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Hauptsache: Gemüse 05/2013

Erwin Schütterle

Auch über das gastronomische Angebot kann sich die Region Hannover wirklich nicht beklagen. Die Spannbreite beginnt mit der kommunikativen Currywurst (für die 2009 die „Hannoversche Currywurst Gesellschaft“ gegründet wurde -1200 Mitglieder) und endet beim "jüngsten Sternekoch 2012" Andreas Tuffentsammer in der "Ole Deele" in Großburgwedel. Eine erfreuliche Bereicherung sind ohne Zweifel die zahlreichen ausländischen Gaststätten, die nur noch von offenen und neugierigen Kunden entdeckt werden müssen. (Kennen Sie z.B. das orientalische Café "Efendi Bey" in der Münzstr. 7 mit seinem artgerecht zelebrierten Mocca oder die portugiesische "Pastelaria Luis" in der Deisterstr. 68 mit ihren leckeren Blätterteigtörtchen?) Was auffällt: In allen florierenden Betrieben - egal ob deutsch oder ausländisch - kümmern sich der Wirt oder die Wirtin höchstpersönlich und tagtäglich um die Gäste. Und was noch auffällt: In der Mehrzahl der Lokale spielt Gemüse keine oder lediglich eine Nebenrolle.

Auch wenn es aus nachvollziehbaren Gründen immer mehr Vegetarier (mittlerweile sogar auch Veganer) und es auch in Hannover die Aktion "Veggietag" (veggietag-hannover.de) gibt, ist unser Essverhalten nach wie vor verdammt fleischbetont. Über die Erkenntnis der Statistiker, dass jeder Deutsche im Laufe seines Lebens 1094 Tiere verspeist, kann ich indes nur lachen: Von 1000 Nordseekrabben wäre ich längst verhungert, 1000 Rinder wären wiederum ein klein bisschen zu viel des Guten. Ernster nehme ich hingegen die Erkenntnis, dass durch einen fleischfreien Tag pro Woche jährlich 157 Millionen Tiere vor der Schlachtbank verschont werden könnten. Mehr zu denken gibt mir die Tatsache, dass für die Produktion von einem Kilo Fleisch bis zu 15 Kilo Getreide verfüttert wird, dass 70 % des frischen Schweinefleischs als Sonderangebot verkauft wird und dass vier Fleischkonzerne zwei Drittel des gesamten Schweinefleischmarktes kontrollieren. Wundern tut mich schon längst nicht mehr, dass die Fleischskandale zunehmen und die internationale, möglicherweise noch staatlich subventionierte Fleischmafia es schafft, gutes Pferdefleisch als billiges Rindfleisch unseren „Schnäppchenessern“ unterzujubeln und auch die Region Hannover immer mehr ins Visier der gigantischen Schlachtfabriken nebst untierischen Mastfabriken gerät.

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, mir fällt auf, dass in den Großanzeigen und Werbeblätter unserer Discounter die exzellent fotografierten und ausgeleuchteten Tierleichenteilen langsam überhand nehmen. Selbst vor roher Leber, die einfach nur eklig aussieht, schrecken die Verkaufsstrategen nicht zurück. Himmel noch mal, wo leben wir eigentlich? Essen wir rohes Fleisch? Haben wir absolut keinen Respekt mehr vor "Leben"? O.k., wir können Handys, Haarbürsten, Halogenlampen en masse produzieren und als Sonderangebot verkaufen. Aber: Schweinefilet zum Sonderpreis ist einfach pervers!

Wir könnten jetzt wieder nach dem Staat schreien und fordern, dass für tierische Produkte (wie für Alkohol und Zigaretten) keine Werbung mehr gemacht werden darf. Oder als Kompromiss nur noch Fotos von lebenden Tieren oder Fotos von den produzierenden Bauern in den Anzeigen zulassen. Wir könnten aber auch ganz einfach mal unser alttägliches Verhalten hinterfragen und erschreckt feststellen, wie fleischfixiert wir mittlerweile sind: Denken wir nicht zuerst an Fleisch, wenn wir überlegen, was wir kochen oder was wir essen wollen? Sind in den Restaurants die Speisekarten nicht in der Regel überschrieben mit Schwein, Rind, Geflügel, Fisch...?

Ich will niemanden zum Fleischverzicht missionieren. Ich wäre schon zufrieden, wenn wir einfach unser eingefleischtes Verhaltensmuster in Frage stellen und damit beginnen, mehr gesundes, frisches Gemüse (am besten natürlich aus der Region Hannover) und weniger, dafür gutes Fleisch zu verzehren. Und Hannovers Gastronomen könnten einen Umdenkprozess in Gang bringen, indem sie auf einer Zusatzseite „Hauptsache Gemüse“ ihre Gerichte mit Gemüse noch einmal, aber in geänderte Reihenfolge, anbieten: Da steht dann nicht mehr Lamm mit Broccoli, sondern: Broccoli mit Lamm, Pastinaken-Püree mit Schweinemedaillons, Rahmwirsing mit Putensteak usw. Garnieren können sie diese Seite mit dem Hinweis, dass bei dieser Version der Gemüseanteil höher ist als der Fleischanteil. "Nein, das geht gar nicht" höre ich jetzt schon unisono unsere Köche rufen. Und ob das geht: In der Spargelhochburg Hannover liefern sie selbst alljährlich den wohlschmeckenden Beweis: Spargel mit Schinken, Spargel mit Rührei, Spargel mit Kalbssteak usw. Und bei den Italienern funktioniert es auch: Pasta oder Pizza mit....

Erwin Schütterle

(Höchstpersönliche Anmerkung: Ich werde in letzter Zeit öfters darauf angesprochen, ob meine "schlanke Erscheinung" krankheitsbedingt sei. Keine Sorge: Ich fühle mich federleicht und pudelwohl, nachdem ich vor einem Jahr - mit Hilfe von Metabolic-Balance - meine Ernährung konsequent umgestellt habe: Feste Esszeiten, kein Schweinefleisch, keine Wurst, keine Fertigprodukte, wenig Weißmehlprodukte, sehr viel Gemüse, täglich Obst, reichlich Wasser, wenig Alkohol ...und viel Bewegung. Ergebnis: Gicht und 17 kg stressfrei weg, Blutdruck, Cholesterin, Leberwerte wieder normal, pillen-, schnarch- und jojo-effektfrei.)

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