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Traumhaft 3/2014

Erwin SchütterleFahren Sie weite Strecken auch lieber mit der Bahn als mit dem Auto? Dann kennen Sie auch mobil, die Kundenzeitschrift der Deutschen Bahn. (Das ist so etwas Ähnliches wie die motorwelt für die ADAC-Mitglieder – nur hundert Mal interessanter und glaubwürdiger.) Im vergangenen Monat hatte es dieses Magazin in sich. Ich bin ja fast aus dem Sessel gekippt, als mir auf Seite 45 eine auf einem edlen Porzellanteller servierte Königskrone geradezu ins Auge sprang. Daneben stand dick und breit: „HANNOVER – Als die Royals aus Hannover kamen“ (dass da auch noch was von Braunschweig und Oldenburg geschrieben stand - geschenkt). Ich stellte fest, dass es sich um eine ganzseitige Anzeige handelte und wunderte mich noch, wieso keine Daten und Internethinweise abgedruckt waren. Ich blättere weiter und traute meinen Augen nicht: Acht (in Ziffern: 8) ganze Seiten wohl formulierte und verlockend bebilderte Werbung für Niedersachsens Residenzstädte, vor allem für Hannover und seine vier Ausstellungen zum 300. Jubiläum der Personalunion, die vom 17. Mai bis 5. Oktober stattfinden werden. Alle Achtung, da hat „Tourismus Marketing Niedersachen“ mal nicht auf Pferdeäpfel gesetzt, sondern mit einem ganz konkreten, geradezu königlichen Lockvogel einen Volltreffer gelandet. Denn auf der letzten Seite kommt noch der Knüller: Wer mit der Fahrkarte ein Kombiticket für die Ausstellungen erwirbt, kann innerhalb von drei Tagen bundesweit für traumhafte (ab) 39 Euro hin und zurück nach Hannover reisen. Bis zu vier Mitreisende zahlen jeweils (ab) 29 Euro hin und zurück (weitere Infos: www.bahn.de/kultur) und die Bahn braucht z.B. von München oder Freiburg nicht mehr als 4 ½ Stunden für die Fahrt nach Hannover. Da es sich bei diesem Angebot natürlich (wie bei den Fliegern) um Lockvogelpreise handelt, habe ich sofort die Freunde informiert, die mich in diesem Jahr besuchen wollten. Wer mehr als drei Tage in Hannover verbringen möchte, kann versuchen, frühzeitig ein Sparpreisticket für (ab) 29 Euro pro einfache Fahrt zu ergattern. Sollten Ihre Freunde sich jedoch weniger dem „Adel verpflichtet“ fühlen, dann laden Sie sie doch zu den Kunstfestspielen (6.6.-1.7.), zum Maschseefest (30.7.-17.8.), zum Schützenfest (4.-13.7.) oder ganz einfach in unser l(i)ebenswertes Hannover (1.3.-31.12.) ein.

Nachdem ich die ganzen acht Seiten ausführlichst gelesen hatte, muss ich, noch ganz berauscht von dieser traumhaften Werbeoffensive für Hannover, etwas eingenickt sein …und hatte dabei einen ziemlich abgefahrenen Science-Fiction-Traum: Ich steige aus dem Zug und höre aus dem Lautsprecher „Willkommen in der Leibnizstadt Hannover“. Auf dem Bahnhofsvorplatz suche ich vergeblich die Linie 10. Mir fällt ein, dass sie ja neuerdings unter der Bahnüberführung Richtung Raschplatz fährt, aber ich finde an der Ernst-August-Galerie keine Straßenbahngleise vor, sondern nur entspannte Menschenmassen, die in die Galerie herein- und aus ihr herausströmen und sich in alle Himmelsrichtungen bewegen. Auf meine Frage, wo die Linie 10 geblieben ist, werde ich etwas komisch angeschaut: „Ja, wissen Sie denn nicht, dass damals im Jahre 2014 der Regionspräsident befürchtete, die anstehende Wahl zu verlieren. Besonders der nicht enden wollende Hick-Hack um die Linie 10 machte ihm schwer zu schaffen. Völlig überraschend erklärte er die Linie 10 zur Chefsache, stoppte alle Planungen und holte sich nach Schweizer Vorbild für die mögliche finanzielle Mehrbelastung bei seinen Bürgern politische Rückendeckung. Alle Regionsbewohner sollten darüber abstimmen, ob die Linie 10 in der City über- oder unterirdisch verlaufen solle. Bei einer hohen Wahlbeteiligung haben sich dann 92 Prozent der Wähler für die zukunftsorientierte unterirdische Variante entschieden, die in der bereits vorhandenen ‚Geisterstation’ am Hauptbahnhof endet. Ach ja, für diesen mutigen Schritt wurde er mit überwältigender Mehrheit für weitere acht Jahre im Amt bestätigt.“

Ich gehe in die Kurt-Schumacher-Straße und finde eine schmucke Fahrradstraße mit breiten Gehwegen und reichlich parkenden Autos vor. An der Nordmannpassage traue ich meinen Augen nicht: Der Ladenblock mit den provisorischen flachen Nachkriegsbauten ist verschwunden. Das Steintor ist jetzt, zusammen mit der neuen Goseriede, ein richtig attraktiver, großzügiger Stadtplatz geworden mit vielen Straßencafés und einem Bauern- und Blumenmarkt. Das Anzeigerhochhaus und die Kestnergesellschaft sind nun, wie vor dem Krieg, von der Georgstraße voll im Blickfeld, die Häuserfronten am Rotlichtviertel sind liebevoll renoviert worden und bringen den Gehrytower dadurch noch mehr zum Glänzen. Die Kurt-Schumacher-Fahrradstraße führt zur Fahrradstraße Lange Laube und bringt die Radfahrer viel flotter zum Hbf als über Georg- und Schillerstraße. Mich wundert, dass so viele Menschen in der Goseriede Richtung Cinemaxx laufen, bis ich entdecke, dass aus dem ehemaligen Kinokomplex ein attraktives Möbelhaus geworden ist. Aber die Menschen bewegen sich noch weiter Richtung ehemaliger Güterbahnhof. Dort entsteht, wie mir ein Passant erklärt, eine kunterbunte urbane Wohnsiedlung mit einfachen aber zweckmäßigen Wohnungen für Studenten, Senioren, Singles und Familien. Weiter kam ich nicht, denn ich wurde unsanft aus meinen Träumen gerissen mit der Durchsage „In wenigen Minuten erreichen wir Hannover, Hauptbahnhof. Wir bitten, die Verspätung von 25 Minuten zu entschuldigen“. Das wiederum war alles andere als traumhaft.

Erwin Schütterle

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