Clubwelt Hannover – Nachtleben und Nostalgie

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Freundeskreis Hannover

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Mehr Kosten, Auflagen und Unsicherheit im Nachtleben: Die HAZ und das KlubNetz laden zum Talk über Veränderungen in der Club-Kultur.

Clubs kommen und gehen, so die landläufige Meinung. Sie sind Spiegel ihrer Zeit. Jede Zeit hat ihre Clubs, Bars, Liveläden, Diskos, Nachtkulturstätten. Dabei fällt auf, dass viele Orte ein langes Leben haben: aus dem Countryladen Nashville mutierte bis heute das WDM, aus dem Ballsaal der Finsternis wurde das LUX, da wo mal das Liquid war, ist heute ein Monkeys, aufs Bad wird das BéiChézHeinz folgen.

Aber immer öfter gibt es die Ketten, die reißen: die Geschichte des Ortes, wo die Men’s Factory war, ging mit dem PAN zuende. Dazu Kaniye Beer (KlubNetz): „Die Realität, dass ein weiterer legendärer Ort der hannoverschen Nacht für immer geschlossen ist, schmerzt mich. So geht man eigentlich nicht mit einem kostbaren Erbe um.“

Immerhin gibt es Konstanten, die über Jahrzehnte bleiben: Baggi, Palo, Pavillon, Capitol, Korn, Glocksee usw. und leider auch die Orte, die verschwinden. Deren Liste ist endlos: Hanomag, Leine Domicil, Labor, Flohcircus, Casablanca, Orly, Rotation, Röhre, 3RAUM, GUT, Wohnraumatelier, Weltspiele, Sub kürzlich die Strangriede Stage und die Nordstadtbraut, hier kann man kaum aufhören, einen Namen an den anderen zu fügen.

Was es dagegen immer weniger gibt: Neueröffnungen. Der irrwitzige Druck des Immobilienmarkts und die gestiegenen Bauauflagen machen Neugründungen extrem aufwändig und lassen sich kaum refinanzieren.

Die Stimmung ist eh düster: geringe Lust vom Publikum, die weniger werdenden Euros in der Nacht auszugeben, der gestiegene Mindestlohn, aller Einkauf vom Bier bis zur Energie ist teurer geworden, DJ- und Band-Gagen gehen durch die Decke, dann noch Ängste vor anderen Menschen in der nächtlichen Fußgängerzone und überhaupt: Klimakrise, Krieg und das Wetter ist auch scheiße.

Das ist alles richtig und alles Quatsch. Atomkrieggefahr oder Tschernobyl sorgten auch nicht für Heiterkeit, Nazis in Mölln, Solingen, Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen griffen Menschen an, der Balkan expoldierte, Terroristen flogen in Hochhäuser, das Love-Parade-Unglück – wenn man schwarz sehen will, findet man die Farbe auch in der Vergangenheit.

Dann gibt es ja auch frohe Botschaften: Awarenesskonzepte verbreiten sich aus der Subkultur bis hin zu Schützenfesten, sodass Menschen wieder mehr acht aufeinander geben, in den Notaufnahmen landen immer weniger volltrunkene Jugendliche, die Musikkultur wächst global zusammen und bringt immer neue interessante Clubmusik hervor.

Gleichzeitig wird der Rückblick auf die Nachtkultur geschätzt: Ausstellungen mit Rave-Flyern, Gruppen in Social Media, die sich über das Damals austauschen, „vergessene“ Künstler*innen, die wieder Aufmerksamkeit bekommen und in Frankfurt hat mit dem MOMEM – Museum Of Modern Electronic Music sogar ein Museum aufgemacht. Landesweit tummeln sich Nachtbeauftragte und Koordinationsstellen und sollen die Nachtkultur stärken, stützen und verbessern.

Die Nachtkultur  ist weiterhin wichtig. Sie prägt das Gefühl von Stadt, steht für Freiheit von Lebensentscheidungen und -entwürfen, für verhältnismäßig offene Zugänge, sie gestaltet soziale Räume, stärkt Communities und sie ist mittelbar auch monetär wichtig: fragen Sie die Taxifahrerin, DJs, mini-jobbende Studierende oder sogar den Brauereivertriebler – viele haben Einkommen aus der Nachtkultur.

Nicht zu vergessen die körperliche Erfahrung aus Tanzen, dem Teil-einer-Menge-sein, Teil eines Rhythmus, dem Gefühl von Rausch und Kontakt, dem Getragensein von anderen in einem dunklen Schuppen, weil alle die Musik mögen, weil alle sich bewegen, weil alle einen anderen Zustand teilen.

Hajo Rosenbrock vom Freundeskreis Hannover: „Zwischen Musik, Gesprächen und langen Nächten entstehen die Geschichten, die eine Stadt ausmachen. Diese Geschichten verdienen Aufmerksamkeit – und einen gemeinsamen Blick nach vorn.“

Beim HAZ/KlubNetz-Talk zu „Nachtleben und Nostalgie“ wollen wir hinschauen. Auf die Clubs, die Hannover bewegt haben, auf die Orte, die gestaltet wurden. Wir sprechen über und mit den verschiedenen Generationen des Nachtlebens. Wir erörtern, was geblieben ist, was wird.

HAZ/KlubNetz-Talk

Clubwelt Hannover – Nachtleben und Nostalgie

Donnerstag, 5.3.

Einlass: 18.00 Uhr

Beginn: 18.30 Uhr

Baggi (Raschplatz 7, 30161 Hannover)

Eintritt frei

Dabei:

Klaus Ritgen (Veranstalter Rotation, Ballroom Blitz, Musikzirkus, Reincarnation u.a.)

Marc Gerberding (Resident DJ Men’s Factory)

Kaniye Beer (Vorsitzende KlubNetz und Clubbesitzerin vom Kulturpalast Linden)

Emmi Schömburg (Veranstaltende vom INDIEGO Glocksee-Kollektiv)

Moderation: Jan-Egge Sedelies

Eine Veranstaltung von HAZ und KlubNetz.

Präsentiert vom Freundeskreis Hannover. 

Begleitet von der Koordinationsstelle Nachtkultur, den Teams von KlubNetz, MusikZentrum Hannover und Osho/Baggi.