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Sommerträume, 09/2012

Erwin Schütterle

Eigentlich sollte man in Hannover im Sommer zu Hause bleiben und seine geräumigen vier Wände nicht gegen ein kleines Hotelzimmer tauschen. An keinem Urlaubsort der Welt gibt es so zahlreiche Bade-, Fahrrad-, Wander-, Liege-, Grillmöglichkeiten und so viele berauschende Biergärten wie hier mitten in der Stadt und um die Stadt herum. Ein Paradies für Individualisten und Naturliebhaber …und für die Menschenmassenliebhaber, Partysüchtigen, Hoch- und Niederkulturler aller Altersgruppen läuft hier ein gigantisches Veranstaltungsfeuerwerk ab, das seinesgleichen sucht:

Es beginnt im Juni mit den inhaltlich und finanziell hochkarätigen Kunstfestspielen, die 7.000 Besucher nach Herrenhausen lockt. 1.500 Musiker zeigen zum Sommeranfang am 21.6. bei der „Fete de la Musique“ ihre Verbundenheit mit der Stadt und machen 100.000 Menschen - gagenlos - viel Freude. Es folgt das den Hannoveranern (und seinen Besuchern) ans Herz gewachsene „Kleine Fest im Großen Garten“, das (trotz des mehr als miesen Wetters nur einmal ausgefallen ist und) gerne 158.000 Fans besucht hätten, wenn nicht nur für 50.000 Platz vorhanden wäre. Das Schützenfest freut sich über einen Zuwachs von 300.000 und kam immerhin auf 1,3 Millionen Besucher. Allein 150.000 Zaungäste beklatschten die 12.000 Teilnehmer des vier Kilometer langen Schützenausmarsches. (Da ich in keiner Zeitung davon las, muss ich an dieser Stelle unbedingt berichten, dass ich mich bei meinem kurzen Einblick ganz besonders über eine kleine, bunte, türkische Folkloregruppe gefreut habe.) Filmhits oder Filmraritäten genießt man im sommerlichen Hannover natürlich open-air hinterm Schauspielhaus, im Sprengel in der Nordstadt, beim Kleefelder Bürgerverein …oder urig-opulent beim (akustisch etwas missverständlichen) „Seh-Fest“ in der ParkBühne hinter der AWD-Arena. Dazu kommt das Fährmannsfest in Linden („das kleine Woodstock an der Leine“) mit einem kostenfreien Kinder- und Kulturfest, der vielseitige, breit aufgestellte „Kultursommer der Region“, das sechswöchige Gastspiel des Circus Roncalli, das sich um die 65.000 Zirkusliebhaber nicht entgehen lassen, das erfreulich hannoverbetonte GOP-Sommerprogramm, Heinz Rudolf Kunzes witzige und zeitgemäße Musicalversion von Shakespeares Sommernachtraum im barocken Gartentheater in Herrenhausen und Ende August das spektakuläre BootBooHook-Festival – erstmals auf dem EXPO-Gelände und erstmals mit reichlich Campingmöglichkeiten und reichlich Nachtkonzerten (sind ja keine unmittelbaren Nachbarn da). Alles kein Vergleich zu den mehr als zwei Millionen Seeleuten des Maschseefestes, das mittlerweile zu den größten Veranstaltungen Norddeutschlands gezählt werden darf.

Ehrlich gesagt, ich kann es manchmal fast nicht glauben, was für ein ausgehfreudiges, fröhliches, interessiertes und einladendes Völkchen diese Hannoveraner sind. Dafür fällt es mir umso leichter, den genauso mutigen wie kreativen und engagierten Veranstaltern einfach mal ein dickes Kompliment zu machen und ihnen ganz herzlich für dieses vielseitige Sommerversüßen zu danken. Einziger Wehmutstropfen ist nach wie vor die Frage, wie sich heutzutage das mittlerweile 483 Jahre alte und weltweit größte Schützenfest der Welt im Kontext dieses Sommerfestreigen behaupten kann, wie es Profil zeigen kann und den Spagat zwischen Tradition und Moderne schafft. Schauen wir mal etwas genauer hin: Beim Maschseefest treten u.a. 140 Bands eintrittfrei auf, es gibt heiter bis sportliche Wasserspiele, für die Kinder gibt es ein ansehnliches kostenloses Programm, das Essen kann im Picknickrucksack mitgebracht werden, wer will, kann nur die herrliche Natur genießen. Beim Schützenfest wird neuerdings zwar etwas mehr Live-Musik geboten – alles andere gibt es (mit Ausnahme der öffentlichen Toiletten) bei den 230 Ständen und Fahrgeschäften ausschließlich gegen Bezahlung. Wenn ich lese, dass beim Familientag „das Geschäft brummt“, denke ich unwillkürlich an die Mutter, die mir erklärt, dass sie (vom ständigen Nein-Sagen genervt) arm wird, wenn sie mit ihren drei Kindern aufs Schützenfest geht? Man mag es bedauern, dass die Schützentradition im Abklingen ist und manche Festweisen nicht mehr auf heutige Festwiesen passen - wenig bedauerlich finde ich hingegen, dass (Brauereien mögen mir verzeihen) die Hannoveraner keinen ausgeprägten Ehrgeiz entwickeln, Mengenrekorde im Biertrinken aufzustellen. Auch insofern ist ein generelles Umdenken nicht verkehrt.

Vor zwei Jahren waren wir in Ueckermünde. Auf Plakaten wurde groß angekündigt, dass Jürgen Drews auf dem Schützenfest auftritt. Für fünf Euro Eintritt. Wir stutzten und stellten dann fest, dass das Schützenfestareal komplett eingezäumt war und von allen Schützenfestbesuchern drei Euro kassiert wurden – egal ob sie Jürgen Drews anhörten oder nicht. Da hat es bei mir Klick gemacht  ...und ich träumte von einem Schützenfest in Hannover, bei dem von jedem der zwei Millionen Besuchern an den fünf Toren (nur) ein Euro kassiert wird, dafür alle Kinder bis 6 Jahre kostenlos Karussell fahren dürfen, in den wetterunabhängigen Zelten ein kunterbuntes Volksmusik- und Schlagerfestival stattfindet, reichlich Gaukler und Feuerschlucker sich herumtreiben, Groß und Klein lustige Wettkämpfe austragen und neben den neuesten Fahrgeschäften alte, nostalgische Karussells und Stände stehen, die man unbedingt gesehen bzw. befahren haben muss.

Erwin Schütterle

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