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Berufsangeber, 09/2016

Ältere Stadtkinder erinnern sich bestimmt noch an die Fernsehsendung „Heiteres Beruferaten“ mit Robert Lemke (und seinen Schweinderln). Ausgehend von einer typischen Handbewegung sollte ein Rateteam gewöhnliche oder ungewöhnliche Berufe erraten. Ich weiß nicht, warum ausgerechnet diese Sendung mir in den Sinn kam, als ich mir die Mühe machte, die Berufsbezeichnungen der Kandidaten für den Stadtrat, die Stadtbezirke sowie die Regionsversammlung an Hand der ganzseitigen Zeitungs-Anzeigen im wahrsten Sinne des Wortes einmal näher unter die Lupe zu nehmen. Der Grund für diese Sisyphusarbeit war die Aufregung über die Berufsbezeichnung „Politologe“, die ein Kandidat für die Regionsversammlung leichtsinnigerweise auf den Wahlzettel drucken ließ – obwohl er nach dem Vordiplom lieber aktiv Politik machen und nicht weiter Politik studieren wollte. Wer weiß schon, dass er in diesem Fall sich nicht Politologe nennen darf? Für diesen Lapsus bei der obligatorischen Berufsangabe wurde ihm jedoch Trickserei vorgeworfen und gleich ein Zusammenhang aufgebauscht zu „Dr.“ zu Guttenberg und zu Hinz und Kunz, die Abitur, Studium und Staatsexamen erfunden haben. Ich fragte mich mal wieder, welcher Sinn und welcher Erkenntniswert sich in so einer Berufsangeberei verbergen. Hätte er als Beruf schlicht und einfach Politiker angegeben, so wie andere Kandidaten sich als Rentner, Student, Hausfrau, Angestellter, Mitarbeiter, Kaufmann, Ruhestand, Personalrat, Direktor bezeichneten, hätte er es sich ersparen können, seine Kandidatur zurückzuziehen. Wer sagt mir, welche Berufe oder Berufungen ein Rentner einstmals gelernt oder ausgeführt hat? Muss eine Hausfrau kochen oder bügeln können? Ist die Angestellte Bestatterin oder Hebamme? Oder der Kaufmann: wie viel Pleiten hat er hinter sich oder wie viele Millionen hat er sich ergaunert? Haben der Theologe, der Physiker oder der Mathematiker, die sich ebenfalls gesellschaftlich einbringen wollen, ihr Studium tatsächlich abgeschlossen – und was üben sie jetzt für eine Tätigkeit aus? Etwas enttäuscht war ich hingegen, dass unter den 2283 Bewerbern bzw. Bewerberinnen nur ein Musiker, ein Regisseur, zwei Künstler und ein Hausmann zu finden waren. Immerhin auch drei Gastronomen und zwei Soldatinnen. Dafür entdeckte ich völlig neue und ungewöhnliche Berufe wie z.B. Kraftverkehrsmeister, Anlagenfahrer, Sozial-Beschwerdemanager, Organisationsentwickler und Heilerziehungspfleger. (So ganz nebenbei entdeckte ich auch eine offenbar komplette fünfköpfige demokratiefreudige Akademikerfamilie, die, mit einer Ausnahme, allein den gesamten Wahlvorschlag 12 im Stadtbezirk 6 bildet.)

Ich muss dann so berufsfixiert gewesen sein, dass ich bei der restlichen Zeitungslektüre nur noch Berufe wahrgenommen habe. Mir fiel auf, dass in den Lokal- und Gerichtsmeldungen bei Personen, deren Namen nicht veröffentlicht werden dürfen, der Beruf offenbar als willkommener Namensersatz herhalten muss. Unterschwellig wird der Fall durch eine Berufsangabe einfach interessanter. Wenn z.B. der Dipl.Ing. S. Banken um 444.466 Euro geprellt hat, so hört sich das aufschlussreicher an, als wenn dies die Angestellte S. angestellt hätte. Spätestens nach der Allerweltsfrage „…und was machen Sie so beruflich?“ spüren wir hautnah, wie oft Menschen voreilig über den Beruf und nicht nach ihren menschlichen Qualitäten beurteilt werden. Bei den Unfallnachrichten ist mir hingegen aufgefallen, dass der Beruf der am Unfall beteiligten Fahrer oder Fahrerinnen immer mehr von der Automarke verdrängt wird. Besonders dann, wenn ein kleiner Fiat oder Opel mit einem Mercedes, Porsche oder BMW zusammenkracht. (Absolut geschmacklos und überflüssig finde ich bei Todesfällen den todsicheren Hinweis: „An den Fahrzeugen entstand bei dem tragischen Unfall ein Sachschaden in Höhe von 6.250 Euro.“)

Nachts träumte ich dann, dass ich vor meinem Rentnerdasein irgendetwas Dummes angestellt hatte und von der Polizei vernommen wurde. Der Vernehmungsbeamte spannte ein Blatt Papier in eine alte klapprige Schreibmaschine und nach Name?, Geburtsdatum?, Adresse? ging es so weiter: „Beruf?“ – „Ich bin gelernter Postbeamter. Zuletzt Postsekretär im mittleren Postdienst.“ – „Also Beamter?“ – Nein, ich habe nach neun Jahren gekündigt und war dann leitender Angestellter bei Bertelsmann.“ – „Dann sind Sie Angestellter?“ „Nein, nach neun Jahren habe ich diesen einträglichen Job gekündigt und habe das Kanapee aufgebaut.“ – „Dann sind Sie also Polsterer?“ – „Nein, ich bin Kaufmann, Gastronom, Koch, Kellner, Einkäufer, Verkäufer, Buchhalter, Grafiker, Eventmanager, Vereinsgeschäftsführer, Alleinunterhalter, Putzmann.“ – „Himmel noch mal, welchen Beruf soll ich denn nun in den Fragebogen schreiben?“ – „Schreiben Sie einfach: Mensch“

Erwin Schütterle
www.natuerlichhannover.de

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