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Loslassen 3/2013

Erwin Schütterle

Vorbemerkung: Ich hab da einen sympathischen, liebenswerten aber ziemlich peniblen Kolumnenleser, der meine letzte Kolumne insofern hinterfragte, als er wissen wollte, was bei der Schilderung der Ausverkaufs-Auswüchse nun typisch hannöversch sei. Meine Einlassung, ich hätte doch ein paar hannoversche Traditionsunternehmen ins Spiel gebracht, die sich der allgemeinen Angelsächserei widersetzten, ließ er geradeso noch so durchgehen. Ich hoffe, er und Sie akzeptieren die folgenden (ausnahmsweise) höchstpersönlichen Zeilen mit dem Hinweis darauf, dass die Kernzeit meines beruflichen wie auch privaten Lebens 34 Jahre lang unmittelbar und intensivst mit Hannover verknüpft sind.

Erwin Schütterle

Obwohl ich vor dem Papst mein Rücktrittsgesuch einreichte, bin ich Seiner Heiligkeit doch zu großem Dank verpflichtet. Sein epochaler Rücktritt stellt zwar sämtliche freiwilligen oder erzwungenen Rücktritte in den Schatten – aber schöner, treffender und ehrlicher hat bislang jedoch noch kein Mensch seinen altersbedingten Rückzug begründet: „…ist sowohl die Kraft des Körpers als auch die Kraft des Geistes notwendig, eine Kraft, die in  den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen hat, dass ich mein Unvermögen erkennen muss, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen.“ Die geistigen, wie auch die körperlichen Kräfte sind unterschiedlich verteilt: Es gab einen Kanzler Adenauer, der von seinem 73. bis 87. Lebensjahr Kanzler war, ein 66-Jähriger versucht in diesem Jahr Kanzler zu werden  …und ich stelle für mich persönlich fest, dass es besser ist, „aus dem Bad auszusteigen, so lange das Wasser noch warm ist“ (und die erste Ziffer meines Alters noch eine Sechs ist). Ich will nicht auf den Friedhöfen landen, die voll belegt sind mit Menschen, die glaubten, ohne sie geht es nicht mehr weiter. In dem Zusammenhang betrachtet, ist jedes rechtzeitige Loslassen letztendlich eine Erleichterung des allerletzten Loslassens. Ich glaube, nach insgesamt 52 Arbeitsjahren, davon 27 KANAPEE- und 5 Geschäftsführer-Jahren im Freundeskreis Hannover, darf ich mir die Freiheit nehmen, kürzer zu treten, öfters mal die Klappe zu halten und den jungen Kräften endlich Platz dafür zu machen, dass sie ihr Ding drehen und ihre Vorstellungen mit ihren Mitteln und Methoden verwirklichen können. Allen Unkenrufen zum Trotz, gibt es auch (oder speziell) in Hannover diese engagierten Menschen, die nicht allein ihre persönliche Karriere und allein ihren persönlichen Vorteil im Visier haben, sondern sich amtlich oder ehrenamtlich in die Gesellschaft einbringen und die Gegenwart und Zukunft aktiv mitgestalten. Tun Sie mir einfach den Gefallen, und übertragen Sie Ihr Vertrauen und Ihre Verbundenheit zu mir auf meine Nachfolger/innen.

Überhaupt betrachte ich es als einen Glücksfall, dass mich 1974 mein damaliger Arbeitgeber ungefragt in das mir völlig unbekannte Hannover „beförderte“. Bereits nach sechs Wochen fühlte ich mich hier zu Hause und lernte Stadt und Menschen immer mehr kennen und lieben. Es kam mir sehr entgegen, dass diese stillen, dünkelfreien, aber doch lebensfrohe Menschen hier keine großen Sprüche klopfen, sondern mehr Wert auf Verlässlichkeit, Vertrauen und ein produktives Miteinander legen. Mit ihrer Hilfe konnte ich mich hier entfalten, viele Ideen ausbrüten, einige Ideen verwirklichen und seit 1989 (also kurz nach seiner Gründung) im Freundeskreis Hannover aktiv und lustvoll mit dazu beitragen, das positive Stadtgefühl auszubauen und spürbar zu machen. Selbst dann, wenn der Freundeskreis Hannover keine einzige Veranstaltung durchführen würde, allein die Verleihung des immer angeseheneren Stadtkulturpreises („Stadt-Oscar“) und allein die Tatsache, dass es einen unabhängigen Freundeskreis Hannover gibt, ist schon ein großer Gewinn für die Stadt und seine Bewohner. Und wenn ich jetzt mit Freude feststellen kann, dass sich in diesem Freundeskreis so langsam ein inneres, dynamisches Feuer entwickelt, gebe ich gerne mein Amt ab, schüre nicht mehr das Feuer, sondern genieße nur noch die Wärme.

Das ist nicht zuletzt auch der Grund, warum ich mich jetzt nicht total zurückziehen werde. Ich werde „das Gärtnern“ nicht gänzlich aufgeben, sondern nur „den Garten immer mehr verkleinern“ bzw. das eine oder andere Neuland betreten. Ich nütze an dieser Stelle aber die Chance, allen treuen Weggefährtinnen und Weggefährten einmal ein ganz großes herzliches Dankeschön fürs wohltuende Mitleben auszusprechen.

Wenn Sie (und der Verleger) nichts dagegen haben, werde ich weiterhin mit dieser Kolumne zu Ihnen sprechen. Eins müssen Sie mir jedoch versprechen: Sollte ich nicht mehr selbst merken, dass meine Einblicke banal und meine Ausblicke mehr verdunkelnd als erhellend sind, dann erwarte ich, dass Sie ein Machtwort in Richtung der folgenden zwei Wörter loslassen:

Erwin Schütterle

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