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Einlassen 04/2013

Erwin Schütterle

OREST – wieder mal ein großartiges Opernerlebnis in unserem Opernhaus! Eine deutsche Erstaufführung …und reichlich freie Plätze. Es tut einem engagierten Hannover-Freund richtig weh, wenn dann ein Opern-Freund nach der Aufführung behauptet, dass es in Hannover schwer sei, mit zeitgenössischen Opern das Haus zu füllen. Da muss ich die Hannoveraner vehement in Schutz nehmen und meinerseits behaupten, dass das kein hannoversches, sondern ein allgemeines Problem ist. Nicht nur in Hannover „isst der Bauer nur das, was er kennt“.

Zweifellos gibt es (auch in Hannover) dem Neuen aufgeschlossene Menschen. Sie sind aber hier wie anderswo in der Minderheit und ich bezweifle, dass man es mit den üblichen Methoden schafft, die Zögerlichen bzw. die Festgefahrenen für zeitgenössische Opern, Musik, Theater, Tanz oder moderne Kunst zu gewinnen. Ähnliches gilt für neue, ungewöhnliche Neuinszenierungen von alten Opern. Zu diesen (Glücks- oder Trauer-)Fällen habe ich eine eindeutige Meinung: Egal ob die Inszenierung alt, neu, extrem schlicht oder extrem verrückt ist: Wenn mir das alte Werk näher gebracht und per Bühne oder lieber noch per eigenem Kopf und Bauch einen Bezug zur Jetztzeit oder zu meinem eigenen Ich herstellt, bin ich glücklich und zufrieden. Wenn aber Mätzchen ins Spiel kommen, die nicht dem Werk dienen, sondern ausschließlich der Regisseurin oder dem Regisseur Aufmerksamkeit und Schlagzeilen einbringen sollen, dann hat jeder Buh-Rufer meine volle Unterstützung.

Im Gegensatz zu einer Verdi-Oper (die man möglicherweise schon ein Dutzend Mal gesehen hat) erschließt sich eine neue Oper nicht unbedingt beim ersten Hören und Sehen. Ich gebe zu, dass ich ein Großteil neuer Musik, nie per Konserve, Radio oder TV anhören würde. Wenn mich aber eine Inszenierung (wie z.B. der OREST) überzeugt, das Sujet interessiert und mich das gesamte Live-Erlebnis packt, berührt und fasziniert, dann würde ich dieses Werk gerne mehrmals anschauen  …um es bei jedem Besuch näher kennen und bestenfalls lieben zu lernen. Spätestens jetzt kommen finanzielle Aspekte ins Spiel: Auf der einen Seite ist für einen Rentner ein mehrmaliger Opernbesuch alles andere als selbstverständlich. Andererseits muss es für ein subventioniertes Staatstheater jedoch mehr als selbstverständlich sein, nicht nur „die Asche anzubeten“, sondern den kulturellen Zeitgeist auf die Bühne zu bringen – auch wenn das, wie bei der bildenden Kunst auch, höchst selten den Massengeschmack trifft. Es steht demnach von vornherein fest, dass man mit diesen Novitäten weder Geld verdienen noch Auslastungsrekorde erzielen kann – erstrebenswert ist vielmehr, dass das Haus bei den wenigen - in der Regel ziemlich kostspieligen, zeit- und arbeitsintensiven - Produktionen einigermaßen gefüllt ist.

Wie geht z.B. die Kestner-Gesellschaft dieses Problem an? Einfach und effektiv heißt es dort: „Mit Ihrer Eintrittskarte können Sie im entsprechenden Ausstellungszeitraum so oft vorbeikommen, wie Sie möchten. Ihre Karte ist außerdem auch auf Dritte übertragbar.“ Könnte nicht auch die Oper diese Methode in modifizierter Form (wohlgemerkt nur) für die schwer verkäuflichen Inszenierungen anwenden? Von der Gastronomie wissen wir, dass die beste Werbung die „Mund-zu-Mund-Propaganda“ ist. Wenn ich also meinem kulturell wie auch finanziell vorsichtigen Freund (nach meinem eigenen Zweit- oder Drittbesuch) nicht nur von OREST vorschwärme, sondern ihm zumindest das finanzielle Risiko abnehme, indem ich ihm meine Karte mit dem Hinweis in die Hand drücke, dass er dafür kostenlos oder stark verbilligt eine neue Karte erhält, besteht zumindest die Chance, dass die zeitgenössische Oper einen neuen Freund gewinnt (und die staatlichen Subventionen Sinn machen).

Wie machen es die Kunstfestspiele Herrenhausen, die von der durchschnittlichen Auslastung des Opernhauses nur träumen können? Auch sie vertrauen nicht mehr allein auf Plakate, Flyer und Folder: Sie setzten (neuerdings) ebenfalls auf die Kraft der persönlichen Ansprache und versuchen mit Hilfe von Paten für die einzelnen „Kunstspiele“ Interesse zu wecken und mögliche Vorurteile oder Berührungsängste abzubauen. Ich habe gerne die Patenschaft für den (preislich moderateren) 2. Eröffnungsabend am 2.6. („Atlas – Inseln der Utopie“) übernommen und rühre jetzt schon die Werbetrommel mit dem ganz allgemeinen Appell: Seien Sie mutig, offen, neugierig! Schauen und hören Sie nicht nur das an, was Sie bereits kennen. Erweitern Sie Ihren Radius und Ihren Horizont und lernen Sie die vielfältigen und umfangreichen Kulturschätze Hannovers kennen. Nutzen und genießen Sie das Glück und das Privileg, das Ihnen unser prall gefüllter Veranstaltungskalender tagtäglich bietet. Sei es die Oper, seien es die vielen kleinen und das große Theater, die Varietés, die Museen, die großen Konzertsäle, die sich erfreulich vermehrenden, persönlich geprägten kleinen Veranstaltungsorte und natürlich die exquisiten Festivals. Jedes Live-Erlebnis ersetzt spielend 10 Tatort-Konserven oder 10 Talkshow-Sabbeleien.

Erwin Schütterle

PS. Letzte Chance für die Oper OREST: Fr 05.04 und Di 16.04. jeweils 19.30 Uhr - Zu den Herrenhäuser „Inseln der Utopie“ mehr Reales im Mai

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