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Wasserfest 9/2014

Erwin SchütterleIrre, was so ein Fest am Maschsee für Wellen schlagen kann. Was darüber wieder in den analogen, virtuellen, öffentlichen und privaten Medien verzapft wird, amüsiert mich mittlerweile mehr als die Seesause selbst. Auf der einen Seite hört und liest man: super, geil, zu kurz, offener, internationaler, loungiger  -  fehlt nur noch see-iger oder suschi-iger. Auf der anderen Seite: teuer, abgehoben, Schickimicki, zu wenig Bratwürste, überlaufen, in jeder Hinsicht überflüssig, für die heimische Gastronomie tödlich usw.

Dabei ist es doch ganz einfach: Wir Hannoveraner können da hin, wir müssen aber nicht hin. Wer noch auf eine Spur von Individualität zurückgreifen kann und noch nicht vollends zum Herdentier mutiert ist, kennt die reichlich vorhandenen bekannten oder versteckten „Sommerplätze“ in unserer Stadt und kann sich dort mit Freunden verabreden oder sich dort zurückziehen. Die Braunschweiger, Hildesheimer, Hamelner, Detmolder, Münchner (und wen man sonst noch aus den am Maschsee parkenden Autokennzeichen herauslesen kann) haben hingegen so gut wie keine Ahnung von unseren kleinen und großen Biergärten, unseren Parkhaus-Sandburgen, unseren zahlreichen See-, Teich- und Leineufern und unseren vielen Parks und Wiesen. Sie wissen auch nicht, dass wir alle diese Einkehr- und Erholungsmöglichkeiten bequem zu Fuß oder per Rad erreichen. Diese vielen Hannoverbesucher wissen nur, dass mitten in Hannover ein ziemlich großer See liegt und an diesem See jeden Sommer 19 Tage lang eine gigantische fröhliche See-Sause mit jeder Menge kostenloser Live- oder Konservenmusik, heiteren Wasserspielen und einem kreativen Speisen- und Getränkeangebot stattfindet.

Wenn wir, meine Liebste und ich, richtig schön und gut essen wollen, machen wir das nicht in diesem Menschengetümmel, wir genießen beim Maschseefest lieber die Verquickung von Amüsement, Voyeurismus und Sport. Bei jedem Maschseefest gehen wir nämlich einmal um den gesamten See herum, beobachten das Geschehen, begutachten die Veränderungen und amüsieren uns über unsere lieben Mitmenschen. Dieses Jahr gingen wir auch noch der schwierigen Frage nach, ob das 485 Jahre alte Schützenfest oder das 29 Jahre junge Maschseefest mehr ein Volksfest sei. Wir stellten fest, dass es beim Schützenfest in seinem eingezäunten Gelände für Jung und Alt nichts ohne Bezahlung gibt – mit Ausnahme der Toiletten und etwas Livemusik. Man spürt immer mehr, wie schwer es ist, Tradition mit der Jetztzeit zu verknüpfen – auch daran, dass so gut wie keine Blasmusik mehr zu hören ist, die Fahrgeschäfte immer waghalsiger, die Losverkäufer durch Automaten ersetzt werden und modifizierte Speisenangebote höchst selten zu finden sind. Derartige „Volks(bier)feste“ gehören in jeder Stadt und jedem Städtchen zum Standardangebot und werden je nach dem vorherrschenden Trinkbedürfnis gut oder weniger gut besucht. Wer hingegen einfach Lust hat, mit seinem Anhang sich unter sommerlich-fröhlich gestimmte Menschen zu mischen, findet auf dem Maschseefest - neben purer Natur, permanentem Seeblick und ausgiebigen Bummelmöglichkeiten - ganz sicher das richtige Plätzchen, das passende Getränk sowie gutes bis sehr gutes Essen. Wem letzteres zu teuer ist, der kann seinen Picknickrucksack schultern und sich irgendwo an mindestens vier Kilometern unbespaßtem Seeufer gemütlich niederlassen. Für Kinder gibt es ein kostenloses Angebot, dafür sind die Toiletten jedoch generell kostenpflichtig (was das beste Geschäft sein muss).

Am Ende stellen wir fest, dass das Maschseefest in Sachen Popularität und Anziehungskraft das Schützenfest längst überholt hat, flexibel auf die Bedürfnisse der Besucher reagiert und eine phantastische Werbung für Hannover ist. Diese frei finanzierte größte Open-Air-Veranstaltung Niedersachsens ist so gut wie einzigartig und entwickelt sich immer mehr zu einem Alleinstellungsmerkmal, Besuchermagnet und positiven Imagefaktor von Hannover. So gesehen dürfen wir ruhig stolz sein auf dieses Fest und auf seine konsequenten Macher   …und uns jetzt schon auf die 30. Ausgabe im nächsten Jahr freuen. Auch wenn der eine oder andere mit diesem Fest nichts anfangen kann. Schließlich gehen ja auch nicht alle Münchner aufs Oktoberfest.

Erwin Schütterle

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