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Absurd, 02/2017

Es war kurz nach Silvester. Mein Nase meinte noch Feuerwerksgeruch wahrzunehmen und meine Augen entdeckten immer wieder Reste der Silvesterknallerei, als wieder mal lang und breit und ziemlich konträr über die gefährliche „dicke Luft“ auf Hannovers Straßen diskutiert wurde. Horrorszenarien wie Fahrverbote für Dieselfahrzeuge, Umleitungen (damit die Nebenstraßen auch mal etwas Feinstaub und Stickoxide abbekommen) oder die tageweise Fahrfreigabe für Fahrzeuge mit geraden bzw. ungeraden Kennzeichen sorgten für viel Aufregung. Kurzum: Das Abendland droht mal wieder unterzugehen. Nicht weil Menschen an den Abgasen erkranken oder sterben, sondern wir keine „freie Fahrt“ mehr haben.

Es ließ sich nicht vermeiden, dass ich mal wieder ganz schön ins Grübeln kam und mir so meine Gedanken über unser absurdes Verhältnis zu unseren Autos im Speziellen sowie unserer Umwelt und letztendlich unserem Leben im Allgemeinen machte. Grenzt es nicht an Irrsinn, dass deutschlandweit an Silvester für mehr als 100 Millionen Euro nicht weniger als 4000 Tonnen (!) Feinstaub freigeballert wurden. Das allein sind 15 Prozent (etwa zwei Monate) des jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubs. Ich kenne die Messwerte von Hannover nicht, gehe aber davon aus, dass der im Zentrum von München gemessene Silvester-Wert von 1346 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft bei uns am Kröpcke spielend erreicht wurde. Der EU-weite Grenzwert liegt übrigens bei 50 Mikrogramm pro Tag. (Nebenbei: Wann wird endlich eine saftige Umweltabgabe auf das Knallzeugs erhoben?)

Ist es nicht mehr als irrational, dass wir uns über die ohne Zweifel gefährlichen Abgase der Dieselmotoren beklagen, aber gleichzeitig Dieselkraftstoff steuerlich bevorzugen? Ganz abgesehen davon, dass VW zwar auf kreative, dennoch kriminelle Art die Abgaswerte fälschen konnte, jedoch nicht in der Lage ist, für die Post umweltfreundliche Elektroautos zu bauen.

Ist es nicht mehr als absurd, dass wir in Hannover über Parkplatznot und „dicke Luft“ klagen, Stadtmenschen jedoch immer mehr auf dickere und PS-stärkere Autos „abfahren“? (Nebenbei: Wann werden die unsinnigen SUVs endlich höher besteuert?) Das heißt: Das Auto kann nicht teuer und nicht groß genug sein, aber der Parkplatz, der muss passend und kostenlos sein und sich möglichst vor der Haustür befinden! Ich würde jede Wette eingehen: Wenn in der List, der Süd- und Nordstadt oder in Linden kostenpflichtige Parkhäuser gebaut würden, sie würden nicht angenommen werden.

Ja, liebe Automobilisten, ihr müsst einfach mal schnallen, dass Autofahren zwar schön, bequem und ohne Zweifel oft sogar notwenig, städtischer Grund und Boden jedoch begrenzt ist. Man kann nicht beides haben: In der Stadt wohnen und Fahr- und Parkmöglichkeiten wie auf dem Lande haben wollen. Dort brauche ich ein Auto allein zum Einkaufen, weil es weder wohnungsnahe Läden noch Taxis gibt. In der Stadt kann ich auch mal zu Fuß oder mit dem Fahrrad meine Frühstücksbrötchen besorgen und mit Bahn oder Bus zum Zoo fahren. In weiser Voraussicht hat Hannover schließlich bereits 20 Jahre nach dem Krieg über ein leistungsfähiges U-Bahnnetz nachgedacht. Zusammen mit der im Expo-Jahr 2000 angelegten S-Bahn und einem taktreichen Busnetz verfügt die Region über einen sehr effizienten öffentlichen Nahverkehr. Ganz abgesehen vom geradezu idealen hannöverschen Ausgangspunkt in Punkto öffentlichem Fernverkehr. Man muss ihn nur nutzen wollen …und das eigene Auto oder die eigenen Autos hin und wieder oder grundsätzlich in Frage stellen.

Ja, liebe Auto fahrende Stadtkinder, dieser Gedanke mag euch jetzt noch unverschämt, absurd und anmaßend erscheinen. Irgendwann habt ihr – wie ich – die nervige Parkplatzsuche und die vielen Knöllchen jedoch satt und ihr stellt Eure Autoliebe wirklich auf den Prüfstand. Das ist dann eine reine Kopfsache und genau so schwer wie das Rauchen/Saufen ein- oder seine Ernährung umzustellen. Ich kenne Leute, die das geschafft haben und höchst zufrieden damit sind, dass sie jede Menge Stress verloren, reichlich Zeit gewonnen, ganz schön Geld gespart, nette Menschen kennengelernt und durch mehr Bewegung ihrer Gesundheit einen großen Gefallen getan haben.

Erwin Schütterle
www.natuerlichhannover.de

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