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40 Jahre Hannover 7/2014

Erwin SchütterleIst das ein Grund zum Feiern – 40 Jahre in Hannover? Vielleicht in zehn Jahren, jetzt ist dieses kleine persönliche Jubiläum zunächst einmal ein Grund, sich einfach darüber zu freuen, dass ich mich in dieser unaufgeregten Stadt mit ihren zugänglichen und anhänglichen Menschen 40 Jahre lang frei entfalten und einfach gut leben konnte. Aus dem Bauch heraus gesagt: Ich fühle mich in der Hauptstadt von Niedersachsen genauso gut aufgehoben wie in meinem badischen Heimatdörfchen Rast, in dem ich eine unbekümmerte Nachkriegs-Kindheit verbrachte. Ich konnte in dieser norddeutschen Großstadt meinen Traum von gelebter Gastfreundschaft, verbunden mit einem hautnahen Musikgenuss, genauso realisieren wie ich in dem kleinen Bodenseestädtchen Markdorf meine Sturm- und Drangzeit kreativ ausleben konnte. „Da haben wir es“, höre ich jetzt alle Hannover-Nörgler eifern, „Hannover ist ein Dorf!“ Diese vorurteilsbeladenen Oberflächler werden wohl nie begreifen, dass dieses Attribut das höchste Kompliment für ein großes Gemeinwesen ist: In einer Großstadt zu leben, in der man vor der Haustür, das heißt mittendrin in der Stadt, jede Menge pure Natur, ein riesiges Freizeitangebot und ein großartiges, fast unüberschaubares kulturelles Angebot erleben und gleichzeitig ein soziales und so gut wie klüngelfreies zwischenmenschliches Mit- und Füreinander spüren und erfahren kann, das nenne ich Lebensqualität pur! Und wenn sich administrative Notwendigkeiten mit privatem gesellschaftlichem Engagement verquicken, entsteht das besonderes Klima und Zusammengehörigkeitsgefühl, das Glücksforscher schlichtweg als ideal beschreiben.

Selbstverständlich passt mir hier auch nicht alles (wenn ich allein an die rückwärts fahrende D-Linie oder an das schwarze Sprengelmuseum denke…) und selbstverständlich gehören zu einem Gemeinwesen parteipolitisch konträre Ansichten und Auseinandersetzungen – aber deswegen renne ich doch nicht andauernd in der Gegend rum und rede davon, dass hier alles beschi… ist und es den Protagonisten von der anderen politischen Seite und dem gesamten Rathaus an „gesundem Sach- und Menschenverstand“ fehlt. Ich will mal so sagen: Wenn mich meine nicht angeheiratete Frau mit irgendetwas nervt, lauf ich doch auch nicht durchs Dorf und jammere meinen Mitmenschen die Ohren voll mit Auslassungen wie: „Meine Frau ist ja so was von bescheuert“. Damit will ich sagen: Mit meinem Wohnort, meiner gegenwärtigen Heimat, gehe ich so etwas wie eine Beziehung ein. Da ist nicht immer eitel Sonnenschein, da muss man mal etwas „schlucken“, da gibt es Missverständnisse und da gibt es Rede- und Klärungsbedarf, reinigende Gewitter - oder im schlimmsten Fall die Trennung. Wenn aber die Basis stimmt und die Beziehung das Leben bereichern, glücklich und zufrieden machen soll, dann muss man den Partner respektieren, sich einbringen und beide Seiten müssen - am besten lustvoll und unermüdlich - an dieser Beziehung arbeiten, Fehler zugeben …und zwischendurch auch mal, mit oder ohne Blumen, Danke sagen.

Darum an dieser Stelle: Danke, du liebes Hannover, für diese gemeinsamen schönen 40 Jahre! Bleib’ bitte weiterhin so unaufgeregt und so li(e)benswert, wie du bist. Als ich dich vor 40 Jahren (unfreiwillig) kennenlernte, hast du mir mit deinen inneren Werten, deiner Offenheit und deinem Vertrauen gleich mächtig imponiert und mich mit deiner Natürlichkeit und Bescheidenheit angezogen. Ich hab mich ja gleich in deinem Zentrum niedergelassen und dich immer mehr kennen- und liebengelernt. Und trotzdem überraschst du mich heute noch, nach 40 Jahren, mit Unbekanntem, Eigenwilligem und Liebenswertem. Zugegeben, äußerlich warst du damals stellenweise noch vom Krieg gezeichnet und dein Selbstbewusstsein war nicht unbedingt strahlend. Aber wir sind ja genau in dem Moment zusammengekommen, als wir beide uns mächtig ins Zeug legten, die Gegenwart und die Zukunft zu erobern und zu gestalten. Dabei haben wir Großartiges geschaffen und auch so manchen Mist gebaut. Wichtig war jedoch, dass wir dabei immer zusammengehalten haben, uns gegenseitig Mut machten und nebenbei nie das Genießen und den Spaß am Leben verloren haben. So sind wir gemeinsam ganz schön weitergekommen und dabei munter geblieben.

Und noch was, liebes Hannover: Mach dir auch weiterhin nichts daraus, wenn Außenstehende (und notorisch unzufriedene Eingeborene) unser Leben, unsere Beziehung belächeln, ignorieren oder verhunzen. Lass sie doch reden, lass sie meckern. Wir wissen, was wir aneinander haben …und wenn die wüssten, wie schön und wie gut wir hier leben, würden die womöglich alle zu uns kommen wollen. Das Schöne daran ist, dass wir auch damit spielend umgehen könnten, denn ich, und viele andere auch, wissen aus eigener Erfahrung: Wer sich auf dich richtig einlässt, kann sich auf dich auch verlassen …und ist für den Rest der Welt verloren.

Dein
Erwin Schütterle

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