Freundeskreis Hannover e. V.
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Herzlich Willkommen im Freundeskreis Home 20.08.2017



 

Danach, 10/2016

So, jetzt haben wir in Hannover mal wieder unsere Stimme wohlüberlegt (oder zum Teil möglicherweise nur aus einer üblen Laune heraus) abgegeben und siehe da: Unsere Stimmen haben den machthabenden Parteien gezeigt, dass in einer Demokratie Macht endlich und eingefahrene Mehrheiten zeitlich begrenzt sind. 51,5 Prozent der 407.000 wahlberechtigten Hannoveranerinnen und Hannoveraner dürfen ruhig etwas stolz darauf sein, dass sie mit ihren drei Kreuzen etwas bewegt bzw. bewirkt haben. Obwohl dieses Mal erfreulicherweise knapp 7 Prozent mehr ihr Wahlrecht genutzt haben, finde ich diese mickrige Wahlbeteiligung nach wie vor beschämend. Ist es 197.395 Bürgerinnen und Bürger piepegal wer unsere Stadt regiert und wie unsere Stadt regiert wird? Oder andersherum gesehen: Verdanken wir diesen Wählerzuwachs allein der AfD, die mit Parolen und Plattitüden statt mit Programmen noch am Tag vor der Wahl mittels einer knalligen HAZ-Beilage auf Stimmenfang gehen konnte? Schau’mer mal, wie verantwortungsvoll sie sich ins städtische Politgeschäft einbringen wird.

Ja, zur Demokratie gehört nämlich auch Verantwortung. Deshalb können wir in Hannover sicher sein, dass gesetzlich verbriefte und ethisch begründete, wenn auch unpopuläre, Maßnahmen wie z.B. die Unterbringung von Kriegsflüchtlingen, die Integrierung von anerkannten Asylanten oder Umweltschutzmaßnahmen verantwortungsvoll erledigt werden. Problematisch wird es eher bei Maßnahmen oder Vorhaben in den Bereichen Bau, Verkehr, Kultur, Soziales. Da prallen die Meinungen, die Vorurteile, die unterschiedlichsten Interessen und Weltanschauungen knallhart aufeinander. Eine Stadtregierung darf jedoch nicht nur reagieren und verwalten, sie muss auch agieren und gestalten. So unverständlich es oft für uns Bürger ist: Die Zukunft, das Wohlergehen, das An- und Aussehen unserer Stadt erfordert sinnvolle, richtige, wichtige und warum nicht auch mal spektakuläre und gewöhnungsbedürftige Vorhaben. Ohne Stimmenverlust schafft die Stadtführung das nicht, wenn sie mit dem Kopf durch die Wand geht. Das schafft sie nur mit mühevoller, langatmiger Überzeugungsarbeit und mit Politikern, die Visionen und Mut haben.

Paar Beispiele gefällig? Da hat doch ein verirrter Grüner (verirrt deswegen, weil so ein Visionär nicht einer Partei angehören kann, die die D-Linie gnadenlos in die Vergangenheit fahren lässt) den absolut ungewöhnlichen, dennoch reizvollen und gut begründeten Wunsch geäußert, man möge doch bitte einmal prüfen, ob man nicht mit einer umweltfreundlichen Seilbahn die City mit der neuen Wasserstadt verbinden könne. Mit Killerphrasen (beim Brainstorming verboten) garniert, landet der Gedanke ungeprüft in der Tonne. Sollte die Wasserstadt nicht nur konventionell, sondern beispielhaft für die Zukunft bebaut werden, wäre eine Seilbahn erst recht opportun. Oder: Auch ich bin dagegen, dass der Steintorplatz bebaut wird. Ich könnte jedoch meine Meinung ändern, wenn die Stadt in einem etwas abgespeckten Konzept sicherstellt, dass die unterirdische Trassenführung der D-Linie nicht verbaut, der zweigeschossige Nordmannblock ebenfalls hoch bebaut wird und in den neuen Gebäuden jede Menge kleine, einfache, bezahlbare Wohnungen für Studenten, Singles, Alte, Obdachlose, Arbeitslose und Asylanten angeboten werden. Diese Bewohner würden die City auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten spürbar beleben, die Wohnungsnot der Minderbemittelten lindern und die Integration fördern. Bezahlbare Start-Ups-Läden im Erdgeschoss könnten auch den Einzelhandel etwas aufmischen. Sollte jedoch nur ein Investor „beglückt“ werden, werde ich – auch mit meiner Wahlstimme – den Steintorplatz vehement verteidigen. Ein Gegenbeispiel aus der Vergangenheit: Der Pavillon ist 2014 nicht renoviert, er ist neu gebaut, lediglich die nackten Betonpfeiler sind übernommen worden. Der Pavillon selbst hat im Vorfeld den Gedanken ins Spiel gebracht, ihn üppig zu überbauen. Über dem Parterrebereich war eine Parkebene vorgesehen, darüber jede Menge Wohnungen – mitten in der Stadt. Jetzt soll hinter dem Flachbau ein Hochhaus errichtet werden! Oder: Warum versuchen wir nicht, die Parkplatznot in bestimmten Stadtteilen mit vollautomatischen Nischenparkhäusern zu mildern (VW könnte da Wiedergutmachungsarbeit leisten)? Oder: Fertiggestellte Flüchtlingsheime werden (momentan) nicht mehr benötigt. Warum darin nicht mit kurzfristig kündbaren Mietverträgen Studenten unterbringen? Besonders umfunktionierte Hotels wären dafür doch gut geeignet.

Auf was ich hinaus will: Ich wünsche mir einen kreativen, mutigen Rat, der in Hannover nicht nur gute Ideen anderer Städte kopiert, sondern selbst markante Zeichen setzt, die bundesweit abstrahlen. Wie damals zu Stadtdirektor Neuffers Zeiten, als in Hannover Altstadtfeste erstmals gefeiert, der Flohmarkt gegründet und die Aktion Straßenkunst ins Leben gerufen wurden  …und danach von vielen Städten kopiert wurde.

Erwin Schütterle
www.natuerlichhannover.de

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