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Hannoverade 12/2013

Erwin SchütterleAlleinstellungsmerkmal ist das Zauberwort der Marketingexperten. Nicht nur im Handel und in der Industrie, auch beim Vermarkten von ganzen Städten geht nichts mehr ohne USP (Unique Selling Proposition oder Unique Selling Point). Die längste Liste von Sehenswürdigkeiten mit den sattsam bekannten Superlativen wie größte, älteste, höchste, erste usw. hilft nicht weiter, wenn nicht (mindestens) etwas absolut Einzigartiges ins Werbespiel gebracht wird. Das mag in Hamburg der Hafen (oder bereits die Elbphilharmonie?) sein, in Köln der Dom (oder der Rhein?) und in München das Oktoberfest (oder die nie verlierenden Fußballer?). Und was hat Hannover zu bieten? Die Eilenriede, die Herrenhäuser Gärten, die Messe (oder die versenkte EXPO?), den Maschsee (oder bereits das Maschseefest?), den ess- oder klaubaren Leibnizkeks oder womöglich dessen Namensgeber Gottfried Wilhelm Leibniz höchstpersönlich?

Bislang war mein Alleinstellungsfavorit der Hannoveraner. Nicht das Pferd, ich meine die unauffälligen, unaufgeregten, liebenswerten und weltoffenen Menschen dieser Großstadt, der man weltweit nachsagt, das reinste Hochdeutsch zu sprechen. Seit kurzem muss ich aber diese persönliche Einschätzung um eine weitere USP ergänzen, denn ich hatte endlich auch einmal das Vergnügen, eine weitere urhannöversche Spezialität kennenzulernen: Spielende Männer! Nicht was Sie jetzt denken, Fußball- oder Klavierspieler. Nein, ausgewachsene Mannsbilder - aus allen Berufs- und Gesellschaftsschichten - treffen sich in einem Spielwarengeschäft in der Grupenstraße …und werden für vier Stunden wieder Kind im Manne. Sie spielen, je nach Veranlagung heiter oder verbissen, Dart, Tischfußball, Billard, Tipp Kick (wer kennt das noch?), Boccia (verschärft durch schlecht rollende Softkugeln), Basketball. Sie hoffen auf Glück bei einem einfach fröhlichen Würfelspiel und wundern sich, da sie die Spielregeln nicht (mehr) kennen, wenn sie am Pokertisch einen Berg von Spielgeld gewinnen. An der Carrerabahn fühlen sich alle wie Sebastian Vettel und beim Lenken und Steuern eines Funk-LKWs bzw. eines Funkhubschraubers sind Väter und Großväter absolut im Vorteil. Ich kinderloser Geselle, der noch nie so eine Funkfernsteuerung in der Hand hatte, produzierte in dieser neumodischen Disziplin am laufenden Band schwere Unfälle. Aber diese Unfälle sind, wie der gesamte Abend, durchweg mit Spaß und Freude verbunden - was möglicherweise auch mit dem schlichten aber legalen Doping in Form von Flaschenbier (mit und ohne Alk) und immer wieder auftauchenden frisch gebackenen Brezeln zusammenhängt.

16 TV-Anstalten haben bereits über diesen ungewöhnlichen, scheinbar nicht in die Zeit passenden Zeitvertreib berichtet. Selbst in Japan ist bekannt, wie der Hannoveraner so tickt und neben zahlreichen Zeitungen und Magazinen haben sogar fünf Frauenzeitschriften sich herabgelassen, über dieses hannoversche Phänomen zu schreiben und ihren Leserinnen ein äußerst beliebtes Frauengeschenk für Männer ans Herz zu legen. Heinz Lehmann, Inhaber des alteingesessenen Fachgeschäfts „idee+spiel“ (welch vorausschauender Name) und Initiator sowie Oberspielleiter dieser Spielerei, erklärt wie es dazu kam: „Ein Vater sagte mir beim Spielzeugkauf für seine Kinder mit einem gewissen Glanz im Auge: ‚Wissen Sie was, in Ihren Laden möchte ich mich mal gerne eine ganze Nacht einschließen lassen.’ Diesen Gedanken griff ich auf und lud Männer zu einem Spieleabend zu Gunsten der HAZ-Weihnachtshilfe ein.“ Das war vor drei Jahren. Jetzt sind die Spieleabende auf Monate ausgebucht, im Dezember muss Lehmann Sonderschichten fahren, ganze Mann- und Belegschaften melden sich an und Hannovers Marketinggesellschaft lockt bundesweit mit Pauschal-Spielereisen nach Hannover. Auch ein „Außer-Haus-Spieleservice“ wird immer öfters gebucht, dafür läuft der Versuch, an gemischten Abenden Frauen mit ins Boot zu nehmen, eher schleppend an. Längst ist diese aktive und kommunikative Spielwelle über Hannover hinausgeschwappt und in immer mehr anderen deutschen Spielwarengeschäften werden Männerträume à la Hannover wahrgemacht.

Wir Erfinder müssen jetzt am Ball bleiben und die Idee ausbauen. Ich stelle mir vor, in Hannover jährlich ein großes Männerspieleturnier in einer Messehalle zu veranstalten und wenn die Welle Europa und die restliche Welt erreicht hat und die olympischen Spiele immer mehr ins Gerede gekommen sind, wird man irgendwann einmal nicht mehr von der Olympiade, sondern nur noch von der Hannoverade sprechen. Ein Traum von einem Alleinstellungsmerkmal!

Erwin Schütterle

 

PS. Bei den weiteren Planungen bitte ich zu prüfen, ob die Teams statt Poker vielleicht Skat, Doppelkopf oder Mau-Mau spielen und ob das Dopingangebot vielleicht um einen Trollinger und Riesling erweitert werden könnte.

Erwin Schütterle

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