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Stubenrein 8/2014

Erwin SchütterleWas für ein Glück und was für ein überzeugender Beweis: Bausünden können tatsächlich getilgt und gesühnt werden! Ich spreche vom Kröpcke Center. Hannovers hässlichster Betonklotz, 1972 in reinstem „Brutalismus“ erbaut, ist samt Turm und offener Tiefebene verschwunden und hat einem hellen, freundlichen und ansehnlichen Neubau im wahrsten Sinne des Wortes Platz gemacht. Aber kaum sind die letzten, dem edlen Neubau, der neuen Niki-de-Saint-Phalle-Promenade und dem prachtvollen Opernhaus angepassten hellen und etwas edleren Pflastersteine fertig verlegt, kommen sie wieder aus den Löchern gekrochen: Die Nörgler, die Besserwisser und alle Sich-Nicht-Freuen-Könner und jammern über den neuen Bodenbelag, der aufwendig und kostenintensiv gereinigt werden muss, glatt, gefährlich und natürlich viel zu teuer ist.

Liebe Leute, bleibt auf dem Teppich, seid einmal etwas großzügig und gönnt uns, unserer Heimatstadt Hannover, doch einmal ein rundum ansprechendes Zentrum. Wenn Ihr Euer Wohnzimmer (in meiner alten süddeutschen Heimat spricht man von der „guten Stube“) erweitert oder umbaut und Eure wertvollen Bilder und Eure schönen Möbel angemessen zur Geltung bringen wollt, dann klebt Ihr doch auch nicht die billigste Rauhfasertapete an die Wand und verlegt einen pflegeleichten Linoleum-Boden. Dann verlegt Ihr doch auch edles Parkett, das nun einmal glatt ist, seinen Preis hat und gepflegt werden muss  -  aber Euch jeden Tag Freude schenkt und bei Euren Besuchern Eindruck hinterlässt. Und eins macht Ihr in diesem Fall bestimmt nicht: Zigarettenkippen und ausgekaute Kaugummis einfach auf das Parkett werfen.

Sie ahnen bereits, auf was ich hinaus will und welche weltbewegende Frage mich bewegt: Warum werfen zivilisierte Menschen, die zu Hause womöglich penibel auf Sauberkeit und Ordnung achten, in der Stadt die Rückstände ihres Rauch- und Kauvergnügens einfach auf den Boden? Warum erwarten sie nicht nur, dass die Stadt ihre schmutzigen bzw. festklebenden Hinterlassenschaften beseitigt, mit welchem Recht beschweren sie sich auch noch, dass die Stadt nicht „stubenrein“ ist bzw. die Reinigungskosten zu hoch sind? Ich weiß auch nicht, wie man dieses offenbar weltweite menschliche Urproblem lösen kann. Sollte man wie in Singapur die „Peitsche“ schwingen und jede weggeworfene Zigarettenkippe mit drastischen Strafen (Geld oder öffentlicher Säuberungseinsatz) ahnden oder wie in London mit „Zucker“ arbeiten und „singende Mülleimer“ einführen, die sich für jeden Einwurf bedanken. Auch gedankenlose Müllwegwerfer auf ihr verwerfliches Tun anzusprechen kann ganz schön ins Auge bzw. an die Backe gehen, wie ja kürzlich in Hannover ein 13-jähriges mutiges Mädchen erfahren musste. Ich habe auch wenig Hoffnung, dass wir eine Verhaltensänderung erreichen, wenn wir auf alle Zigarettenpackungen einen weiteren und auf alle Kaugummipackung erstmals den Warnhinweis aufkleben: „Vorsicht, nicht ordentlich entsorgte Rückstände dieses Produktes versauen die Umwelt und erhöhen die öffentlichen Reinigungskosten.“ Ich würde es auch übertrieben finden, von den Rauchern zu verlangen, dass sie einen Taschen-Aschenbecher mitführen (es gibt sie mit eingebautem Feuerzeug) und anmaßend, den Kaugummifreunden zu verraten, dass man verbrauchte Kaugummis per Tempo-Taschentuch entsorgen kann.

Sorry, ich kann Ihnen und der Stadt in dieser Angelegenheit nicht weiterhelfen. Sie müssen dieses Problem bitte selbst lösen. Und sorry, hochverehrter Immanuel Kant, dass ich Sie in diesen Schmutz ziehen muss mit der nicht ganz „stubenreinen“ Abwandlung Ihres genialen kategorischen Imperativs: „Handle in der Öffentlichkeit nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie in deinem Hause zur allgemeinen Hausordnung werde.“ Wem das zu hoch ist: Benimm dich auf der Straße gefälligst wie zu Hause.

Erwin Schütterle

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