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Stadtbahnspiele, 05/2012

Erwin Schütterle

Meine persönlichen Stadtführungen starte ich fast immer im Neuen Rathaus. Als ich selbst 1974 erstmals dessen gewaltige Kuppel erblickte, dachte ich, das muss der Dom von Hannover sein. Und wenn ich heute vor dem Modell der so gut wie total vom Krieg zerstörten Stadt stehe, bin ich jedes Mal zutiefst erschüttert. Gleichzeitig bewundere ich den Mut, die Kraft und die Zuversicht der Menschen und der verantwortlichen Politiker, aus diesem gigantischen Trümmerhaufen wieder eine ansehnliche, moderne und zukunftsfähige Stadt aufzubauen. Man sprach damals von einer „funktional gegliederten Stadtlandschaft“. Ich bewundere die visionäre Weitsicht, den starken, gemeinsamen Willen, den Respekt vor dem Alten und den Mut für Neues. Ich kann es kaum glauben, dass bereits 1949 der Bau einer U-Bahn ins Spiel gebracht wurde und in der Ratsversammlung am 23.6.1965 der erste Bauabschnitt (zusammen mit dem Bau des Schauspielhauses und des Stadionbades im Gesamtwert von 409 Mio DM) beschlossen wurde. In Punkto „barrierefrei“ nimmt Hannovers Stadtbahn mittlerweile europaweit einen Spitzenplatz ein.

Wenn ich heute die verfahrene Diskussion um die D-Linie verfolge, geht mir der Glaube an den Gestaltungswillen unserer Politiker indes immer mehr verloren. Es ist eine demokratische Selbstverständlichkeit, dass bis zu einem gewissen Punkt unterschiedliche Meinungen und Lösungen kontrovers und leidenschaftlich diskutiert werden (müssen). Zum Wesen der Demokratie gehört aber auch, dass man sich irgendwann einigt bzw. dass irgendwann entschieden oder ein Kompromiss gefunden wird. Stattdessen hat man so langsam den Eindruck, hier spielt jemand mit seiner Modelleisenbahn: Täglich werden neue Varianten und neue Linienführungen vorgeschlagen – fehlt nur noch eine Schmalspurbahn. Dass alles ernst gemeint ist, erkennt der staunende Bürger daran, dass immer weitere kostspielige und zeitraubende Gutachten gefordert werden – obwohl offensichtlich fest steht, dass die einzelnen Parteien keinen Millimeter von ihrer festgefahrenen Meinung weichen wollen. Dafür reichen sie in ihrer Ausweglosigkeit ziemlich scheinheilig und  pseudodemokratisch den Entscheidungs-Schwarzen-Peter an den Bürger weiter. Und der ist von der Komplexität dieses Projektes restlos überfordert und kann - wenn er überhaupt mitmacht - höchstens nach Gefühl oder aus ganz persönlichen Gründen entscheiden. Ich kann z.B. nicht beurteilen, inwieweit ein möglicher Ausbau des bestehenden Streckenetzes mit dem einen oder anderen Bahnsystem besser zu erreichen ist. Ich weiß auch nicht, wie z.B. bei einer oberirdischen Streckenführung das (gefährliche) Verkehrsgewirr an der Ernst-August-Galerie gelöst werden kann oder ob die D-Linie per Bus am sinnvollsten betrieben werden kann. Und bei aller Liebe zur Region geht mir auch nicht in den Kopf, warum die Wedemärker, die Uetzer und die Springer darüber entscheiden sollen, ob in Hannover neben der Hoch- möglicherweise auch noch eine Niederflurbahn verkehren soll. (Ich will z.B. auch nicht persönlich darüber entscheiden, ob Garbsen ein neues Einkaufszentrum bauen darf oder nicht.)

Und da sich die regierenden und opponierenden Parteien der betroffenen Stadt und der formell zuständigen Region bei diesem nachhaltigen Verkehrsprojekt heillos festgefahren haben, schlage ich das folgende, unkonventionelle, gleichwohl demokratisch legitimierte und nebenbei kostensparende Verfahren vor: Der Stadtrat und die Regionsversammlung beschließen, eine gemeinsame Vollversammlung einzuberufen, die für alle Seiten verbindlich festlegt, mit welchem System die D-Linie und/oder mögliche neue Linien befahren werden. Meine Einstellung zur Demokratie würde keinen Schaden nehmen, wenn bei dieser gemeinsamen Sitzung der Fraktionszwang aufgehoben wird und unsere kommunalen Volksvertreter nach bestem Wissen und Gewissen die Weichen für die Zukunft Hannovers stellen. Auch unsere gewählten Volksvertreter im Landtag würden bei mir jede Menge Pluspunkte sammeln, wenn der Landtag im Vorfeld beschließt, die Entscheidung dieses Gremiums zu respektieren und ohne Wenn und Aber die zustehenden finanziellen Mittel bereitzustellen.

Zur politischen Kultur gehört selbstredend auch die Akzeptanz einer Mehrheitsentscheidung oder eines Kompromisses. Im konkreten Fall sage ich mal: Wenn keine Niederflurtechnik eingeführt wird, werden Linden und die Limmerstraße nicht an einem Hochbahnsteig untergehen, sowenig wie die ÜSTRA untergehen wird, wenn sie ein zweites System in Betrieb nimmt. Von wem dieses kommunale Unternehmen mögliche Mehrkosten bezahlen lässt, dürfte unseren Politikern hinlänglich bekannt sein.

Und wenn ich mich schon einmal erdreiste, unseren Politikern Ratschläge zu erteilen, knüpfe ich noch einmal an meine Einleitung an und sage ein offenes Wort zum Fahrstuhlbau in der Karmarschstraße: Hannover hat so wenige im Original erhaltene Gebäude. Darum verbietet es sich schlichtweg, vor die mehr als eindrucksvolle Ratsapotheke einen modernen Fahrstuhlschacht zu platzieren. Es geht nicht um „modern und bequem“ – es geht um Ästhetik und Respekt vor diesen 100 Metern Althannover. Auch auf den Fahrstuhl angewiesene Menschen können bestimmt gut damit leben, mit einem Fahrstuhl in die Verteilerebene zu fahren und mit einem anderen Fahrstuhl auf den jeweiligen Bahnsteig. Hauptsache, sie können auch diese Station (endlich) barrierefrei nutzen.

Erwin Schütterle

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