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Lokalitäten 08/2015

Da fragte mich doch neulich unser städtischer Marketing-Manager, ob es sinnvoll wäre, Hannovers besonders originelle Lokale - landläufig Kultkneipen genannt - per Werbung zu beleben bzw. zu retten. Ich habe abgeraten mit der Begründung, dass diese gastronomischen Alltags-Biotope zweifellos eine Stadt prägen, dass man sie aber nicht wie ein Theater oder eine Ausstellung b(es)uchen oder besichtigen kann. Diese mehr Wirts- als Gasthäuser leben allein von der komplexen Persönlichkeit ihres Betreibers (und seines Teams) und dem vertrauten Wechselspiel mit seinen Stammgästen. Unsensible Kneipenhopper, die sich nicht auf den speziellen Charakter einer Kneipe einlassen können, würden dieser mehr schaden als nützen. Unser ehemaliger Stadtsuperintendent Hans Werner Dannowski hat es mal auf den Punkt gebracht, als er „mein“ mittlerweile 34 Jahre altes Kanapee als „einen Ort der Begegnung, der zwanglosen Kommunikation, ein Stück Heimat auf Zeit“ charakterisierte. Diese liebevolle Beschreibung trifft auf zahlreiche stadtbekannte und bestimmt auf viele in den Stadtteilen versteckte Kneipen zu. Und so wie man einen wichtigen und wertvollen Menschen nicht künstlich am Leben erhalten kann, so sind Wirtschaft und Wirtschaften dem Wandel der Zeit, der Mode und den freien Kräften des Marktes gnadenlos ausgeliefert. Wie in der Natur: Die einen Pflanzen gehen ein, Neues blüht auf. Einige Lokale starten mit neuem Personal, neuem Namen, neuem Konzept wieder durch. Nur wenige haben das Glück, Nachfolger zu finden, die zwar die Tapeten, die Karte und das Mobiliar wechseln, den Geist und die Philosophie des Ladens jedoch beibehalten bzw. weiter leben.

So gesehen ist es kein Weltuntergang, wenn lieb gewonnene Einrichtungen wie z.B. das Pindopp, der Spiegel, der Schaukelstuhl, das Leisewitzstübchen, Vater und Sohn, Üme Ecke, das Kalabusch, Bodo’s Casa und das benachbarte Clichy und manch andere Lokalität sich verändert haben bzw. sich demnächst verändern oder aufgeben werden. Ich kokettiere jetzt mal mit meinem Alter und schwärme zusätzlich von längst dahin geschiedenen hannoverschen Kneipen-Klassikern wie dem Leine-Domizil, dem Floh-Zirkus, Offenbachs Keller sowie Jens Brenkes legendärem Jenseits (das ich öfters erst morgens um sieben Uhr verlassen habe). Selbstverständlich dürfen, ja müssen wir traurig sein, wenn liebgewonnene Einrichtungen verschwinden, selbstverständlich dürfen, ja müssen wir uns aufregen, wenn die persönliche Kneipe, wenn unser zweites Wohnzimmer zur Allerwelts-Systemgastronomie mutiert. Sonst hätten wir sie ja nicht lieb gehabt. Wir dürfen, wir müssen aber auch zugeben: Eine Gaststätte kann nicht allein von Liebe und nostalgischen Gefühlen (über)leben. Sie braucht Menschen, die da real und regelmäßig einkehren  …und bei der Gelegenheit nicht nur ein Mineralwasser trinken.

Vor 40 Jahren ging ich auch regelmäßig und ausgiebig aufs Schützenfest und habe ziemlich schnell gelernt, kleckerfrei die Lütje Lage hinter die Binde zu gießen. Heute muss ich mich eher dazu zwingen. Und wenn wir uns dieses an die 500 Jahre alte Schützenfest mal als eine Kneipe vorstellen, müssen wir voller Respekt und Hochachtung zugeben, dass es einem Wunder gleicht, dass diese Traditions-Fete so lange durchgehalten hat. Wir sollten uns aber nichts vormachen und auch zugeben: Das Schützenfest wird es immer schwerer haben, sich gegen die zahlreichen modernen Mitbewerber und Trends zu behaupten. Ich denke nur an das Maschseefest, wo über 100 Bands oder Künstler kostenlos auftreten oder ganz aktuell an die Opernsause im Maschpark, wo 40.000 Menschen einen ebenfalls kostenlosen, beglückenden Ohrenschmaus serviert bekommen haben. Gegen diese junge Konkurrenz kann das in die Jahre gekommene Schützenfest schwer anstinken. Zeitanpassungsversuche verwässern das Image dieser „Traditionskneipe“ eher als dass sie wirklich helfen. Ja, es hilft nichts, irgendwann kommen wir nicht mehr drum herum – getreu dem Motto „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers“ – den Spirit des Schützenfestes ganz gründlich unter die Lupe zu nehmen und unvoreingenommen zu prüfen, wie wir nicht nur die nächsten zwei, sondern die nächsten 25 Jahre das Feuer zum Brennen und Glühen bringen. Auch auf die Gefahr hin, dass wir dabei über einen 500 Jahre alten Schatten springen müssen.

Erwin Schütterle
www.natuerlichhannover.de

 

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