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Ladenhüter 2/2015

Kolumne  2/2015

mein gel(i)ebtes hannover

bemerkenswerte einblicke und erhellende ausblicke

Ladenhüter

Jetzt hat es Lehmanns, die große Buchhandlung in der Georgstraße, erwischt. „Wenn das am grünen Holze geschieht, was erst am dürren?“ Will sagen: Müssen wir uns Sorgen machen um Bücher, um den Buchhandel im Besonderen und den Einzelhandel im Allgemeinen oder sogar um die Attraktivität unserer Stadt? Um das Buch an sich mache ich mir die geringsten Gedanken, denn eine Welt ohne Bücher dürfte letzten Endes genauso trost-, leb- und zukunftslos sein wie eine Welt ohne Bienen. Auch der Buchhandel wird nicht sterben. Nachdem er so langsam aus der Internet-Schockstarre erwacht ist und nicht mehr alten Zeiten nachtrauert, haben immer mehr Buch-Davids keine Scheu mehr davor, den Riesen aus Amazonien anzugreifen. So wirbt z.B. eine bekannte Lister Buchhandlung ganz frech: „Internet ja, Amazon nein!“ Hochinteressant ist auch, dass gerade die kleine, persönlich geführte Buchhandlung bessere Überlebenschancen hat als die großen Superläden und (wie ich erfreulicherweise persönlich erfahren durfte) - regionale „Produkte“ viel leichter an den Mann bzw. die Frau bringt.

Das größte Problem für den inhabergeführten Einzelhandel (und die persönlich geführten Gaststätten) dürften indes die hohen Mieten sein. Erschrecken Sie nicht, wenn Lehmanns um die 80.000 Euro Miete monatlich zahlen musste. Das ist für etwa über 4000 Quadratmeter in dieser Lage geradezu ein Schnäppchenpreis und rechnen Sie dafür lieber mal aus, wie viele (fest rabattierte und preislich gebundene) Bücher täglich verkauft werden müssen – allein um die Miete zu decken.

 

Ich bin mir nicht sicher, was für Auswirkungen diese Mietpreisentwicklung auf die Geschäftswelt und das Stadtbild von „Hannover 2030“ haben wird. Ich bin mir aber ganz sicher, dass ohne Migranten, die mit unvorstellbarem persönlichen Einsatz in guten und schlechten Lagen versuchen, mit einem Laden oder einem Lokal über die Runden zu kommen, Hannover stellenweise ganz schön trostlos aussehen würde. Denken Sie sich nur einmal am Steintor, in der Goethestraße, der Langen Laube oder der Limmerstraße alle „ausländischen“ Geschäfte weg. Wie viele Kioske gäbe es in der (einstigen) Kiosk-Hochburg Hannover noch, wenn sie ausschließlich von deutschen Inhabern betrieben würden? Und überhaupt: Was wäre das für ein fades Stadtleben, wenn wir keine „ausländischen“ Gaststätten, keine internationalen Wirte und Wirtinnen, Köche und Köchinnen mehr hätten, keinen Feyzy, keinen Chi und keinen Gino, keinen Niko, keinen Donato, keinen Yasir, keinen Abdullah, keinen Nagi, keine Rosina und keine Annunziata mehr besuchen dürften? Haben die kurz- und uneinsichtigen Pegidasten diesen Aspekt auf dem Schirm, wenn sie mit ihren fremdenfeindlichen Parolen durch unsere bunte, lebendige und vielfältige Stadt ziehen? So gesehen gibt ein großer Teil unserer Migranten, egal welchen Glaubens und welcher Weltanschauung, dem Begriff „Ladenhüter“ eine neue gesellschaftspolitische Bedeutung. Sie hüten und beleben nicht nur jede Menge Gewerbeflächen, sie hüten auch unser Stadtbild und hüten unser Bruttosozialprodukt.

Bei der Gelegenheit eine nachgeschobene Weihnachtsgeschichte: Unser Stammtisch machte eine Glühweintour auf dem Weihnachtsmarkt. Abschließend wollten wir noch etwas essen, aber alle Lokale hatten keinen Platz für uns 20 vorgeglühte Vorweihnachtsfeierer. Gut, sagten wir, Weihnachten ist ein Fest der Freude, wir machen jetzt dem so gut wie leeren türkischen Imbiss an der Ecke eine Freude. Es war genauso wunderbar wie skurril: Wir tranken Glühwein aus türkischen Teegläschen, sangen deutsche Weihnachtslieder, im Fernseher wurde ein Boxkampf übertragen und wir aßen Falafel, Lammspieß, Linsensuppe …und Currywurst. Ich fragte den Wirt, ob es sich hierbei um eine Rinder-, Lamm- oder Geflügelwurst handele. Er schaute mir klar in die Augen und antwortete: „Das ist eine echte deutsche Currywurst. Egal aus was, ich bin hier in Deutschland um Geschäft zu machen.“ Bei aller Liebe: Mehr Integration geht nun wirklich nicht!

Erwin Schütterle

www.natuerlichhannover.de

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