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Kleine Geschäfte 11/2012

Erwin Schütterle

Hund müsste man sein. Dann dürfte man das „kleine Geschäft“ überall in der Stadt verrichten und das „große Geschäft“ – je nach sozialer Intelligenz des Herrchens oder Frauchens (was für treffende Begriffe die deutsche Hundesprache kennt!) – auch. Menschliche Randgruppen, die Alkohol an besonders wertvollen Plätzen wie dem Opernplatz, dem Raschplatz oder dem historischen Gartenfriedhof an der Marienstraße zu sich nehmen und bei der Gelegenheit davon ausgehen, sich wie Hunde erleichtern zu dürfen, können sich auch nicht beklagen: Ihnen sollen durchgehend geöffnete, kostenlose WCs zur Verfügung gestellt werden – obwohl man sie (Häuschen & Benutzer) im Grunde genommen gar nicht an diesen Plätzen sehen möchte.

Als einigermaßen wohlsituierter Stadtmensch, dessen Würde (genauso wie die Würde von Randgruppen) im Grundgesetz als unantastbar verankert ist, ist das alles nicht so einfach. Wenn man sich dazu gesund ernährt und täglich die empfohlenen zwei Liter Wasser trinkt, kommt man immer wieder ganz schön unter Druck, in Notlagen …und ins Grübeln: Gehört es nicht zu den elementaren Aufgaben eines zivilisierten Staates, dafür zu sorgen, dass seine Bürgerinnen und Bürger nicht nur genügend zu essen und zu trinken und ein Dach überm Kopf, sondern auch die Möglichkeit haben, unter zumutbaren Bedingungen ihre Notdurft verrichten zu können? Ist es eigentlich mit der Menschenwürde vereinbar, dass für diesen absolut natürlichen und absolut unbeeinflussbaren Vorgang Gebühren verlangt werden? Oder internationale Kapitalgesellschaften an den Autobahnraststätten wegezollähnliche Stuhlgangmaut kassieren? Oder noch perverser: Toiletten in Billigfliegern nur noch gegen Bezahlung benützt werden können (man hat da oben ja reichlich kostenlose Alternativen)? In diesem Zusammenhang: Wann gehen eigentlich die Frauen auf die Barrikaden bzw. zum Bundesverfassungsgericht und klagen die tagtägliche Diskriminierung durch zu wenige Damentoiletten - besonders in öffentlichen Gebäuden und bei öffentlichen Veranstaltungen - an?

Und wie sieht’s speziell in Hannover aus? So wie man von der Sauberkeit und Ausstattung einer Gaststättentoilette auf die Qualität des Lokals Rückschlüsse ziehen kann, so bekommen Städte mit einem ausreichenden und gut ausgeschilderten öffentlichen Toilettenangebot von mir vorneweg Pluspunkte. Diesbezüglich glänzt Hannover auch auf diesem Gebiet – zumindest wenn man den Begriff „Öffentliche Toiletten in Hannover“ bei Hannover.de eingibt. Absolut unamtlich, in schönstem Werbedeutsch steht da: „50 mal steht dieser Begriff in Hannover für guten Service, schönes Ambiente und beispielhafte Hygiene. Viele Toilettenanlagen sind auch zusätzlich mit einer Wickelmöglichkeit ausgestattet. Den frischen Duft in die Örtchen der Leinestadt hat im Auftrag der Stadtentwässerung Hannover die Deutsche Städte-Medien GmbH gebracht.“ Per Klick kann ein übersichtlicher Stadtplan mit allen öffentlichen Klooos inkl. Foto heruntergeladen werden. In der Tat: Die neuen Toilettenhäuschen sind so schick und so edel, dass man sie fast nicht als solche wahrnimmt. Da möchte man am liebsten sein Geschäft gar nicht mehr zu Hause erledigen. Der Haken ist nur: Sie sind gebührenpflichtig, mit wenigen Ausnahmen in den Abendstunden und nachts geschlossen und es fehlen in ihrer Umgebung entsprechende Wegweiser. Sparsame, mit der Zeit gehende Zeitgenossen, haben heute schon die Möglichkeit, bei „gratispinkeln.de“ kostenlose Ablassmöglichkeiten in Städten und an Autobahnen zu finden und auf ihren Navi oder ihr Smartphone herunterzuladen. In der City Hannovers werden da die Kundentoiletten verschiedener Kaufhäuser empfohlen. Ich weiß ja nicht wie Ihnen das geht, aber ich stecke - wenn schon, denn schon - lieber ein 50-Cent-Stück in einem anonymen Automaten, als dass ich mich dem nötigenden Blick dieser „angestellten“ Tellerbewacher aussetze, die offenbar durch ihre bloße Anwesenheit die Reinigungskosten „ersammeln“ müssen.

Aber wie geht es dem Hannoveraner oder der Hannover-Besucherin nach Geschäftsschluss - sagen wir mal um ein Uhr nachts - wenn ihm/ihr z. B. in unserem Weltklasse-Hauptbahnhof ein plötzliches oder überfälliges Bedürfnis überkommt? Er/sie ist im wahrsten Sinne des Wortes gekniffen, denn das öffentliche, ansonsten ein Euro (Unisex-Tarif) ganz schön teure, „erfrischend saubere, freundliche und faire“ Sanifair-WC ist täglich - sage und schreibe - nur von 6 bis 24 Uhr geöffnet. Damit nicht auch Sie in ihrer Not den Raschplatz zweckentfremden, verrate ich höchst ungern die Rettung, weil ich befürchte, dass dieser Geheimtipp auch bald nicht mehr funktionieren wird: McDonald hat im Hbf (wenn man reinkommt rechts in der ersten Etage) rund um die Uhr Gaststätte und Toilette geöffnet. Ich gestehe: ich habe noch nie bei MCDonald gegessen, aber seine Toiletten sind absolut spitze! Auch erinnere ich mich zu gut an eine ganzseitige McDonald-Anzeige mit dem genialen Spruch: „Putzfrau geht zurück ins Krankenhaus. McDonald ist ihr zu pingelig.“

Erwin Schütterle

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