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Wunschträume, 01/2012

Erwin Schütterle

In diesen Tagen kann man einer Frage kaum ausweichen: „Und was sind Deine Wünsche fürs neue Jahr?“ Ich will die Antwort mal etwas aufteilen: Allgemein wünsche ich, dass alle Menschen - ganz besonders die in der Öffentlichkeit stehenden Führungskräfte - nicht unbedingt ethischer oder moralischer handeln. Ich wäre schon zufrieden, wenn sie ab und an eine Spur von Charakter zeigen würden. Zugegeben, Charakter ist so ein altmodischer, fast ausgestorbener Begriff wie Heimat oder Anstand. Heute redet man von politcal correctness, Mobilität oder von Sachzwängen. Positiv eingestellt wie ich nun mal bin, gehe ich davon aus, dass Führungskräfte per se nicht charakterlos sind - nur: warum verstecken sie ihn? Einem Präsidenten, Minister, Bischof, Bürgermeister, Dezernenten, Abgeordneten, Vorstandsvorsitzenden, Geschäftsführer - und selbstverständlich auch deren weibliche Versionen - fällt wahrlich kein „Zacken von der Krone“ wenn er/sie mal einen Fehler macht. Vorausgesetzt er/sie gibt ihn - ohne Wenn und Aber - zu, steht dafür gerade, zieht nötigenfalls angemessene Konsequenzen. Dafür würde er/sie bei mir sogar noch Pluspunkte sammeln.

Bei den Wünschen für mich persönlich bin ich alles andere als bescheiden. Da will ich das Maximum, das Höchste: Ich möchte nicht mehr und nicht weniger als gesund, munter, neugierig und zufrieden bleiben. Und da ich nun in dieser Kolumne über das gelebte Hannover schreibe, wünsche ich allen Hannoveranerinnen und Hannoveranern zum Anfang dieses bestimmt spannenden Jahres (sagt man das nicht jedes Jahr?) das gleiche. Mehr noch: Ich wünsche Ihnen darüber hinaus, dass Sie von einem eigenartigen, immer mehr um sich greifenden Virus verschont bleiben. Die durch diesen Virus meist akut, selten chronisch ausgelöste Krankheit hat die besondere Eigenschaft, dass sie Menschen und Einrichtungen mehr schadet als dem Virusträger selbst. Bestimmt sind auch Sie damit - meist als Betroffener - schon konfrontiert worden und haben ganz schön darunter gelitten. Obwohl dieser latente Virus schon ziemlich lange existiert, hat er noch keinen lateinischen Namen, auf gut Deutsch heißt er „Zusagennichteinhalten“ (ZNE).

Beispiel 1: Sie veranstalten eine richtig große eintrittfreie Fete, haben sich mächtig ins Zeug gelegt, Künstler und Festredner engagiert, ausreichend Speisen und Getränke bestellt und bitten um verbindliche Anmeldung. Sie freuen sich über 600 Anmeldungen. Da der Festsaal aber nur 500 Plätze hat, sagen Sie äußerst schweren Herzens und mit großem Bedauern 50 Leuten ab und gehen davon aus (besser gesagt: Sie hoffen), dass die restlichen 50 platzlosen Anmelder möglicherweise vom gemeinen ZNE-Virus befallen sind. Pustekuchen, doppelt so viele sind ZNE-kontaminiert …mit der Folge, dass statt eines vollen Saales Stuhlreihen leer bleiben und köstliche Speisen nicht in Mägen sondern Mülltonnen wandern. Beispiel 2: Sie organisieren eine Betriebsbesichtigung. Der Unternehmenschef stellt feine Häppchen, Getränke und einige Mitarbeiter (nach ihrem Feierabend) bereit, um seine Gäste angemessen zu empfangen. Von den 43 angemeldeten Personen kommen aber nur 30. Das ist für alle Beteiligten höchst unerfreulich - für Sie jedoch höchst peinlich. Beispiel 3: Sie wollen für die HAZ-Weihnachtshilfe was Gutes tun. Sie engagieren eine Weltklassepianistin, schaffen es, dass Ihnen das Sprengel-Museum für diesen guten Zweck kostenlos sein großes Auditorium zur Verfügung stellt und bitten um Kartenvorbestellung. Der Saal ist ruckzuck ausgebucht, zahlreichen Interessenten müssen Sie (wie im Beispiel 1) leider absagen. Sie freuen sich, der Weihnachtshilfe ein erkleckliches Sümmchen zukommen zu lassen, da der gesamte Erlös des Kartenverkaufs gespendet wird. Zu früh gefreut: Auch hier hat der ZNE-Virus zugeschlagen und als Kollateralschaden jede Menge unbesetzte Plätze, enttäuschte Menschen und vor allem eine deutlich verminderte Spendensumme zurückgelassen.

Das besonders Fiese an diesem Virus ist, dass er offenbar ganz schleichend auch den Charakter oder - man müsste das mal wissenschaftlich ergründen - möglicherweise auch den Anstand schädigt, mit der Folge, dass die meisten befallenen Personen aus unerklärlichen Gründen nicht in der Lage sind, vorher abzusagen oder hinterher sich für ihr Fernbleiben zu entschuldigen oder (wie im Beispiel 3) sich selbst eine Buße aufzuerlegen, indem sie der HAZ-Weihnachtshilfe eine Spende in mindestens doppelter Höhe des ursprünglichen Kartenpreises zukommen lassen.

Zum Schluss - ohne Wenn und Aber - ein Geständnis: Auch ich bin nicht nur Opfer dieses unheilvollen Virus, sondern auch ab und an schon selbst einmal von ihm befallen worden. Ich bitte die Geschädigten hiermit um Entschuldigung und wünsche mir (und wenn Sie nichts dagegen haben: auch Ihnen) neben Gesund-, Munter- und Zufriedenheit auch noch, dass ich anständig bleibe - und in Teilgebieten wie z.B. dem Zusageneinhalten - konsequent anständiger werde.

Erwin Schütterle

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