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Karstadt oder Carstadt 10/2014

Erwin SchütterleIrgendwie hat es reichlich Charme und Chuzpe, wenn unsere freie Marktwirtschaft, in diesem speziellen Fall der hannoversche Handel, den Gedanken ins Spiel bringt, die Stadt möge doch bitteschön „inhabergeführten City-Geschäften“, die die geforderten hohen Mieten nicht aufbringen können, mit einem „Handels-Soli“ finanziell unter die Arme greifen. Sozusagen Hartz IV für den Handel. Leider ist das Thema viel zu ernst, um sich darüber lustig zu machen, denn dieses Ansinnen lässt darauf schließen, dass unser System der „grenzenlos freien Marktwirtschaft“ so langsam an seine Grenzen kommt. Hohe Mieten, die sich nur Ketten und Konzerne leisten können und immer mehr Internetkäufer sind nicht nur für private Kaufleute, sondern für die gesamte Stadtgesellschaft eine gewaltige Herausforderung.

Aus eigener Erfahrung weiß ich zu gut, wie schnell man einen Sündenbock sucht und findet, wenn etwas schief läuft. Aus diesem Grunde habe ich vollstes Verständnis, wenn der gebeutelte Handel immer wieder die fehlenden oder die wegfallenden öffentlichen Parkplätze als sein vermeintlich größtes Problem darstellt und so tut, als ob die City allein dem Handel gehört. Zur City gehören auch Büros, Dienstleister, Freiberufler, Kirchen, Kinos, Theater, Museen, Hotels und Gaststätten. Warum haben die ihre Häuser (mehr oder minder) voll, klagen aber (mehr oder minder) selten über fehlende Parkplätze? Ich will mal so sagen: Wenn in der City der letzte freie Platz fürs Parken freigegeben, in jeder Straße links und rechts geparkt wird und verkehrsberuhigte Bereiche abgeschafft sind, hätten wir einerseits eine absolut unattraktive Stadt, andererseits hätte der Einzelhandel keinen zusätzlichen Euro in der Kasse …und Karstadt immer noch ein Problem. Die Straßen wären nämlich mit fahrenden und stehenden Autos vollgepfropft, die Parkhäuser wären leer, die Passanten genervt und die Luft voller Abgase. Parkplätze fehlen in der List, in Linden, in der Süd- und in der Nordstadt – nicht in der City. Mittendrin in unserem zentralen Einkaufsparadies - nicht am Cityrand - befinden sich zahlreiche Parkhäuser, die (mehr oder minder) nur zur Hälfte belegt sind. Viele Citybesucher, speziell aus der Region, haben auch längst die Vorzüge des öffentlichen Nahverkehrs entdeckt. Was manche vielleicht schon gar nicht mehr wissen: Hannover war mal der Zeit voraus, hatte eine der ersten und die längste Fußgängerzone Deutschlands und hat sich damit zu einem beliebten Einkaufszentrum gemausert.

Stadt und Handel sollten daran anknüpfen und sich nicht gegenseitig Vorwürfe machen, sondern gemeinsam handeln und etwas unternehmen. Wer hindert die Händler eigentlich daran, ihrer werten Kundschaft je nach Höhe des Einkaufs die Parkhaus-Gebühren, nicht die Parkuhr-Gebühren, ganz oder teilweise zu erstatten? Wer hindert die Parkhausbetreiber daran, ihre (mehr oder minder) beklemmenden Parkhäuser attraktiver und einladender zu gestalten? (In Dresden war ich fasziniert von einem platzsparenden automatischen Parkhaus. Das Auto wird einfach auf eine Plattform gestellt, wie von Geisterhand auf einen freien Platz bugsiert und wieder zurückgebracht.) Wer hindert beide daran, eine gemeinsame Werbekampagne fürs Parkhausparken zu starten: „Hier können Sie parken so lange Sie wollen und nicht so lange Sie dürfen“? Warum nicht zu bestimmten Zeiten Parkhausrabatt anbieten? Wo sind die öffentlichen City-Hotspots über die der Handel seine Smartphone-Kundschaft anlocken könnte?

Nichts bleibt so wie es war. Die Zeit lässt sich nicht anhalten. Im Zeitalter des Internets, der Schnäppchenjäger, der Outletcenter und der Gewerbeparks kann der städtische Einzelhandel nur überleben, wenn er auf das veränderte Kaufverhalten unternehmerisch reagiert (warum steht z.B. nicht an jeder Buchhandlung: „Wir sind schneller als das Internet! Heute bestellt, morgen versandkostenfrei in der Hand.“) und die Städte stark frequentiert sind. Sie müssen zum Bummeln, zum Verweilen, zum Genießen und zum Leben einladen, kurzum eine nach oben hin unbegrenzte Aufenthaltsqualität haben. Und zwar gleichermaßen für Passanten, Rad- und Autofahrer, für ihre Bewohner genauso wie für ihre Besucher. Möglichst viele Freiluft-Parkplätze sind nicht unwichtig, aber auch nicht alleinseligmachend. Eine prosperierende Stadt braucht auch einladende Frei- und Grünplätze, innerstädtische Aktionen, Kulturangebote und ein vielfältiges Warenangebot, das den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden entspricht. Nur eine attraktive Stadt, ein attraktives Warenangebot und ein freundlicher, exzellenter Service ziehen Besucher an und können dem Internet Paroli bieten. Mein Traum: Im Internet stöbern, in der Stadt kaufen!

Erwin Schütterle

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