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Abwegig, 12/2015

Momentan sind die Zeiten alles andere als lustig. Was Menschen weltweit einander antun wird langsam unerträglich und unfassbar. Unter diesen Umständen über unsere Stadtproblemchen zu schreiben ist gar nicht so einfach.

Trotzdem will ich versuchen, Hannovers aktuelle Diskussion über mögliche Umbenennungen von Straßen, deren Namensgeber aus heutiger Sicht offenbar nicht die allerreinste Weste hatten, nicht todernst, sondern gegen Ende sogar heiter-ironisch zu hinterfragen. Fest steht, spätestens nach dem Bekanntwerden von abwegigen Tätigkeiten unseres ersten Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf im 3. Reich, dass es keine unfehlbaren, gewissermaßen heilige Menschen gibt. Jeder von uns, ob stinknormal oder VIP im Quadrat, hat seine kleine oder größere „Leiche im Keller“. Viele aus heutiger Sicht bedenkliche Verhaltensweisen waren in der Vergangenheit zeit- und umständebedingt oder sind aus Dummheit, Geltungssucht, Gier, dunklen Trieben oder religiöser Verbohrtheit entstanden. Die schwierige Frage ist, welche Messlatte legen wir an, welche mildernden Umstände berücksichtigen wir und wer wirft den ersten Stein? Legen wir die Messlatte hoch an und beleuchten unsere mit Straßennamen geehrten Politiker, Würdenträger, Geistesgrößen, Wirtschafts- und sonstige bedeutende Persönlichkeiten oder unbedeutende Schaumschläger nicht allein in Sachen Nazi-Vergangenheit, sondern gehen auch anderen betrügerischen, unsittlichen, ausbeuterischen, korrupten, verlogenen oder verbalen Unstimmigkeiten akribisch auf den Grund, dürfte auf Schildermacher viel Arbeit zukommen und die Namensauswahl ziemlich eng werden. Insbesondere dann, wenn die Wackelkandidaten ihr Unrecht oder ihre Dummheit nie eingesehen oder sich nie entschuldigt haben. Unter dem Straßenschild die guten und schlechten Taten des Namenpatrons aufzuzählen, ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss (wie würde das am Straßenschild oder am Grabe des auf menschliche Abwege geratenen Bischofs von Hildesheim wohl aussehen?). Ich beneide die Entscheidungsträger in dieser Frage jedenfalls nicht, bitte sie nur, bei ihren Urteilen zu berücksichtigen, dass wir alle Stärken und Schwächen haben. Wenn Todesopfer oder Kindermissbrauch im Spiel waren, gäbe es für mich – insbesondere bei Schulbenennungen – jedoch Nullkommanull Toleranz. An die Bewohner einer betroffenen Straße appelliere ich, eine gut begründete Umbenennung zu akzeptieren und die Besitzstandswahrung nicht allzu eng auszulegen. Ein anderer Straßenname ist verständlicherweise ärgerlich - aber keine Katastrophe, das hat allenfalls mit politischer und ethischer Hygiene zu tun. Katastrophen sehen anders aus. Da genügt ein Blick in die aktuellen Nachrichten.

Viel einfacher wäre es zweifellos, bei der persönlichen Straßenbenennung grundsätzlich auf den Nachnamen zu verzichten und nur noch den Vornamen zu verwenden. Die Straßennamen würden dadurch viel kürzer, wären leichter zu merken und würden sich automatisch dem Zeitgeist anpassen. Aus der Hindenburgstraße wird dann zum Beispiel die Paulstraße. Altdeutsche können die Straße mit dem Reichsmarschall verbinden, Musikfreunde mit Hindemith oder dem Beatle McCartney, Reiter mit Schockemöhle, Katholiken mit sechs Päpsten usw. Zugegeben, dieser abwegige Vorschlag ist nicht ganz uneigennützig, gibt es doch im „Paul-Viertel“ die Erwinstraße. Nicht auszuschließen, dass in 25 oder 50 Jahren Menschen in dieser kleinen Straße stehen oder leben und nicht an Meister Erwin aus Steinbach, den Erbauer des Straßburger Münsters denken, sondern an einen gewissen Erwin Schütterle, der am Ende des 20. Jahrhunderts in Hannovers Edenstraße Wirtschaft und Kultur im Kanapee genussvoll miteinander verknüpfte. Mir ist klar, dieser unkonventionelle Vorschlag wird und kann nicht realisiert werden, da es (hoffentlich erst in vielen Jahren) unmöglich wäre, mit dieser Regel die in 34 ununterbrochenen Dienstjahren angesammelten Verdienste unseres Ex-OB Herbert Schmalstieg angemessen und eindeutig zu würdigen.

Zeitgemäß, für die Stadtkasse höchst einträglich und gar nicht so abwegig ist indes der Gedanke, künftig Straßennamen, wie Funklizenzen, meistbietend zu versteigern. Gut betuchte Anlieger könnten sich so verewigen und den übrigen Anliegern nebenbei die verhassten Straßenbauumlagen ersparen. Längst haben wir uns doch an die TUI-Arena, AWD-Arena, Swiss Life Halle gewöhnt. Warum nicht auch eine Volkswagenstraße, eine Deutsche-Bank-Straße, eine ADAC-Allee, ein Deutscher-Fußballbund-Weg? Persönliche Straßennamen wie Winterkorngasse, Beckenbauerweg oder Middelhoffmeile würden durch einen Erschwerniszuschlag natürlich ganz schön teuer. Aber wie zum Teufel komme ich gerade auf diese Namen?

Erwin Schütterle
www.natuerlichhannover.de

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