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Schöner wohnen 5/2014

Erwin SchütterleIn Hannover wohnt es sich im Großen und Ganzen wunderbar. Die Miet- und Immobilienpreise sind - im Gegensatz zu manch anderen Großstädten - (noch) moderat  …und die Lagen und Bauplätze sind stellenweise phantastisch. Wenn ich mal viel Zeit habe, rechne ich aus, wie viele Grundstücke hier direkt oder nur einen Katzensprung entfernt von purer Natur liegen. Mal ganz abgesehen von den zahlreichen wilden oder gezähmten grünen Innenhöfen, von denen wir Straßenbenutzer nichts ahnen, zählen dazu: Maschsee, Eilenreide, Leine, Ihme, alle Kanäle und unbebauten Wiesen, Herrenhäuser Gärten, Tiergarten und seit 2000 sogar eine sonnige Hanglage am Kronsberg. Auch wenn es immer wieder Aufregungen um gefällte Bäume geht, ich kenne keine Stadt (und ich habe vor Hannover als Bezirksleiter an die 50 deutsche Städte kennengelernt), deren Straßen und Plätze mit so vielen Bäumen geschmückt sind. Demnach ist Hannover nicht rot-grün, sondern grün-grün-blau und zweifellos die grünste Stadt Deutschlands. Wenn man dann noch bedenkt, wie schnell man mit der Stadt-, S-Bahn und dem dichtem Busnetz von A nach B kommt, kann man nur sagen: Hannover hat alles vor der Haustür: Natur, Kultur, Einkaufs- und Sportmöglichkeiten, Hauptbahnhof, Flughafen, Stadion. Kein Wunder also, dass immer mehr Menschen in Hannover wohnen wollen und die Stadt für die nächsten zehn Jahre mit 12.000 Neubürgern rechnet.

Und da diese Neuhannoveraner nun mal ein Dach überm Kopf brauchen, ist in Hannover so eine Art Baufieber ausgebrochen – mit all’ seinen Risiken und Nebenwirkungen. Mit Interesse und einer gewissen Skepsis beobachte ich die aktuellen Bauvorhaben in der Stadt. Grundsätzlich plädiere ich dafür, dass in den Stadtrandgebieten und im Umland Eigenheime mit Gärtchen gebaut werden sollen und nicht in der Innenstadt. So gesehen ist das Ihmezentrum nicht unbedingt Hannovers „größte Bausünde“. Seine Bewohner genießen den herrlichen Blick über Hannover, schätzen die Zentrumsnähe und können sich, je nach persönlicher Weltanschauung, als Lindener oder Hannoveraner fühlen. Was sie stört und nervt ist einzig und allein der mittlerweile gruselige Zugang und die quälende Ungewissheit der Besitzverhältnisse. Apropos Bausünden: Sind beispielsweise die allerfeinst beworbenen Neubaublöcke am Kuppelsaal das Gelbe vom Ei? Ich habe eher das Gefühl, dass hier die bürokratische Floskel „wohnhaft in…“ mehr ins Klaustrophobe mutiert. Auf den ersten Blick alles sehr edel, auf den zweiten Blick kalt, streng, verschlossen, eng, kein bisschen Individualität – mehr Baumode als Architektur (genau so wie die langsam zur Stadtplage werdenden hohen Schießschartenfenster der neuen und der geplanten Büroklötze). Auch wenn ich so manche neue Eigenheimsiedlung ansehe, friert’s mich: Alles pikfeine kleine Privatburgen mit mehr oder wenig streng markierten Grenzen. Muss heutzutage wirklich nur praktisch, quadratisch und allein für sich gebaut werden? Ich weiß, wir haben reichlich positive Gegenbeispiele, wie die Grasdachsiedlung, Europas größte Null-Emissionssiedlung in Wettbergen, innovative Baugenossenschaften und kreative private Baugemeinschaften. Trotzdem frage ich mich, können wir uns wohnungsmäßig nicht mal etwas mehr Leichtsinn, Fröhlichkeit, Buntheit, Individualität, Offenheit, Gemeinschaftlichkeit oder sogar schlichte Einfachheit leisten? So gesehen bin ich gespannt, was aus dem Klagesmarkt und - noch viel mehr - was aus der Wasserstadt Limmer wird. Es liegt mir fern vor einem zweiten Mühlenberg (6.500 Einwohner) zu warnen, wenn aus dem Boden einer Industrieverlassenschaft statt der ursprünglich geplanten 650 Wohnungen jetzt tatsächlich 2.200 Wohnungen mit Platz für 5.000 Menschen schießen sollen. Ich hätte ein wesentlich besseres Gefühl, wenn nicht allein über die Zahl der Wohnungen, die Höhe der Gebäude, die Anbindungen an den öffentlichen Verkehr und die mögliche Ausstattung mit Schulen diskutiert wird. Ich wüsste gerne, warum Menschen ausgerechnet in diesem neuen Stadtviertel wohnen sollten. Welche neue, visionäre, beispielhafte, in die Zeit und in die Zukunft passende Wohn- bzw. Lebensform erwartet sie da – oder sollen sie lediglich ihren Briefkopf schmücken mit: wohnhaft in der Wasserstadt Limmer? Und: warum diskutieren über dieses Projekt Menschen, die da nie wohnen werden und nicht die Menschen, die da wohnen sollen oder wollen?

Ich beneide Politik und Verwaltung nicht: Der Spagat zwischen wirtschaftlichen Wünschen und sozialen Notwendigkeiten ist kaum zu schaffen und ähnelt der Quadratur des Kreises. Bauherren und Investoren beklagen sich auf der einen Seite über strenge energetische und bauliche Auflagen und anmaßende Belegungsvorschriften mit (für sie) sich „nicht mehr rechnenden“ Mietpreisvorgaben. Die Politik andererseits hat dafür zu sorgen, dass alle - auch einkommensschwache - Menschen nicht unbedingt edel, dafür menschenwürdig, undiskriminiert, generationsübergreifend, von der Gesellschaft nicht abgegrenzt und (für Mieter oder Sozialkasse) bezahlbar wohnen können. Wenn die Wirtschaftsseite bereits den Begriff „Wohnungssozialismus“ (mit dem damit verbundenen Untergang des Abendlandes) ins Spiel bringt, bringe ich, ein Vertreter der wachsenden Schar von rechnenmüssenden Rentnern, den immer noch gültigen Artikel 14 Absatz 2 des Grundgesetzes ins Spiel: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

Erwin Schütterle

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