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Boomtown, 02/2016

In meiner ersten Kolumne, das war Anfang 2007, beschäftigte ich mich mit der großen Sorge, dass die Einwohnerzahl Hannovers möglicherweise unter die 500.000-Marke fällt. Ganz mutig hatte ich damals den Gedanken ins Spiel gebracht, die Stadt möge mit den Haus-an-Haus angrenzenden Gemeinden Langenhagen, Laatzen, Garbsen, Isernhagen, Hemmingen, Ronnenberg und Seelze Vereinigungsgespräche führen. So wie das 1920 mit Linden und erst 1974 mit Misburg geschehen ist. Am Ende wäre Hannover mit 750.000 Einwohner die fünftgrößte Stadt Deutschlands geworden. Gott sei Dank lasen diese Einlassungen nur wenige Leute  -  ich hätte mich im Umland Hannovers wohl nicht mehr sehen lassen dürfen….

 

Zum Glück sind diese Sorgen längst passee. Hannover wächst und wächst und wächst. Am 5.11.2015 berichtete die HAZ von zurzeit 536.779 Einwohnern, laut hannover.de lebten am 30.6.2015 per Erst- und Zweitwohnsitz 546.079 Menschen in Hannover. Bemerkenswert ist, dass die Einwohnerzahl allein in den letzten zwei Jahren um 12.000 gestiegen ist. Und es sind nicht allein Flüchtlinge, die Hannover wachsen lassen, auch als Studier-Stadt boomt Hannover: Waren im Wintersemester 2009/2010 noch 20.600 Studierende an der Leibniz-Universität eingeschrieben, sind es in diesem Jahr 26.800. Im gleichen Zeitraum steigerte sich die Studentenzahl der Hochschule Hannover von 6.800 auf annähernd 10.000. Offenbar spricht sich die besondere Lebensqualität und Attraktivität Hannovers immer mehr herum, sonst würden nicht immer mehr Familien und Singles Hannoveraner werden. In den städtischen Geburtskliniken ist ein regelrechter Babyboom ausgebrochen und die Statistiker sprechen schon von einer Trendwende bezüglich der Geburtenrate. So erfreulich diese Zahlen auch sind, für die Stadt sind sie eine gewaltige Herausforderung. Die vielen Neubürger, seien es Studenten, Neubürger oder Flüchtlinge brauchen ein Dach überm Kopf und die vielen Kinder brauchen Krippen, Kitas, Schulen und Horte. Im vergangenen September lebten erstmals mehr als 10.000 Ein- und Zweijährige in Hannover. Gegen diesen Zuwachs kommt die Stadt mit der Einrichtung von neuen Krippenplätzen nicht mehr hinterher. Unter Eltern soll sich mittlerweile schon herumgesprochen haben, sich besonders am Jahresende intensiv zu lieben, da im August die Chancen auf einen Krippenplatz am höchsten sind.

Sicherlich ist in Punkto Dach überm Kopf den städtischen Bauverantwortlichen bewusst, dass wir vor allem mehr bezahlbaren Wohnraum brauchen. Nichts gegen weitere Luxusquartiere, aber nebenbei muss es, auch in zentralen Lagen, einfache und bezahlbare Wohnungen geben. Ich zucke immer etwas zusammen, wenn ich von Investoren lese, die an den letzten freien, im Blickfeld der Stadtbesucher liegenden Flächen der City Wohnungen oder Bürogebäude errichten wollen (oder sollen). Und da darf man ruhig von einem regelrechten Bau-Boom sprechen, der das äußere Bild Hannovers verändern wird. Gebaut wird am Klagesmarkt, am Marstall, am Hohen Ufer und demnächst in der Calenberger Neustadt (Ohestraße), am Raschplatz, Köbelinger Markt evtl. auch noch am Steintor und ganz sicher wird am Schützenplatz bald das Technische Rathaus stehen. Keine Frage: Investoren wollen mit ihrem (oder mit geborgtem) Geld möglichst viel Geld verdienen, keine sozialen Probleme lösen und keine Schönheitspreise gewinnen. Es ist nicht Aufgabe der Stadt, Investoren glücklich zu machen, die Stadt soll ihre Bewohner glücklich und die Stadt attraktiv machen. Deshalb wird sie nicht drum herum kommen, a) den sozialen Wohnungsbau noch mehr zu fördern und b) den privaten Investoren ruhig etwas auf die Pelle zu rücken und von ihnen zu fordern, die zahlreichen geplanten neuen Baukomplexe in der City attraktiv und unterscheidbarer zu gestalten. Geht es Ihnen nicht auch so, dass Sie beim Betrachten der schönen Computersimulationen der neuen Bürogebäude den Eindruck haben, dass sie alle vom selben Architekten stammen? So eine Art Hausbau-Lego.

Vor Jahren schrieb ein Düsseldorfer Stadtmagazin voller Bewunderung über Hannover und forderte die Düsseldorfer auf, Hannover wieder zu überholen. Städtebaulich ist ihnen das mit ihrem als „bestes Stadterneuerungsprojekt“ ausgezeichneten Kö-Bogen zweifellos geglückt. Dieses Bauvorhaben war in der Düsseldorfer Bevölkerung ebenfalls sehr umstritten – jetzt ist es ein anziehendes Vorzeigeprojekt, das die Kö und Düsseldorf attraktiver gemacht hat. Auch in Hannover sollte es nicht darum gehen, einfach die letzten freien Flächen zu bebauen, es geht um Menschen, um Lebensqualität und es geht um das Erscheinungsbild unserer Stadt. Ich fordere Mut und Durchsetzungsvermögen …und wünsche uns echte Hingucker und keine langweiligen architektonische Standards.

Erwin Schütterle
www.natuerlichhannover.de

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