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Starke Stadtfrauen 11/2013

Erwin Schütterle (Diesen Titel benutze ich nur deshalb, weil er knapp und knackig den Kern dieser Kolumne auf den Punkt bringt …und zu einem Magazin, das sich STADTKIND nennt, gut passt. Ansonsten impliziert der Ausdruck „Starke Frauen“ die irrige, dennoch immer noch weit verbreitete Ansicht, dass „starke Frauen“ etwas Ungewöhnliches und mit dem „schwachen Geschlecht“ nicht kompatibel sind. Im Gegensatz dazu ist ein Mann immer „stark“.)

Hannover musste im September gleich von zwei gesellschaftlich und politisch mehr als stark engagierten Frauen für immer Abschied nehmen. Der grausame Krebs hat das Leben und das Lebenswerk dieser außergewöhnlichen Frauen zwar beendet - die Nachwirkungen ihres Wirkens werden der Gesellschaft indes noch lange gut tun. Beide haben es mehr als verdient, dass ihnen für ihre besonderen Verdienste um die Stadt Hannover schon vor Jahren die Stadtplakette verliehen wurde und mit dieser zweithöchsten Auszeichnung nach der Ehrenbürgerschaft ihre wertvolle Arbeit gewürdigt worden ist. Die erste ist

Ingrid Ehrhardt,
die Leiterin des Freiwilligenzentrums Hannover, die „zielstrebig, visionär und voller Ideen dieses Zentrum zu einer der bundesweit größten Einrichtungen dieser Art ausgebaut hat“ (HAZ). Die 1945 geborene studierte Psychologin und Mutter von vier erwachsenen Kindern war seit 2001 die Geschäftsführerin des zwei Jahre zuvor gegründeten Freiwilligenzentrums. Nun, man kann Geschäfte, Vereine, Unternehmen gut und beanstandungslos führen, man bleibt aber nur dann in Erinnerung, wenn man mit seiner Arbeit Zeichen setzt, Impulse aussendet, Ideen realisiert, andere Menschen motiviert und begeistert und - was in allen nichtkommerziellen Einrichtungen leider am notwendigsten wie auch am schwierigsten ist - man muss immer um finanzielle Mittel kämpfen. All das hat Ingrid Ehrhardt, die „Mutter des Freiwilligengedankens“ (Sozialdezernent Thomas Walter), herausragend und ohne sich in den Vordergrund zu stellen glänzend geschafft. Bereits 2003, als das Freiwilligenzentrum lediglich 1 ½ Stellen stark war, würdigte der Freundeskreis Hannover e.V. dieses noch junge, aber erkennbar segensreiche, Engagement mit dem 9. Stadtkulturpreis. In der Laudatio betonte ich damals voller Hochachtung und Respekt, dass mit 500 registrierten Freiwilligen aus allen Alters- und Berufsschichten der Beweis erbracht sei, dass in Hannover nicht nur Egoisten leben. Ingrid Ehrhardt hat diese Zahl in zehn Jahren auf beachtliche 7500 Ehrenamtliche gesteigert! Es brauchte offenbar eine pragmatische Vermittlerin wie Ingrid Ehrhardt, die das vorhandene Freiwilligenpotential der Stadt mit den Notwendigkeiten verknüpfte. Nur sechs Tage nach ihrem Tod mussten wir vernehmen, dass auch

Marianne Taeglichsbeck,
uns verlassen hat. Sie ist 1939 in Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) geboren und flüchtete 1959 aus der DDR. In Hannover fand sie eine neue Heimat und trat auf Grund ihrer politischen Erfahrung in der alten Heimat bereits als 21-Jährige in die FDP ein. Nach Heirat und der Geburt zweier Kinder begann sie 1970 sich kommunalpolitisch zu engagieren. Zuerst als Ratsmitglied und dann ab 1979 rekordverdächtige 22 Jahre lang als Fraktionsvorsitzende. Eine Frau als Fraktionsvorsitzende war damals wahrlich ein „starkes Stück“. Als eigenständig denkender, stets gut informierter, sich selbst stets treu bleibender und äußerlich stilsicherer Mensch brauchte sie keine Rolle zu spielen, um Anerkennung und Respekt zu finden. Sie sprach aus, was gesagt werden musste und war im Stadtleben voll verankert. (Dem Vernehmen nach war ihre bei den Haushaltberatungen immer wieder ausgesprochene Kritik an der Verschuldungspolitik der Stadt genauso berühmt wie gefürchtet.) Als sie 2001 aus dem Rat ausschied, legte sie die Hände nicht in den Schoß. Jetzt engagierte sie sich als Vorstandsvorsitzende mit Hingabe um die „Stiftung Hannover. Malawi-Stiftung für Aids-Waisen“, die ein Waisenhaus in Hannovers Partnerstadt Blantyre in Malawi tatkräftig unterstützt.

Bei aller Trauer und der damit unweigerlich verbundenen Erinnerung an unsere eigene Endlichkeit: Ist es nicht tröstlich und hoffnungsvoll, dass diese beiden Frauen, bis die Krankheit sie stoppte, sich „eigenhändig“ und uneigennützig für die Gesellschaft, für die Gemeinschaft eingesetzt haben, richtig und vorbildlich gelebt haben? Für Freiheit und Demokratie brauchen wir nicht nur Wahlen und Wähler. Wir brauchen auch Menschen, die Verantwortung für andere und politische Ämter übernehmen. Wenn man in diesem Zusammenhang in Betracht zieht, dass die Ratsarbeit von Marianne Taeglichsbeck - von einer Aufwandsentschädigung abgesehen - rein ehrenamtlich war, und auf der anderen Seite Ingrid Ehrhardt die Freiwilligenkultur im außerpolitischen Bereich nachhaltig förderte und prägte, schließt sich der Kreis. Großartige Menschen sind nicht ersetzbar. Ihr Vorbild kann jedoch dabei helfen, ihre hinterlassenen großen Lücken zu füllen und ihr gutes Werk in ihrem Sinne fortzusetzen.

Erwin Schütterle

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