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Nachwuchs, 07/2016

Die Entdeckungsreise begann kürzlich in der Oper. „Titus“, die letzte und so gut wie unbekannte Oper Mozarts entpuppte sich als ein Ohren- und Augenschmaus der Extraklasse (unbedingt anschauen!). Wie Perlen einer edlen Kette glänzte jede Arie, jedes Ensemble. Das Besondere daran: Drei der sechs Hauptrollen wurden von jungen Kräften verkörpert, die die Oper frisch von der Hochschule weg engagiert und in kurzer Zeit zum Strahlen gebracht hat. Auch der Regisseur Tobias Ribitzki hat in Hannover als Regieassistent seine Karriere begonnen.

Dieses nachhaltige Erlebnis führte dazu, dass ich (wieder einmal) eine besondere Seite Hannovers entdeckte. Denn erst wenn man seinen Blick etwas fokussiert, nimmt man das Außergewöhnliche im vertrauten Stadtleben wahr. Mal ganz abgesehen von den zahlreichen amtlichen Bildungseinrichtungen gibt es in Hannover eine frei organisierte Förderkultur, die ihresgleichen sucht und deshalb im Bereich der Musik absolut verdient von der UNESCO mit der Auszeichnung „City of Music“ belohnt wurde. Ein fruchtbares Biotop für künftige Sängerinnen und Sänger ist ohne Zweifel der Knaben- und der Mädchenchor; aus dem weltweit höchst dotierten Violinwettbewerb kristallisieren sich seit 1991 alle drei Jahre aus bislang unbekannten Studenten zukünftige Weltklassegeiger heraus. Potentielle Schauspieler werden beim Festival „Jugend spielt für Jugend“ von Profis betreut und haben kürzlich im Juni bei der 38. Ausgabe das Ballhofpublikum von den Stühlen gerissen. Dass die Ballettgesellschaft Hannover für die internationale Tanzszene von immenser Bedeutung ist, sieht man schon daran, dass jetzt beim 30. Choreografen-Wettbewerb allein sieben vorherige Preisträger in der Jury saßen. Man kann sicher sein, dass auch die jetzigen Preisträger bald führende Rollen in der Ballettwelt übernehmen werden.

Das Up and Coming Filmfestival wiederum ist seit 1982 ein Fixpunkt für junge Filmemacher zwischen 7 und 27 Jahren. 2015 gingen bei Stadtkulturpreisträger Burkhard Inhülsen nicht weniger als 3004 Bewerbungen aus 57 Ländern ein – im Gründungsjahr waren es immerhin schon 500 Super8-Filme. Auch hier küren schon lange ehemalige Preisträger neue Preisträger, darunter sogar vier Oscar-Gewinner. Genrewechsel: Mitte Juni wollten 1200 Nachwuchsfotografen aus 85 Ländern beim 5. LUMIX Festival auf dem EXPO-Gelände ihre außergewöhnlichen Fotoreportagen zeigen. 60 davon wurden zu Europas größter Fotoschau eingeladen und konnten hoffen, einen Preis zu gewinnen oder –  noch besser – von einem großen Magazin übernommen zu werden.

Im Fußball – oh Wunder – wurde der Frust über den Abstieg von Hannover 96 mit der nicht unberechtigten Hoffnung versüßt, dass unser großer „Kind“ tatsächlich dem hauseigenen Nachwuchstrainer Stendel die Chance gibt, mit hoch motivierten Fußball“kindern“ aus dem eigenen Stall Hannover 96 bald wieder aufsteigen zu lassen.

All’ diese Nachwuchsförderungen sind mir spontan nach dem Opernbesuch in den Sinn gekommen. Bestimmt kennen Sie noch weitere erfreuliche Beispiele. Also alles gut? Zukunft gesichert? Jein. Bevor Nachwuchs in den verschiedensten Disziplinen und Genres gefördert wird, muss er zunächst mal gezeugt werden. Diesbezüglich braucht sich unser Oberbürgermeister jedoch keine Sorgen zu machen. Überraschenderweise sind Großstädter (mit Ausnahme von Hamburg) tatsächlich vermehrungsfreudiger als Landeier. Was man in Hannover schon daran erkennt, dass manchen Geburtskliniken bereits die Hebammen ausgehen. Aber offenbar hapert es in Stadt und Land an den Führungsqualitäten der Eltern. Dem Vernehmen nach verlernen immer mehr Eltern das Elternsein, genauer gesagt gehe die natürlich Intuition, wie man mit Kindern umgeht, immer mehr verloren. Man will zwar Kinder, es „fehle aber Zeit und innere Ruhe“, die Kinder nun mal zum Großwerden benötigen. Das Kultusministerium hat die Gefahr erkannt und blitzartig eine Broschüre unters Elternvolk gebracht, die familiäre Selbstverständlichkeiten wie z.B. gemeinsames Abendessen oder frühzeitiges Aufstehen und ein gemeinsames Frühstück den Eltern pädagogisch wertvoll ans Herz legt. Die Einführung eines obligatorischen Elternführerscheins wurde hingegen nicht weiter verfolgt, da die großstädtische „Fruchtbarkeitsfalle“ damit wirkungslos entschärft würde. Bringt die Elternbroschüre nicht den erhofften Erfolg, schlage ich vor, für potentielle Eltern einen medial hochkarätigen Nachwuchswettbewerb unter dem Titel „Deutschland sucht die Supereltern“ ins Leben zu rufen. Alle Preisträger gewinnen für ihren Nachwuchs einen garantiert sicheren Kita- und Kindergartenplatz.

Erwin Schütterle
www.natuerlichhannover.de

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