Freundeskreis Hannover e. V.
  Freundeskreis e. V. Hannover
Herzlich Willkommen im Freundeskreis Home 28.04.2017



 

Eintracht 08/2013

Erwin SchütterleAm 9. August geht sie wieder los - die Bundesligakickerei. Hannover-96-Anhänger sind mehr als gespannt, wie Slomkas und Dufners verletzliche Neumannschaft zuschlägt oder - was wir natürlich partout nicht wollen - sich schlagen lässt …und manch einer sieht dem 9.11.13 und dem 5.4.14 jetzt schon eher mit gemischten Gefühlen entgegen. Da spielt Hannover gegen seinen „Erzrivalen“ Braunschweig, der - wie schön - nach 28 Jahren wieder in der ersten Liga mitmischt. Ich als unaufgeregter und nur sporadischer Hobbyfußballfan freue mich mit den hauptamtlichen Fußballfans mit, dass wir jetzt zusammen mit Braunschweig und Wolfsburg - so um die Ecke - reichlich Lokalderbys erleben und genießen können. Leider ist aber zu befürchten, dass einige hirnlose Chaoten den Begriff „Zuschlagen“ zu wörtlich nehmen. Dass es Rivalitäten zwischen zwei Städten gibt, ist indes das Normalste auf der Welt. Es begann bereits in der Antike mit der Feindschaft zwischen Athen und Sparta und setzte sich fort mit Warschau : Krakau, Moskau : St. Petersburg, Köln : Düsseldorf, Dresden : Leipzig usw.. Selbst für mein kleines Heimatdörfchen Rast war das nur einen Kilometer entfernte Sauldorf gefährliches Ausland, ganz zu schweigen von den gnadenlosen Frotzeleien zwischen den badischen „Gelbfüßlern“ und den schwäbischen „Schpätzlefressern“. Nur eins war damals anders: Bei den oft stundenlangen Witze- und Sprüchewettstreiten wurde viel gelacht und in friedlicher Eintracht jede Menge Wein getrunken. Auch manchen Welfenlandbewohnern (die Welfen stammen übrigens aus dem oberschwäbischen Ravensburg, 40 km nahe meiner Altheimat) würde etwas Nonchanlance gut zu Gesicht stehen. Es bleibt beispielsweise für mich ein Rätsel, warum sich unser Ex-Landtagspräsident Gansäuer auf den Schlips getreten fühlte, nur weil der Braunschweiger Professor Biegel so wunderschön ironisch erklärte: „Ich bin so ausländerfreundlich, dass ich auch Studierende aus Hannover in meine Vorlesungen lasse“.

Vielleicht muss man dazu wissen, dass es im Fall Hannover/Braunschweig zwei „Feindschafts-Stränge“ gibt: Der fußballerische ist jüngeren Datums und hängt mit der Einführung der Bundesliga im Jahre 1963 zusammen. Hannovers Antrag wurde abgelehnt, Braunschweig kam rein. Dem Vernehmen nach ist diese „Niederlage“ am grünen Tisch die Keimzelle der Rivalität. Zehn Jahre später stand so gut wie fest, dass Hannover absteigt. Durch einen sensationellen hohen Sieg gegen den starken Wuppertaler SV und die parallele Niederlage der Braunschweiger gegen Düsseldorf musste jedoch Braunschweig absteigen. Das tat offenbar nachhaltig weh.

Die zivile Rivalität ist viel älter und hängt damit zusammen, dass Braunschweig im Mittelalter in einer viel höheren politischen und wirtschaftlichen Liga spielte als Hannover. Braunschweig zählte vier mal soviel Einwohner wie Hannover, war Teil der Hanse und stellte mit dem Welfen Otto IV. (Sohn des mächtigen Heinrich des Löwen) für kurze Zeit sogar einmal den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Dementsprechend war das lokale Selbstbewusstsein der Braunschweiger immer stärker ausgeprägt als das der Hannoveraner (die bekanntlich 123 Jahre lang von London aus fernregiert wurden). Und jetzt wollen wir mal die Kirche im Dorf bzw. in der Stadt lassen und absolut hämefrei klarstellen, dass ab 1650 die Braunschweiger einfach Pech hatten. Wäre ein Welfenclan damals nicht ins Calenberger Land gezogen und dann nach Hannover, wer weiß, was aus Hannover geworden wäre. War es Glück, Geld, Verhandlungsgeschick oder „Vitamin B“, dass Hannover 1714 zum Kurfürstentum befördert wurde und hundert Jahre später beim Wiener Kongress sogar zum Königreich? Selbst unter der preußischen Annektion von 1866 bis zum 2. Weltkrieg wurde Braunschweig von der preußischen Provinzhauptstadt Hannover aus regiert und nach dem grausamen Krieg hat der nicht ganz unbefleckte Hinrich Wilhelm Kopf die Quadratur des Kreises geschafft, indem er die sehr patriotischen Länder Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe zusammen mit Hannover im neuen Bundesland Niedersachsen vereinte. Aber: Wieder mit Hannover als Hauptstadt. Kein Wunder, dass da noch Narben vorhanden sind. Einen kleinen Lichtblick gab es für die Braunschweiger vor hundert Jahren im Jahre 1913 (Das Buch „1913“ kann ich übrigens allerwärmstens empfehlen!): Die Kaisertochter Victoria Luise heiratete den Welfenprinzen Ernst August III., der dann für fünf Jahre den Braunschweiger Herzogthron besetzen durfte. Und jetzt aufgepasst: Zum gefeierten Einzug des jungen Ehepaares in die Stadt wurden zahlreiche Sonderzüge von Hannover nach Braunschweig eingesetzt! Und so wie der neue Papst mit seiner ersten Reise, die in ein Flüchtlingslager führte, aufhorchen ließ, so hat auch unser neuer Ministerpräsident ein deutliches Zeichen für ein unverkrampftes Verhältnis zwischen Hannover und Braunschweig dadurch gesetzt, dass sein allererster dienstlicher Ausflug ins nachbarliche Braunschweig führte.

Fazit: Die Menschen von Hannover und Braunschweig kommen - mit Ausnahme einiger geistig und menschlich zurückgebliebenen Chaoten - gut und einträchtig miteinander aus. Im Grunde genommen bin auch ich ein extrem friedliebender und absolut gewaltfreier Mensch. Ich gebe aber zu, dass ich mich nicht groß aufregen würde, wenn die Dumpfbacken, die Sprüche klopfen wie „Alle Braunschweiger töten“ oder „Tod und Hass dem BTSV“ ein(e)Tracht Prügel beziehen würden. (Bei der Gelegenheit: Bushido mit eingeschlossen.)

Erwin Schütterle

‹‹‹ zurück



 

in 8 Tagen:
06.05.17, 09:30 Uhr
FREUNDE IM GESPRÄCH am 6. Mai
Das Freundeskreis-Frühstück im Paradies-Provence
mehr ›
06.06.17, 18:00 Uhr
Offene Gesellschaft unter Druck - Zweite Diskussionsveranstaltung

mehr ›
24.08.17, 18:00 Uhr
Offene Gesellschaft unter Druck - Dritte Diskussionsveranstaltung

mehr ›
19.09.17, 19:00 Uhr
Offene Gesellschaft unter Druck - Vierte Diskussionsveranstaltung

mehr ›