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Spizza, 11/2016

Etwas völlig Unfußballerisches ist bei mir von den sommerlichen Europameisterschaften hängen geblieben: In einem Zeitungsbericht wurden die teilnehmenden Länder mit ihren Besonderheiten vorgestellt. Dazu gehörten auch die jeweiligen Nationalspeisen. Mit Erstaunen musste ich lesen, dass wir Deutsche aus ausländischer Sicht uns immer noch überwiegend von Sauerkraut und aus inländischer (Kantinen-)Sicht uns hauptsächlich von Currywurst ernähren.

Aus hannoverscher Sicht muss ich da mein Veto einlegen. Wenn mich nicht alles täuscht, ist das Lieblingsgericht der Hannoveraner die Pizza. Ich hab so das Gefühl, dass keine Woche vergeht, in der in der Stadt nicht wieder ein neuer Pizzaladen eröffnet wird. Keine Pizzabude mit kitschigen Golf-von-Neapel-Ölschinken an der Wand, sondern todschicke Großraumläden, „cool und trendy“ und bereits als Keimzelle für eine ganze Kette konzipiert. Wirtschaftlich gesehen ist eine Pizzeria (egal was es darüber hinaus noch zu futtern gibt) offenbar ein risikoloser Selbstläufer. Pizza geht immer. Dass in den allerseltensten Fällen echte, halbechte oder viertelechte Italiener die Pizzen in den Elektro- oder Holzofen schieben, spielt heutzutage keine Rolle mehr. Solche nationalistisch angehauchten Überlegungen sind uns weltoffenen Hannoveranern absolut fremd. Ausländer hin oder her: Pizzen sind voll integriert, geradezu assimiliert. Sie haben sich mir der Zeit (zumindest aus hannoverscher Sicht) zum deutschen Nationalgericht gemausert. Das führt zu so abartige Kreationen wie z.B. Pizza mit Spagetti oder zu XXL-Pizzen, die mehr auf dem Tisch als auf dem Teller liegen. Fehlt nur noch Pizza mit Pommes!

Wer hingegen seinen Hintern nicht hoch bekommt, laute und gesellige Lokale eher meidet, muss noch lange nicht auf dieses beliebte belegte Hefegebäck verzichten. Tag und Nacht flitzen per Fahrrad, Roller oder Auto Pizzaboten durch die Stadt und beglücken die Besteller mit warmer Ware und die zahlreichen Außer-Haus-Pizzabäcker mit reichlich Kohle. Noch einfacher geht’s mit der Tiefkühlpizza von der in Deutschland jährlich 825 Millionen Stück verputzt werden. Diese Zahl erklärt auch, warum in jedem Supermarkt am laufenden Meter Tiefkühlschränke und Vitrinen stehen – prallgefüllt mit Pizzen in allen Variationen. Dr. Oetker, Herr Wagner, Herr Iglo und Frau Frosta haben keinen Grund zu klagen. Der Pizzamarkt soll nämlich noch längst nicht gesättigt sein. Kein Wunder, eine bequemere Nahrungszufuhr gibt es wohl kaum. Du brauchst keine x-verschiedenen Zutaten einkaufen, du musst keinen komplizierten Hefeteig anrühren (und gehen lassen), brauchst kein Gemüse waschen, putzen, schnipseln und weder Käse reiben noch Salami schneiden. Du schiebst die TK-Pizza einfach in den Ofen, schaust dir im Fernsehen eine inspirierende Kochsendung an, checkst deine E-Mail oder Whats-App-Nachrichten …und in kürzester Zeit hast du ein ansehnliches Gericht auf dem Teller bzw. auf der Hand, das aus ökotrophologischer Sicht nicht einmal zu den schlechtesten Fertiggerichten zählt. Immerhin sind auf dem Beipackzettel in der Regel mehr oder weniger Gemüse sowie Eiweiß in Form von Käse aufgelistet   ….und E-Zusätze sucht man meist vergebens.

Ich will jetzt nicht so weit gehen und von einer Pizza-Sucht der Deutschen sprechen. Obwohl: Die Vorstellung, was passieren würde, wenn Pizza – aus welchen Gründen auch immer – plötzlich verboten würde, könnte einem Angst und Bange machen. Deutschland hätte ein Ernährungsproblem und in Familien mit Kindern würde die Hölle ausbrechen. Höchstens die Konfiszierung des Smartphons könnte schlimmere Entzugserscheinungen zur Folge haben. Was macht Kinder wie Erwachsene von der Pizza so abhängig? Die Leichtigkeit der Zubereitung, die Einfachheit des Verzehrs, die Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit allein kann es nicht sein. Es muss mehr dahinterstecken, wenn Pasta, Pommes, der süddeutsch-französisch angehauchte Flammkuchen, das Pide, der Döner, der Burger und selbst die Currywurst keine Chance haben, der Pizzadominanz Paroli zu bieten. Steckt eine vielleicht noch nicht entdeckte Suchtsubstanz ähnlich des Nikotins dahinter? Oder womöglich sogar eine Art Aphrodisiakum, das Pizzaesser einfach glücklich macht? Letzteres würde einen bei mir hängengebliebenen Vers aus der seriösen ZEIT bestätigen. Bereits vor reichlich über 20 Jahren reimte da ein Leser ganz pizzaselig: „Lakritz macht spitz! Pizza macht spizza!“

Erwin Schütterle
www.natuerlichhannover.de

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