen Platten verkauft, tritt megaerfolgreich in der ganzen Welt auf, 1985 in Rio vor 350 000 Menschen, könnten wir nicht….? Die Jury war sich selten so schnell und so euphorisch einig. Die Scorpions bekamen den Stadtkulturpreis, waren zutiefst berührt und erfreut über diese Auszeichnung („wir haben in der ganzen Welt Preise und Ehrungen erhalten, das ist die erste Auszeichnung aus der Heimatstadt“) und bedankten sich im EXPO-Café mit ihrem damaligen Hit „Wind of Chance“ - unplugged. Die 10.000 DM Preisgeld spendeten sie auf der Stelle der Internationalen Schule, die wiederum das Geld besser gebrauchen konnte als die Ehre. Kurz darauf durften Klaus Meine, Rudolf Schenker und Matthias Jabs sich endlich auch im Goldenen Buch der Stadt Hannover verewigen.

Ausgesprochen mutig waren wir beim 2. Stadtkulturpreis im Jahre 1996. Das noch ganz frische und von der Öffentlichkeit noch ziemlich argwöhnisch betrachte Obdachlosenmagazin „Asphalt“ erhielt die wohlverdiente Auszeichnung …und der Freundeskreis jede Menge Pluspunkte für diese wichtige finanzielle und vor allem ideelle Unterstützung eines ungewöhnlichen Sozialprojektes. Mitten ins Stadtleben gesetzt von unserem liebenswerten Diakonie-Pastor Walter Lampe.

Die Laudatio 2005 für Ralph Büsing, der bis heute zahlreiche großartige Projekte als Behinderter für Behinderte erfolgreich durchführt, begann ich mit dem Satz „Der Stadtkulturpreis geht in diesem Jahr an einen Menschen, der morgen 43 Jahre alt wird - nach Aussagen seiner Ärzte aber höchstens 18 Jahre alt hätte werden dürfen….“

OB Herbert Schmalstieg war 2006 über diesen Bürgerdank zu Tränen gerührt, lachte aber herzhaft, als ich klarstellte, dass wir neben der Georg-, Ludwig- oder Erwinstraße (irgendwann in ferner Zukunft) bestimmt keine Herbertstraße brauchen.

Unvergessen ist für mich und bestimmt auch für alle Teilnehmer die Preisverleihung im Jahre 1998. Wir überreichten den Preis der katholischen Nonne Schwester Katharina Maria Hanne, die Niedersachsens erstes Sterbe-Hospiz Luise gründete und „fröhlich und herzerfrischend“ leitete sowie an den evangelischen Pastor Bert Schwarz, der den Kinderzirkus Giovanni gründete. Nach der Laudatio war zunächst absolute Stille, dann stand ein Mitglied auf und sagte: „Was ich eben gehört habe, hat mich so angerührt, ich spende 5000 DM für den nächsten Stadtkulturpreis“. Danach steht ein weiteres Mitglied auf: „Mir ging es ebenso. Ich spende ebenfalls 5000 DM.“

In aller Kürze: Auch das ist Hannover!

Erwin Schütterle

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