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Könighausen 6/2014

Erwin SchütterleDaran muss man sich erst noch gewöhnen, dass Hannover sein typisches Understatement total vergisst und mal so richtig auf den Putz haut. Mit einem aufwendigen „Act of Exhibitions“ wird den Einheimischen und der restlichen Welt klar gemacht, dass 1714 - also vor 300 Jahren - das große britische Weltreich einen Kurfürsten aus Hannover importieren musste, um wieder einen (religionsmäßig) passenden König zu haben. Aus dieser ersten Calenberger Blaublutspende entsprossen in den nächsten 123 Jahren vier weitere hannoversch-englische Könige, die von London aus die „größte Kolonialmacht der Geschichte“ und (nebenbei auch) das kleine Kurfürstentum (ab 1814 sogar Königreich) Hannover regieren durften.

Kaum zu glauben, was es bis zum 5. Oktober alles zu sehen und zu erleben gibt: In vier hannoverschen Museen sowie im Celler Schloss und (so ganz nebenbei auch) auf der Marienburg sind unter anderem jede Menge königliches Geschirr, die Krone von Georg I, der goldene Eierkocher von Georg III und die goldene Kutsche von Georg IV, Königskrone, Zepter und Brautkrone des Königreiches Hannover, jede Menge Porträts (mit und ohne Perücke), Spott und Satire, Akten und Urkunden, ein goldener Brief und sogar ein echter Hosenbandorden zu bewundern. Das Motto dieses unter dem linken Knie zu tragenden Ordens: HONI SOIT QUI MAL Y PENSE (Ein Schelm, wer Böses dabei denkt). Rechtzeitig zum Jubiläum ist das Schloss in den königlichen Gärten Herrenhausen endgültig wiederaufgebaut, die Marienburg frühzeitig aus dem Dornröschenschlaf erwacht und selbst deren Hausherr, „unser“ Ernst August Erbprinz von Hannover, traut sich immer mehr unter sein „treues Volk“ und will noch erleben, dass Neuschwanstein als die „Marienburg des Südens“ bezeichnet wird. Und wenn selbst ernste wie auch unterhaltsame Kulturmacher die königliche Personalunion in ihre Programme mit einbeziehen (im GOP ist z.B. Queen Wilma very amused über textilfreie Akrobaten) und die HAZ mit „einnehmendem“ Impetus per Fußmatte, Regenschirm und Teebeutel jeden zum „König von Hannover“ machen möchte, müsste man glatt davon ausgehen, dass in Hannover jetzt tatsächlich so etwas wie „Royals-Fieber“ ausgebrochen ist.

Keine Angst, Hannover (dafür sorgt schon Linden) ist und bleibt uneingeschränkt republikanisch. Was aber nicht heißen soll, dass es in Hannover keine „Könige“ mehr gibt. Es gibt einen Kekskönig, einen Kleingärtnerkönig, einen Haus- und Grundkönig und in Herrenhausen wimmelt es nur so von echten und vermeintlichen Königen und Königinnen, die alle glauben, Herr bzw. Herrin über eine der schönsten europäischen Parkanlagen zu sein. Da gibt es zunächst einmal „Königin Marlis“, der das Hofpersonal und das Glück immer mehr abhanden kommen. Der frühzeitige Abgang ihrer genau so fein- wie eigensinnigen Fest- und Kunstgespielin hat jedenfalls in der Stadt keine Krise ausgelöst. Dann gibt es den fürs Große, Ganze und Grüne zuständige „König Ronald“, der liebend gerne die absolute Alleinherrschaft übernehmen möchte. So einfach geht das aber nicht, denn ob damit der ziemlich selbstbewusst auftretende und gewiefte Feuerwerker „König Hans“, das Parlament im Rathaus und auch „König Wilhelm“, der neue Schlossherr aus dem gut betuchten Hause Wolfsburg, einverstanden sind, steht in den Sternen. Auch müsste möglicherweise mit einem Veto des ehemaligen „König Harald“ gerechnet werden. Obwohl er nicht mehr im Amt ist, residiert er eigenartigerweise immer noch standesgemäß in edlen Räumen der Galerie und veranstaltet jedes Jahr beim Volk äußerst beliebte Gartenfeste. Gefragt werden müssten auch die Höflinge, Gesandten oder Direktoren der Ämter für Grünflächen, Denkmalschutz und Bauforschung, des Historischen Museums sowie der hohen und tiefen Schlossverwaltung. Ganz bestimmt möchte dabei auch unser omnipräsente „Schlossküchenkönig Dietmar“ seinen Senf dazu geben. Genauso wie sein aus uraltem Calenberg-Grubenhag’schem Landadel hervorgegangener Dienstherr und Vermieter „König Hermann“. Dessen "Brand-Assecurations-Sozietät" wurde 1750 anstandslos nach Ideen von Gottfried Wilhelm Leibniz und auf Initiative des Abtes zu Loccum gegründet. Möglicherweise deshalb, weil der Kurfürst bereits 46 Jahre lang als König im fernen London ziemlich gut beschäftigt war und die Hannoveraner an der lange Leine leben und laufen ließ. Was soll’s? Ob diese 135 Hektar umfassende faszinierende Gartenkunst von Herren, Königen oder Intriganten regiert wird, lässt uns Hannoveraner ziemlich cool. Wir bleiben auch diesbezüglich ziemlich gelassen, denn irgendwie haben wir den Wahlspruch des Hauses Hannover längst verinnerlicht: NEC ASPERA TERRENT (Auch Widrigkeiten schrecken nicht).

Erwin Schütterle

Politisches PS: Alle aufgeführten „Könige von Herrenhausen“ sind in Wirklichkeit nur Prinzen und Prinzessinnen, die sich wie Könige fühlen. „König Stephan I“, der amtliche Herrscher, hätte es in der Hand, den Prinzen Ihre Ansprüche zu nehmen und für Ruhe, Ordnung und Glanz im Garten zu sorgen. Doch es scheint ein Umkehrschluss der Geschichte zu sein: Während Georg I körperlich abwesend war, aber immer an das Wohl Hannovers gedacht hat, ist „König Stephan I“ körperlich zwar anwesend, aber mit seinen Gedanken möglicherweise in Großbritannien.

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