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Ha'nooooofa – ausgesprochen Hochdeutsch, 6/2010

Ich bin ganz schön verunsichert und frage mich, ob ich mein Hannoverbild revidieren muss. Der Grund: Bisher ging ich davon aus, dass in Hannover das beste Deutsch dieser Republik gesprochen wird. Jetzt muss ich zur Kenntnis nehmen, dass das ein Gerücht sei, irgendwann mal in die Welt gesetzt und absolut nicht totzukriegen. Erschwerend kommt hinzu, dass es in dieser Stadt tatsächlich Kräfte gibt, die sich dafür stark machen, der Welt zu beweisen, dass es a) „die hannoversche Sprache“ gibt und b) über Siggi und Raner hinaus dieser Sprachschatz gepflegt, archiviert und geschützt werden muss (siehe: www.wir-sind-hannoveraner.de).

Zunächst war ich ja etwas enttäuscht, dass Hannover sein besonderes Attribut, sein markantes Alleinstellungsmerkmal im innerdeutschen Städteranking aufs Spiel setzt. Mittlerweile kann ich gut damit leben, denn 1. ist das härteste Hannöversch („Raner geht ihn saanen Gachten“) selbst für einen Ausländer noch gut zu verstehen und 2. ist die Sehnsucht der Ur-Hannoveraner nach ein bisschen Dialekt Beweis für meine Theorie, dass der Hannoveraner durch sein ziemlich astreines Hochdeutsch („Wir reden so, wie ihr schreibt“) aus deutscher Sicht zunächst einmal pauschal als farblos, kalt und hart wahrgenommen wird. Ein bayrisch, schwäbisch, sächsisch, köllsch oder platt sprechender Zeitgenosse ist einem auf jeden Fall gleich näher – auch wenn er umgehend in eine positiv oder negativ besetzte Vorurteilsschublade gesteckt wird. Als ich 1974 in das mir völlig unbekannte Hannover „befördert“ wurde, stellte ich fest, dass ich durch meinen damals noch sehr deutlich vernehmbaren schwäbisch- alemannischen Akzent von den Einheimischen mit einer Art Vorschusssympathie bedacht wurde, die es mir sehr leicht machte, innerhalb kürzester Zeit als Vollhannoveraner akzeptiert zu werden. Umgekehrt kenne ich zwei extrem kommunikative Hannoveranerinnen, die es in Freiburg nach Jahren nicht geschafft haben, in die einheimischen Kreise einzudringen.

Da ich geringe Chancen sehe, den Hannoveranern in Volks(hoch)schulkursen eine Art Dialekt beizubringen, schlage ich den umgekehrten Weg vor. So wie andere Städte mit ihren „naturgegebenen“ Attributen Rhein, Berge, Dom, Hafen oder Oktoberfest glänzen, so könnte Hannover sein angeborenes gutes Deutsch weltweit vermarkten. Dabei muss die Stadt gar nicht von Null anfangen. Ich weiß, dass ausländische Studenten Hannover als deutschen Studienort deshalb ausgesucht haben, weil sie mit ihren Deutschkenntnissen hier etwas anfangen können. Der Vertriebschef des Flughafens versicherte mir unlängst, dass er beim Stichwort Hannover in der ganzen Welt hört: „Das ist doch die Stadt, in der so gutes Hochdeutsch gesprochen wird.”

Ich will mal so sagen: Wenn jemand, aus welchen Gründen auch immer, gut, schnell und effizient Deutsch lernen muss, dann nützt es ihm doch wenig, wenn er das in München, Stuttgart oder Köln versucht. Er wird im Biergarten und auf der Straße die Menschen nicht verstehen, und er wird die Weltoffenheit der Hannoveraner dort vergeblich suchen. Ich wünsche, dass sich Hannovers Marketing-, Touristen- und Incomingexperten, der Flughafen, sämtliche Sprachschulen, die Hoch- und Niederschulen, die Goethegesellschaft und selbst das Außenministerium an einen runden Tisch setzen und beschließen, dass „natürlich“ Hannover das nationale Zentrum fürs Erlernen der deutschen Sprache werden muss. Ganzjährig und speziell auch in Ferienzeiten. Zur Unterbringung der vielen Sprachschüler müssen notfalls die Messemuttis wieder reaktiviert werden.

…und für die besonderen Sprachcracks gibt es den Sonderkurs „Hannöversch“, in dem der Unterschied zwischen „Bienenschtich“ und „Bienensstich“ klar gemacht wird.

Erwin Schütterle

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