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Müll und Menschen 04/2015

Soll ich, soll ich nicht? Soll ich den Müll einsammeln, den hirnlose Zeitgenossen, notorische Umweltverschmutzer (oder auch nur der Wind) in unserem Stadtgebiet hinterlassen haben? Es war ein langer Kampf, ehe ich mich dazu entschloss, am 21. März gemeinsam mit dem Freundeskreis Hannover die alljährliche aha-Aktion „Hannover ist putzmunter“ eigenhändig zu unterstützen. Es brauchte seine Zeit, bis ich den eigenen inneren Schweinehund besiegt hatte, der mir dauernd ins Ohr flüsterte: „Das geht doch nicht. Du kannst doch nicht den Dreck anderer Leute wegmachen. Wenn dich da jemand sieht…“ Wieso eigentlich nicht? Hannover ist unsere Stadt, unsere „Wohnung“. Es fällt uns Bürgern kein Zacken aus der Krone, wenn wir höchstpersönlich dafür sorgen, dass unsere Heimatstadt sauber bleibt. Mit gutem Gefühl und aus voller Überzeugung kann ich jetzt all den vielen Menschen meinen Dank und meine Hochachtung zuteil werden lassen, die bei dieser Aufräumaktion ebenfalls mitmachen. Die schönste Belohnung für dieses gemeinsinnige Tun wäre freilich, wenn so manche Dreckschleuder sich zukünftig etwas anständiger verhält und auch ekliger „Wort-Müll“ wie z.B. „Bahnhofstraße verlottert zum Bettler-Camp“ (BILD am 19.3.) uns zukünftig erspart bleibt.

Wie der Teufel es will, kommt mit der Mülldebatte (wieder einmal) das alte Thema Bettler, Obdachlose und andere unliebsame Randgruppen ins Stadtgespräch. Besonders bei der Frage, von wem öffentliche Bänke sitzend oder liegend benützt werden dürfen, komme ich wieder einmal ganz schön ins Grübeln. Wo ist der Unterschied zwischen mir und einem, sagen wir mal, Obdachlosen? Nun, ich hatte bislang in meinem Leben Glück, Obdachlose hatten Pech. Sie sind vom Schicksal schwer gebeutelt, sie stecken in einem Teufelskreis, in den man - schneller als man denkt - geraten kann und aus dem man äußerst schwer wieder herauskommt. Sicherlich ist unser Sozialsystem in der Lage, für jeden Obdachlosen - genauso wie für die vielen Flüchtlinge - ein Bett und ein Dach überm Kopf zu besorgen. Sie können aber nicht dazu gezwungen werden, es auch zu benutzen. Trotzdem bleiben sie Mit-Menschen. Wenn wir Obdachhabende menschlich sauber bleiben wollen, dürfen wir auch nicht im Entferntesten den Eindruck erwecken, dass Obdachlose so etwas wie Müll sind, den man aus dem Stadtleben entfernen kann, soll oder muss.

Bettelei nervt. Sie nervt mich nicht wegen der vermeintlichen Verunreinigung des Stadtbildes. Sie nervt, weil sich bei mir bei deren Anblick immer so etwas wie ein schlechtes Gewissen einstellt. Geht es Ihnen auch so? Quält Sie in diesem Falle auch die Frage, was wohl besser ist, zu geben oder nicht zu geben? Ich will Sie jetzt auf keinen Fall beeinflussen, nicht mit meinen Taten und Untaten nerven, nur verraten, wie differenziert ich (zur Zeit) mit diesem heiklen Problem umgehe: Der „heimische“, stille oder originelle Bettler kriegt, je nach meiner persönlichen Tagesstimmung, ab und an einen halben Euro. Der Punk und der erkennbare Alkoholiker, auch wenn er zwei süße Hunde dabei hat, kriegt Null Euro. Der Asphalt-Verkäuferin vor meinem Edeka-Laden kaufe ich das (1996 mit dem zweiten Stadtkulturpreis ausgezeichnete) lesenswerte Magazin ab. Es dauerte lange, bis ich es übers Herz brachte, die aggressiven und/oder schauspielerisch begabten Profibettler zu ignorieren – auch wenn sie mich noch so Mitleid erheischend angucken oder ihre verstümmelten Gliedmaßen dekorativ zur Schau stellen. Wenn sie mich anfassen, hinterher rennen oder mich beim Essen belästigen, kriegen sie zu den Null Euro auch noch eine knallharte, eindeutige An- bzw. Absage. Das macht absolut keine Freude, zeigt aber Wirkung. Der gute Straßenmusiker darf sich über einen Euro freuen und sehr guten Musikern schenke ich zu den Euros noch 5 oder 10 Minuten mein Ohr und meinen anerkennenden Blick. Letzteres macht beiden Seiten viel Freude. Wer die Umwelt mit Musik-Müll malträtiert, geht leer aus. Sollte ein Musiker in der Zeit, in der ich zum Beispiel meine Kolumne schreibe, stundenlang und pausenlos vor meinem Fenster geigen, flöten, singen oder akkorden, werde ich versuchen, ihn mit einem Bestechungsgeld in Höhe von fünf Euro zu einem Ortswechsel zu bewegen. Aber: Das Ansinnen, unliebsame Menschen mit klassischer Musikbeschallung zu vertreiben, ist eine eigene Kolumne wert.

Erwin Schütterle
www.natuerlichhannover.de

PS. Auch diese Kolumne ist wieder meine absolute Privatmeinung. Kritik (oder Lob) deshalb ausschließlich an mich.

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